Warm, wärmer, 2020: Temperaturen auf den Bergen so hoch wie noch nie

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In Tirol (im Bild der Blick auf Innsbruck von der Nordkette aus) war es heuer um 1,2 Grad Celsius wärmer als im Schnitt.
© APA/JAKOB GRUBER

Innsbruck – Heiße Monate liegen hinter Österreichs Bergen. Nicht nur, weil sie seit Beginn der Corona-Pandemie von Erholungssuchenden gestürmt werden, sondern auch im wahrsten Sinne des Wortes. 2020 war im alpinen Bereich das wärmste Jahr seit Beginn der Messgeschichte und insgesamt das fünftwärmste, wie die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) mitteilt.

Damit setzt sich ein schon länger andauernder Trend fort. „Wir haben in den vergangenen 26 Jahren die 15 wärmsten Jahre der Messgeschichte erlebt“, sagt ZAMG-Klimatologe Alexander Orlik. Höhere Durchschnittstemperaturen als heuer wurden nur 2018, 2014, 2019 und 2015 gemessen. Im Vergleich zu einem Jahr im Zeitraum 1961 bis 1990 war das auslaufende um 2 Grad Celsius wärmer.

An der Messstation bei der Innsbrucker Uni, wo mit 10,6 Grad Celsius das in Tirol höchste Jahresmittel der Lufttemperatur verzeichnet wurde, lässt sich die Entwicklung laut Orlik gut ablesen. Hier werden seit fast 250 Jahren Daten erhoben. „Gemeinsam mit dem Jahr 2005 war an der Innsbrucker Uni heuer das viertwärmste der Geschichte.“ Die Abweichung vom langjährigen Schnitt lag bei Plus 1,2 Grad Celsius – dieser Anstieg wurde auch für ganz Tirol gemessen.

In den Bergen war die Steigerung noch einmal größer. Am Patscherkofel, wo seit 1931 gemessen wird, war es heuer um 1,8 Grad Celsius wärmer. Das Jahr 2020 ist damit, gemeinsam mit 2011, das wärmste der Geschichte. „Je höher gelegen, desto ungewöhnlicher war die Abweichung vom Temperaturmittel“, erklärt Orlik.

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Und nicht nur besonders heiß war das auslaufende Jahr, sondern auch überaus sonnig (bundesweit neun Prozent mehr Sonnenschein, in Tirol elf Prozent mehr als im Schnitt) und außergewöhnlich nass. Während laut ZAMG in Tirol nördlich des Inns ausgeglichen viel Regen und Schnee fielen, gab es in Osttirol ein Plus von 20 bis 40 Prozent, stellenweise um bis zu 60 Prozent mehr als im Mittel.

Im Bezirk Lienz hat es erst Anfang Dezember extrem starken Schneefall gegeben, im Vorjahr war das im November der Fall, 2018 im Oktober. Wie ist diese Häufung im Herbst bzw. Frühwinter zu erklären? „Dafür verantwortlich sind starke Italientiefs“, sagt Alexander Orlik. Warum diese so knapp hintereinander aufgetreten seien, müsse noch erhoben werden. „Ungewöhnlich ist es aber allemal.“ (bfk)


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