Angebot an Bundesregierung: Innsbruck will 50 Leute aus Lesbos aufnehmen

Kommunalpolitiker mit Bürgermeister Willi an der Spitze wenden sich an die Bundesregierung. Erzbischof Lackner: Aufnahme „mehr als notwendig“.

„Jetzt scheint mit der Moment gekommen zu sein, wo vor allem Familien mit Kindern von dort auf­genommen werden.“ – Franz Lackner 
(Vorsitzender der 
Bischofskonferenz)
© APA

Innsbruck, Salzburg, Wien – Renate Krammer-Stark, die Klubbfrau der Innsbrucker Grünen, hofft auf ein „Weihnachtswunder“: Unter Federführung von Bürgermeister Georg Willi haben sich Vertreter mehrerer Fraktionen zusammengetan und der Bundesregierung die Aufnahme von mindestens 50 Personen von der griechischen Insel Lesbos angeboten. Sie denken vor allem an verwundbare Gruppen wie Kinder.

Kapazitäten für die Aufnahme sind vorhanden

Neben den Grünen finden sich Stadträtin Christine Oppitz-Plörer (Für Innsbruck), Stadträtin Elisabeth Mayr (SPÖ) sowie Julia Seidl (NEOS) und der unabhängige Mesut Onay auf der Liste der Unterzeichner. Dazu kommen eine Reihe von Hilfsorganisationen und Vereine. Sie betonen, dass in Innsbruck die Kapazitäten für die Aufnahme schutzsuchender Menschen vorhanden wären.

Die Frage der Aufnahme von Flüchtlingen spaltet die Bundesregierung. Die Grünen setzen sich für eine Aufnahme ein, die ÖVP lehnt sie ab. Zuletzt kündigte Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP) an, man wolle eine Tagesbetreuungsstätte von SOS-Kinderdorf für 500 Flüchtlingskinder unterstützen und drei Jahre finanzieren. Die Kinder sollen dort Bildung und psychosoziale Hilfe erhalten.

Franz Lackner, Erzbischof von Salzburg und Vorsitzender der römisch-katholischen Bischofskonferenz, warnt vor einer „Katastrophe“ auf der griechischen Insel Lesbos. Er ruft dazu auf, Flüchtlinge von dort aufzunehmen. Öster­reich habe zwar schon viel getan, meinte Lackner: „Jetzt scheint mir aber der Moment gekommen zu sein, wo vor allem Familien mit Kindern von dort aufgenommen werden.“

TT-ePaper testen und eine von drei Cookit Küchenmaschinen gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

„Retten statt Reden"

Darauf angesprochen, dass sich die ÖVP als christliche Partei einer Aufnahme von Flüchtlingen aus Griechenland verschließt, sagte Lackner, er wolle „niemandem ins Gewissen reden oder das Gewissen absprechen“. Er wolle aber „bitten, auffordern, jetzt, vor Weihnachten, so einen Akt zu setzen, der mehr als notwendig ist, und nicht nur ein Akt der Barmherzigkeit“.

Ein Appell zur Aufnahme von Menschen aus Lesbos kam gestern auch von der evangelischen Kirche. Der Wiener Superintendent Matthias Geist wandte sich an Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP): „Es gehört mehr Mut dazu, seine Meinung zu verändern, als hartnäckig zu ihr zu stehen – koste es, was es wolle.“

Unter dem Motto „Retten statt Reden“ wird heute ein­e Reihe von Prominenten vor dem Bundeskanzleramt in Wien erwartet. Auftreten werden u. a. der Schriftsteller Michael Köhlmaier, die Kabarettisten Florian Scheuba und Thomas Maurer sowie Fußballer Marc Janko. (TT)


Kommentieren


Schlagworte