Tiere öffnen die Kinderherzen am Hof „Wald am See“ in Kitzbühel

Der Hof „Wald am See“ oberhalb des Schwarzsees in Kitzbühel ist ein kleines Paradies. Lamas, Ponys und Co helfen dort nicht nur Kindern durch schwierige Zeiten.

Die Lamas sind ein wichtiger Teil das Therapieangebotes von „Wald am See“ von Daniela Schlechter-Kitzbichler und Roman Schlechter.
© Angerer

Von Harald Angerer

Kitzbühel – Es ist wohl eines der schönsten Platzerl in Kitzbühel. Leicht überhalb des Schwarzsees mit Blick Richtung Süden liegt seit über 500 Jahren der Bauernhof „Wald am See“. Eigentlich eine begehrte Immobilie, doch die Eigentümer hatten ganz eigene Pläne mit dem Hof. „Für uns war immer klar, dass der Hof weiter für die Menschen offen bleibt“, schildert Daniela Schlechter-Kitzbichler. Sie und ihr Mann Roman Kitzbichler betreiben und bewirtschaften den Hof seit 2007. Inzwischen ist „Wald am See“ mit der Zertifizierung für die „Tiergestützte Therapie, Pädagogik und soziale Arbeit am Bauernhof“ der erste zertifizierte Hof in Tirol und seit 2015 der erste Green-Care-Auszeithof Österreichs.

„Begonnen hat es aber damit, dass meine Tante gestorben ist, keine Kinder da waren und es jemanden brauchte, der meinen Onkel versorgt. Unser Gedanke war, dass er einfach hier am Hof bleiben kann“, schildert Schlechter-Kitzbichler. Damals hatten die beiden gerade in Kössen ein Haus gebaut. Als Einnahmequelle, um den Hof erhalten zu können, wurde Urlaub am Bauernhof reaktiviert. „Hier wurde auch früher schon immer vermietet“, schildert Schlechter-Kitzbichler.

Drei Möglichkeiten: Davonlaufen, verkaufen oder herrichten

Zu der Zeit war sie auch auf die tiergestützte Pädagogik aufmerksam geworden. „Da habe ich einen Bericht aus Salzburg gesehen, wo sie mit Lamas sehr große Erfolge erzielt haben“, schildert die ausgebildete Sonderschul-Pädagogin. Schon damals war sie mit ihren Schülern an den Hof gekommen, die Kinder hatten da geschlafen, hatten Wanderungen gemacht oder auch Langlaufen trainiert. Im Herbst 2010 war dann plötzlich der Onkel gestorben und sie standen vor der Frage, wie sie das mit dem Hof weiter machen wollten. Pendeln zwischen Arbeit, dem Haus in Kössen und der Vermietung in Kitzbühel war enorm schwierig für die Familie.

Im Umgang mit den Tieren am Hof werden die Kinder ganz ruhig und viel zugänglicher für die Therapie.
© Angerer

„Wir haben da dann auch immer Besuch von einem Makler bekommen, einfach mal fragen, wie es uns geht“, schmunzelt das Ehepaar. Es gab dann auch mehrmals Angebote in mittlerer zweistelliger Höhe für den Hof. „Wir haben nie darüber geredet, aber für uns war unausgesprochen klar, dass das für uns keine Option ist“, sagt Schlechter-Kitzbichler und ihr Mann unterstreicht: „Wir habe da nie darüber nachgedacht.“

TT-ePaper testen und eine von drei Cookit Küchenmaschinen gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Im August 2013 kam dann ein schwerer Rückschlag. Ein Sturm zog über Kitzbühel und deckte den Wohntrakt des Hauses ab. Dann musste der Hof entkernt und saniert werden. „Es gab dann drei Möglichkeiten: davonlaufen, verkaufen oder herrichten. Wir haben uns schnell für das Dritte entschieden“, schildert Kitzbichler. Es war für beide klar: „Wir wollten den Platz wieder für Menschen zugänglich machen. So entstanden die beiden Standbeine mit Urlaub am Bauernhof und der tiergestützten Pädagogik. Das Angebot als Green-Care-Diversifizierungsprojekt reicht von Tiergestützter Pädagogik und Kompetenzförderung, Schule am Bauernhof, Workshops zu Projekttagen.

Etwas oberhalb des Schwarzsee liegt „Wald am See“.
© privat

Psychische Belastung durch Home-Schooling enorm

Das Angebot wurde über die Jahre immer besser angenommen und vor allem die positiven Rückmeldungen von Kindern und Eltern bestätigt die beiden in ihrem Tun und darin, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. „Wir haben das nie bereut, nie“, betonen die beiden. „Wo wir mehr hadern, ist damit, dass die Leute, die hier spazieren oder schauen gehen, glauben, ihnen gehöre alles. Am Sonntagnachmittag könnten wir nicht in Ruhe einen Kaffee vor dem Haus trinken, wenn wir nicht den Bereich absperren würden. Da säßen dann 25 Leute vor dem Haus“, schildert Schlechter-Kitzbichler.

Die Corona-Krise spürt man in auch in „Wald am See“ deutlich. Schulveranstaltungen sind bis dato nicht mehr möglich und auch Urlaub am Bauernhof lediglich wenige Wochen. Nur therapeutische Einheiten waren möglich. Hier ist der Bedarf aber deutlich gestiegen. „Die psychische Belastung zum Beispiel durch Home-Schooling war bei Kindern und Eltern enorm“, sagt Schlechter-Kitzbichler.


Kommentieren


Schlagworte