Verschärfung für die Skigebiete wegen Staus vor den Liften

Nach den Bildern von Menschenmassen vor manchen Einstiegsstellen schärft der Bund nach. Seilbahner fordern hingegen ein Aus der Personen-Beschränkung.

In Tirol haben die Corona-Regeln größtenteils sehr gut funktioniert, in anderen Bundesländern gab es aber auch Verstöße und viel Kritik.
© Michael Kristen

Innsbruck, Wien – Die Öffnung der Seilbahnen für Einheimische trotz hartem Lockdown sorgt weiter für intensive Diskussionen. Nachdem zuletzt Bilder aus einigen anderen Bundesländern vor dem Einstieg in Lifte und Gondeln aufgetaucht waren, hat das Gesundheitsministerium jetzt mit einem Erlass reagiert – und droht mit Sperren. Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) betont: „Wir fordern die zuständigen Behörden darin auf, verstärkt zu kontrollieren, ob die vorgeschriebenen Maßnahmen vor Ort eingehalten werden. Ist dies nicht der Fall, sind im Wiederholungsfall Betretungsverbote auszusprechen.“

Zudem, so das Ministerium, müsse es verstärkte Überprüfungen der geforderten Präventionskonzepte der Seilbahnen geben. Es benötige beispielsweise Leitsysteme und zahlenmäßige Limitierungen. Für Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) sind die Vorgaben vernünftig, „weil in den Gondeln die Ansteckungsgefahr lauert, und nicht auf der Skipiste“. Kogler mahnte die Liftbetreiber, sich an die Regeln zu halten, sonst „ist da einzuschreiten“.

📽️ Video | Neuer Erlass gegen Staus vor Skiliften

Köstinger: „Einige wenige schwarze Schafe"

Auch Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) zeigt sich über Verstöße verärgert. „Ich habe nicht das geringste Verständnis dafür, wenn sich einige wenige schwarze Schafe nicht an die Regeln halten.“ Diese Einzelfälle gehörten unterbunden, damit nicht auch jene Skigebiete, die sich an alle Regeln halten, unter diesen Einzelfällen leiden. Die Kapazitätsbeschränkungen bei den Seilbahnen und Liftanlagen werden bleiben, stellte Köstinger klar.

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Zuvor hatte Seilbahner-Chef Franz Hörl ein Ende der Personenbeschränkungen in den Gondeln gefordert. Derzeit darf die Auslastung maximal 50 Prozent betragen. Laut Hörl führt diese Einschränkung dazu, dass es an den Einstiegsstellen zu Warteschlangen kommt, die vermieden werden müssen. Er verweist auf das Beispiel Hinterstoder in Oberösterreich, wo Bilder von Menschenansammlungen an der Talstation im Internet kursierten. Die Liftbetreiber hätten mit einer früheren Öffnung genau diesen Ansturm vermeiden wollen – woraufhin die Gäste eben früher gekommen seien. Hörl zeigte sich positiv überrascht, wie gut die FFP2-Maske von den Skifahrern angenommen werde.

Kritik an FFP2-Maskenpflicht bei Skiliften

Unterdessen kritisierte Miranda Suchomel, Assistenzprofessorin am Institut für Hygiene und angewandte Immunologie der Med-Uni Wien, im Standard die FFP2-Maskenpflicht bei Skiliften. „Im Vergleich zu anderen Risikosituationen ist das unverständlich. Aus fachlicher Sicht leuchtet nicht ein, warum hier FFP2-Masken getragen werden müssen, in Bussen, Straßen- und U-Bahnen zum Beispiel aber nicht.“

Beim Skifahren würden die FFP2-Masken auch nur bedingt nützlich sein. Bei sportlicher Betätigung würden die Masken rasch durchfeuchtet, dann schützten sie überhaupt nicht mehr. Zudem werde in Gondeln und Kabinen zusätzlich meist Helm getragen, die Menschen müssten daher lauter sprechen: „Das erhöht die Ansteckungsgefahr um ein Weiteres.“ (TT)


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