Vermissten-Rätsel vor Klärung: Junger Südtiroler wohl ertrunken

Bei dem Toten, der am Montagnachmittag im Inn entdeckt wurde, handelt es sich vermutlich um einen seit Wochen vermissten Südtiroler. Der Mann ist ertrunken.

  • Artikel
Die Einsatzkräfte am Kundler Innufer bei der Bergung der Leiche.
© ZOOM.TIROL

Von Thomas Hörmann

Kundl – Das Weihnachtswunder blieb aus. Drei Tage vor dem Heiligen Abend entdeckten zwei Fischer bei Kundl im Inn eine Leiche. Feuerwehrmänner und Polizisten bargen während des Abends den leblosen Körper. Die Identität des Toten war zunächst unklar. Allerdings verdichteten sich im Lauf des Dienstags die Hinweise, dass es sich beim Toten um Moritz M. handeln dürfte. Um jenen jungen Südtiroler, der Mitte November nach einem Streit mit seiner Freundin spurlos verschwunden war. Am Dienstagvormittag wurde die Leiche an der Innsbrucker Gerichtsmedizin obduziert. Das Ergebnis: „Es ergaben sich keine Hinweise auf Fremdverschulden“, erklärte Polizeisprecher Christian Viehweider. Der 25-Jährige aus Brixen in Südtirol ist ertrunken. Der Todeszeitpunkt war wahrscheinlich die Nacht vom 14. zum 15. November.

Zumindest steht fest, dass Moritz M. in jener Nacht spurlos verschwunden ist. Den vermutlich letzten Tag seines Lebens hatte der 25-Jährige mit seiner Lebensgefährtin (22) aus Wattens verbracht. Am Nachmittag unternahm das Paar, das mit Unterbrechungen fünf Jahre zusammen war, einen Spaziergang mit den beiden Hunden. Und am Abend besuchte ein langjähriger Freund der 22-Jährigen die beiden in der gemeinsamen Wohnung in Wattens. Dabei floss offenbar auch jede Menge Alkohol.

Es ergaben sich keine Hinweise auf Fremdverschulden. Die Todesursache war Ertrinken.“
Christian Viehweider (Polizeisprecher)

Gegen 22.30 Uhr kippte die Stimmung, der Südtiroler wurde zunehmend aggressiver. „Er hatte zu viel getrunken“, begründete seine Mutter vor einem Monat im Gespräch mit der TT: „Moritz hatte einen Streit mit seiner Freundin.“ Und die rief dann ihre Mutter in die Wohnung.

Schließlich konnte der Besucher den Südtiroler überzeugen, die Nacht bei ihm zu verbringen. M. setzte sich ans Steuer seines Wagens, rammte beim Ausparken noch mehrere Autos und Pfeiler. Dann sah er offenbar ein, dass er nicht mehr fahrtauglich war, und ließ seinen Pkw stehen. Anschließend machten sich M. und sein Begleiter zu Fuß auf den Weg. Wenig später trafen sie in der Wohnung des Freundes ein. Dort blieb der Südtiroler allerdings nicht lange. Nach etwa 15 Minuten beschloss M. weiterzuziehen. „Er war außer sich und verließ aufgebracht mit unbekanntem Ziel die Wohnung“, erzählte seine Mutter. Eigenartig war, dass der 25-Jährige nicht nur sein Handy und die Geldtasche in der Wohnung des Freundes zurückgelassen hatte. „Er ging mit nur einem Schuh, der zweite blieb ebenfalls zurück“, schilderte die Mutter. Er vergaß auch seine Jacke und war nur mit einem T-Shirt, einer zerrissenen Jeans und möglicherweise einem Pullover bekleidet. Es gibt weiters Aussagen, dass der 25-Jährige zurück zu seiner Partnerin wollte.

150 x Jahres-Vignette 2022 zu gewinnen

TT-ePaper gratis ausprobieren, der Gratiszeitraum endet nach 4 Wochen automatisch.

Suchaktionen blieben ergebnislos

Fest steht aber, dass der Freund nach bisherigen Erkenntnissen der Letzte war, der Moritz M. lebend gesehen hat. Noch vor Mitternacht machten sich die Lebensgefährtin und deren Mutter auf die Suche nach dem Südtiroler. Zunächst in Wattens, dann auch in Innsbruck. Gegen ein Uhr alarmierten die Frauen die Polizei. Doch die Suche blieb ohne Ergebnis. Das Schicksal des 25-Jährigen blieb auch nach weiteren Suchaktionen in Wattens und am Inn ungeklärt. Schon bald wurde vermutet, dass der Vermisste in den Wattenbach gefallen ist. Auf der Suche nach M. ließ die Polizei sogar ein Klärbecken in Wattens leeren. Ebenfalls erfolglos.

Das änderte sich erst, als zwei Fischer am Dienstag bei Kundl ihre Angeln in den Inn hielten. Nach fünf Wochen im Wasser war die Identifizierung des Toten zunächst nicht eindeutig möglich. Allerdings stimmten die Tätowierungen an der Leiche mit jenen des Vermissten überein. Endgültige Gewissheit soll jetzt ein DNA-Vergleich bringen. Das Ergebnis liegt noch nicht vor.

Von Anfang an machten Gerüchte die Runde, dass M. einem Verbrechen zum Opfer gefallen sei. Auch seine Mutter schloss diese Möglichkeit nicht aus. Jetzt ist sogar von Würgemalen am Hals des Toten aus dem Inn die Rede. Für die Polizei nach derzeitigem Ermittlungsstand haltlose Gerüchte: „Von den Würgemalen ist uns nichts bekannt“, dementiert Polizeisprecher Viehweider die diesbezüglichen Gerüchte.


Schlagworte