Raiders kehren in die AFL zurück: Einen Schritt zurück, zwei vor?

Der AFBÖ leidet unter den Corona-Folgen, plant aber mittelfristig den großen Coup. Raiders-Headcoach Kevin Herron sprüht deshalb (noch) nicht vor Euphorie.

Harte Zweikämpfe, volle Tribünen: Der Football in Österreich soll im kommende­n Jahr wieder voll aufleben.
© David Bitzan

Von Daniel Suckert

Innsbruck –Ein Jahr ohne Football in Österreich soll es nicht mehr geben. Das untermauerte AFBÖ-Präsident Michael Eschlböck bei der gestrigen Online-Pressekonferenz. In drei Monaten soll der Football wieder durch die Stadien fliegen. Allerdings unter anderen Voraussetzungen. Der AFBÖ präsentierte gestern ein Zwei-Jahres-Konzept.

Es war so etwas wie ein Schuldeingeständnis, als Präsident Eschlböck ausholte: „Im Nachhinein war es nicht gut, den Teams freigestellt zu haben, ob sie spielen wollen oder nicht.“ So wurde die Saison zu einem Duell zwischen den Graz Giants und den Vienn­a Vikings degradiert. Zu früh hatte man sich gegen ein­e Durchführung entschieden – das Tiroler Unterhaus (Fußball) konnte nahezu problemlos die Herbstrunde absolvieren. Die Folgen spüren vor allem die kleinen Football-Clubs: Spieler wanderten ab.

Das hat nun zur Folge, dass im März 2021 die erste Liga (AFL) mit nur sechs, die zweit­e Liga (Division 1) dafür mit zwölf Teams über die Bühne geht. Und es im kommenden Jahr gleich vier Aufsteiger aus der Division 1 geben wird, um 2022 endlich den AFL-Traum einer Zehnerliga zu realisieren.

„Zuschauer kommen nicht, wenn klar ist, wer gewinnt.“

An dem Punkt sieht Swarco Raiders Headcoach Kevin Herron einen möglichen Bumerang: „Es hängt davon ab, wie die Zehnerliga dann aussieht. Es geht um die Konkurrenzfähigkeit des Gesamtprodukts. Die Zuschauer kommen nicht, wenn im Vorhinein klar ist, wer gewinnt.“ 66:0-Siege, wie es sie schon gab, bringen weder den Liga-Schwergewichten noch den „Kleinen“ etwas.

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Herron, der seit heuer bei den Raiders die Geschicke als Headcoach leitet, kann sich eine Teilung der Liga in zwei „Conferences“ vorstellen. Ganz nach dem Vorbild der größten Liga der Welt, der NFL.

Es geht um die Konkurrenzfähigkeit des Gesamtprodukts. Die Zuschauer kommen nicht, wenn im klar ist, wer gewinnt.
Kevin Herron (Swarco Raiders)

Der gebürtige Deutsche hat sich deshalb auch länger mit Tirols Runningback-Legende Florian Grein unterhalten: „Florian war von Beginn an dabei (90er-Jahre, Anm.) und damals hat man auch mal acht Imports pro Team gesehen. Es ging einfach nur darum, dass gespielt wird.“

Eine Aufstockung der Imports für kleinere Vereine wär­e sicher eine Lösung – Herron denkt zusätzlich an Lizenzierungsverfahren, wo verpflichtend die Nachwuchsarbeit eingefordert werden könnte.

Die Fans sollen zurück ins Stadion

Beim Blick auf übermorgen darf aber nicht das Morgen vergessen werden. Und da steht aktuell die Frage nach den Testungen im Raum: Wie oft und wer kommt für die Anti­gen-Tests (6,70 € pro Stück) auf? Eschlböck: „Wir werden anfangs sicher mehr testen, um zu schauen, wie das alles läuft. Wir sprechen beim Football ja von der größten Teamsportart.“ Allein die Kampfmannschaften bestehen aus über 40 Spielern. Auch Zuschauer will Präsident Eschlböck wieder in den Stadien begrüßen. Angepasst an die Möglichkeiten vor Ort: „750 Fans auf der Hohen Warte sind nicht dasselbe wie am Innsbrucker Tivoli.“

Die Vorfreude war gestern schon spürbar. Die Pause war ja lange genug. Wobei die bei den Raiders gut genützt wurde: „Mit seinen Online-Trainingskursen hat uns Florian (Grein, Anm.) neue Spieler beschert.“ Herron selbst half als Defensiv-Coach, die U18 zum Meistertitel zu führen.


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