Startschuss der Corona-Impfungen in Italien und Tschechien

311 Tage nach Ausbruch der Epidemie in Italien, die fast 72.000 Todesopfer gefordert und zur Infizierung von zwei Millionen Personen geführt hat, hat in Italien eine große Anti-Covid-Impfkampagne begonnen. Als erste Italienerin wurde anlässlich des europäischen Impftags „V-Day“ am Sonntag die 29-jährige römische Krankenpflegerin Claudia Alivernini geimpft. Auch in Tschechien starteten die Impfungen. Regierungschef Andrej Babis ließ sich vor laufenden Kameras impfen.

„Sich impfen zu lassen, ist eine Geste der Nächstenliebe. Wir haben einen historischen Tage erlebt, den wir nicht vergessen werden. Wir vertrauen der Wissenschaft und denken, dass diese Impfkampagne eine Wende im Kampf gegen die Epidemie sein wird“, sagte die Krankenpflegerin. Sie ist im nationalen Institut für Infektionskrankheiten „Lazzaro Spallanzani“ beschäftigt. Nach ihr wurden in Rom zwei Ärzte und weitere zwei Mitarbeiter des Krankenhauses geimpft.

Für den Start der Impfkampagne wurden Italien 9.750 Impfdosen geliefert, die am Freitag aus Belgien über den Brenner Rom erreichten. Von hier aus wurden sie mit Maschinen der italienischen Luftwaffe in mehrere italienische Städte geflogen. Die meisten Dosen erhielt die Lombardei, die von der Pandemie am stärksten betroffene Region Italiens. Begonnen wird mit der Impfung des Gesundheitspersonals, sowie Patienten in Seniorenheimen.

Die erste Person, die in der Lombardei geimpft wurde, ist die Krankenpflegerin der Intensivstation im Krankenhaus von Codogno. Hier war am 20. Februar der erste Coronavirus-Fall entdeckt worden. Der Impfstoff wurde der Krankenpflegerin im selben Zimmer des Krankenhauses injiziert, in der die Anästhesistin Annalisa Malara den ersten Italiener auf Coronavirus getestet hatte.

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„Endlich sehen wir Licht am Ende einer langen Nacht“, kommentierte der für die Impfkampagne verantwortliche Regierungskommissar Domenico Arcuri. Er bezeichnete den Beginn der Impfkampagne als „symbolischen Tag“ für Italien. „Wir sind überzeugt, dass die Bürger die Bedeutung dieser Impfkampagne begreifen und sich zur Impfung entschließen werden“, erklärte der Regierungskommissar.

450.000 Impfdosen pro Woche soll Italien vom Pharmakonzern BioNTech/Pfizer erhalten. In einer ersten Phase sollen 1,7 Millionen Italiener geimpft werden, darunter 15.000 Ärzte und Pflegepersonal. Bis Herbst sollen es laut Hoffnungen der Regierung 42 Millionen sein. Regierungschef Giuseppe Conte hatte am Mittwoch versichert, dass es in Italien zu keiner Impfpflicht kommen werde.

Italien ist das von der Coronavirus-Epidemie europaweit am stärksten betroffene Land. Die Zahl der Toten seit Beginn der Pandemie stieg am Samstag auf 71.620. Über zwei Millionen Menschen wurden infiziert.

In Tschechien starteten die Impfungen zunächst in vier Krankenhäusern in Prag und in zwei Krankenhäusern in Brünn. Regierungschef Babis hatte sich zwar zuvor wegen einer früheren Krankheit zurückhaltend zu der Impfung geäußert, schließlich ließ er sich doch vor den TV-Kameras im Prager Zentralen militärischen Krankenhaus immunisieren, um Signal an die Öffentlichkeit zu setzen.

„Dieses Jahr war das schlimmste in der Geschichte. Viele unsere Mitbürger sind an Covid-19 gestorben. Das Vakzin gibt Hoffnung, dass wir zu einem normalen Leben zurückkehren,“ sagte Babis. Er gehört damit zu den ersten geimpften EU-Regierungschefs.

Tschechien hat am Samstag zunächst knapp 10.000 Stück von Impfstoff Konsortium BioNTech/Pfizer erhalten, weitere sollen im Jänner folgen. Laut dem Regierungsplan sollten in erster Linie die Ärzte und weiteres Gesundheitspersonal sowie ältere und kranke Bürger geimpft werden. Die weite Öffentlichkeit sollte im Frühjahr an die Reihe kommen, wobei bereits im Februar ein Online-Bestellsystem gestartet werden sollte.


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