Tirols Polizei hofft auf ruhige Nacht: Das sind die Regeln zu Silvester

Die Polizei wird den Jahreswechsel mit zusätzlichen Streifen überwachen. Spaziergänge sind auch zu Silvester erlaubt, Partys nicht. Für die Beamten eine Grauzone.

Wer im Freien Erholung suchen will, kann das auch zum Jahreswechsel tun. Menschenansammlungen und Silvesterpartys wie in früheren Jahren wird die Polizei allerdings nicht tolerieren.
© Böhm Thomas

Von Thomas Hörmann

Innsbruck – Der Jahreswechsel – für die Innsbrucker Polizei möglicherweise eine große Herausforderung. Und zwar dann, wenn sich Hunderte oder gar Tausende Unentwegte trotz Ausgangssperre in der Innenstadt versammeln, um mit einem Glas Sekt das Feuerwerk zu genießen.

„Wir wissen nicht, was auf uns zukommt. Wir rechnen nicht mit größeren Menschenansammlungen, sind aber gerüstet“, meint Innsbrucks Stadtpolizeikommandant Romed Gine­r: „Jedenfalls haben wir mehrere zusätzliche Streifen im Einsatz.“ Und die müssen dann entscheiden, ob sich etwaige Nachtschwärmer legal oder illegal in der Innenstadt aufhalten.

Denn auch zu Silvester gilt: Das Verlassen des Wohnbereichs zur körperlichen Ertüchtigung oder psychischen Erbauung ist erlaubt – theoretisch auch am Marktplatz mit Blick aufs Feuerwerk auf der Seegrube. Wer dort allerdings mit seinen 15 Freunden aufs neue Jahr anstößt, kann das Verhalten nicht mehr mit legaler Erholung rechtfertigen. „Das wird nicht gehen, in solchen Fällen ist mit einem Einschreiten der Polizei zu rechnen“, sagt Giner.

🍾 Corona-Regeln zu Silvester

⛔️ Ausgangsbeschränkungen. Der Wohnraum darf nur zur Abwendung von Gefahr, zur Deckung der Grundbedürfnisse, zu beruflichen Zwecken, zur Erholung und für Behördengänge verlassen werden.

👨‍👩‍👧‍👧 Treffen zu Silvester. Das ist erlaubt, aber nur mit Personen aus dem eigenen Haushalt und einer weiteren Bezugsperson oder einer Angehörigen oder einem Angehörigen. Auch an diesem Tag gilt die „1+1-Regel“: Ein Haushalt mit beliebig vielen Personen darf eine Person aus einem anderen Haushalt treffen (plus gegebenenfalls ihre aufsichtspflichtigen, minderjährigen Kinder).

🎇 Feuerwerke. Wegen der Ausgangsbeschränkungen ist es rechtlich gesehen fast unmöglich, Feuerwerkskörper abzufeuern. Private Feuerwerke auf öffentlichem Grund fallen nicht unter die Ausnahmeregelungen von der Ausgangssperre. Sie werden als reine Belustigung bezeichnet. Die Verwendung pyrotechnischer Artikel der Kategorie F2, also auch Raketen, Knallfrösche oder Blitzknallkörper, im Ortsgebiet ist ohnehin generell verboten. Ausnahmeregelungen für private Feuerwerke könnten die jeweiligen Bürgermeister erteilen, davon rät das Innenministerium jedoch ab.

💶 Strafen. Wer sich nicht an das Feuerwerksverbot hält, dem drohen Geldstrafen bis zu 3600 Euro oder sogar bis zu drei Wochen Haft.

👮 4000 Polizisten im Einsatz. Die Polizei wird zum Jahreswechsel mit 4000 Beamten im Einsatz sein und auch die Einhaltung der Bestimmungen des Pyrotechnikgesetzes überwachen.

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Schwierige Unterscheidung zwischen legal und illegal

Innsbrucks Polizeichef weiß aber auch, dass die Unterscheidung zwischen legal und illegal schwierig werden könnte. „Das ist natürlich ein Graubereich. Wir werden wie schon in der Vergangenheit mit Fingerspitzengefühl einschreiten.“ Das heißt mit Ermahnungen und Belehrungen. „Wenn die Leute allerdings nicht zur Vernunft kommen, ist auch mit Anzeigen zu rechnen“, so Giner weiter. Grundsätzlich appelliert der Polizeikommandant aber an die Bevölkerung, in den eigenen vier Wänden ins neue Jahr zu rutschen.

Verbotene Privatfeuerwerk und Ausgangssperre

Die Corona-Beschränkungen haben aber auch Auswirkungen auf die Hobby-Feuerwerker, die es trotz Verbots knallen und leuchten lassen wollen. Denn – wer erwischt wird, zahlt unter Umständen doppelt. Nämlich dann, wenn die Raketen im öffentlichen Raum gezündet werden. „Die Wohnung zu verlassen, um ein Feuerwerk zu zünden, hat nichts mit Erholung zu tun. Das ist kein Grund, die Ausgangssperre zu ignorieren“, stellt Giner klar.

Wer das dennoch tut, erhält zwei Anzeigen: eine fürs verbotene Privatfeuerwerk und eine weitere fürs Missachten der Ausgangssperre. Wer hingegen seinen Balkon oder Garten als Raketen-Startrampe nützt, kommt – sofern er erwischt wird – mit einer Anzeige davon.

📽️ Video | Regeln für den Jahreswechsel

Silvesterfeuerwerk auf der Seegrube im Livestream

Zum Jahresabschluss kommt heuer sogar das Silvesterfeuerwerk ins Wohnzimmer. All jene, die von daheim aus keinen Blick auf die Nordkette haben, können das Feuerwerk der Stadt Innsbruck auf der Seegrube via Livestream im Internet verfolgen.

Tirol TV überträgt zudem ein "Best of Feuerwerk" um Punkt Mitternacht in die Haushalte. Die Feuerwerksmusik, unter anderem mit dem obligatorischen Donauwalzer um Schlag Mitternacht, wird an 200 IVB-Haltestellen über Lautsprecher zu hören sein.

"Auch wenn es erlaubt ist, sich die Beine zu vertreten, ist uns bewusst, dass die Menschen nicht auf die Straße gehen sollen, um das Feuerwerk zu bestaunen", erklärt Bernhard Vettorazzi vom Stadtmarketing.

Die Silvesternacht verläuft laut Vorhersage vielerorts in Tirol bewölkt, der Blick von Innsbruck zur Seegrube soll aber bis nach Mitternacht nebelfrei bleiben. (dd)


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