Kampf um Bodenaushubdeponie auf der Fernpasshöhe

Umstrittener Standort am Fernpass: Wirtschaftskammer unterstützt Betreiberfirma.

Auf einer Fläche von 40.000 m² sollte auf der Fernpasshöhe eine Aushubdeponie entstehen.
© Paschinger

Biberwier, Reutte – Der Richter des Landesverwaltungsgerichtes (LVwG) hat das einzelne Pflanzenindividuum (Eibe und Seidelbast) über die Bedeutung einer Deponie für die Region, die Standortgemeinde und die Zukunft eines Unternehmens mit knapp 50 Mitarbeitern gestellt – so sehen Wirtschaftskammer und Betrieb das Erkenntnis. Wie berichtet, gab das LVwG der Beschwerde des Umweltanwaltes gegen die geplante Bodenaushubdeponie auf 40.000 m² auf der Fernpasshöhe statt und hob den positiven naturschutzrechtlichen Bescheid auf. Dagegen richtet sich nun die außerordentliche Revision der Reuttener Erdbewegungsfirma Specht, die fristgerecht beim Verwaltungsgerichtshof in Wien eingebracht wird.

„Falls dieses Erkenntnis Bestand haben sollte, hätte dies sehr schwerwiegende negative Konsequenzen für die gesamte Tiroler Wirtschaft“, sagt Stefan Garbislander von der Standortanwaltschaft der Wirtschaftskammer. „Denn: Durch den absoluten Schutz jeder einzelnen Pflanze wird es kaum mehr möglich sein, sinnvolle Betriebserweiterungen außerhalb von geschlossenen Ortschaften etc. umzusetzen. Aber auch für die Land- und Forstwirtschaft würden sich massive nachteilige Konsequenzen ergeben – so wäre die Errichtung von Forstwegen wohl kaum mehr möglich.“ Die Deponievolumen im Bezirk Reutte reichen jedenfalls nur noch für fünf Jahre, so Garbislander. Und „aus Sicht des Richters wird angezweifelt, ob die Existenz eines Unternehmens (und die damit verbundenen Arbeitsplätze) überhaupt im langfristigen öffentlichen Interesse liegt. Eine gerade angesichts der größten Wirtschaftskrise der vergangenen Jahrzehnte äußerst fragwürdige Wertehaltung.“

Unternehmerin Insam-Specht ergänzt, dass die 412.000 m³ umfassende Deponie nicht in einem Stück, sondern in sieben Abschnitten gefüllt würde. Dabei würde durch die Bepflanzung auf Höhe der Straßentrasse auch eine Verbesserung des Schallschutzes im Wald erreicht.

Biberwiers Bürgermeister Paul Mascher begrüßt den Schritt der Firma: „Die Deponie bringt Einnahmen für die Gemeinde, die ich mir eigentlich nicht entgehen lassen will.“ Jeder deponierte Kubikmeter bringe zwei Euro, so der Dorfchef. (pascal)


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