Haflinger-Welt in Ebbs dreht sich weiter

Pandemie und Feiertage hin oder her – am Ebbser Fohlenhof wollen bis zu 100 Pferde täglich versorgt werden. Die Mitarbeiter haben genug zu tun – doch so wie aktuell kennen auch sie das Gestüt nicht.

Bis zu 100 Pferde müssen am Ebbser Fohlenhof versorgt werden. Amerigo genießt die Fellpflege von Ausbildungsleiterin Magdalena Hell.
© Hrdina

Von Jasmine Hrdina

Ebbs – Aus den Stallungen schnaubt und wiehert es, Hufe klappern am Asphalt. Abseits der typischen Geräuschkulisse ist es zurzeit aber ruhig am Fohlenhof in Ebbs – „es herrscht fast schon eine unheimliche Stille“, meint Gestütsleiter Robert Mair. Normalerweise erkunden an Spitzentagen mehr als hundert Besucher die weltbekannte Zucht- und Ausbildungsstätte für Haflinger-Pferde. Der Zutritt bleibt Außenstehenden im Lockdown aber verwehrt. Während die Welt draußen im Pandemie-Sturm wirbelt, muss die Ordnung am Gestüt aufrechterhalten bleiben: Bis zu 100 Pferde wollen täglich versorgt werden – Corona, aber auch die Feiertage, scheren die Tiere nicht. Mair: „Wir können nicht den Schlüssel umdrehen und die Luft rauslassen.“

Der Winter hüllt die Ebbser Felder noch in Dunkelheit, wenn gegen sieben Uhr morgens die Stalltüren aufgehen. „Wenn die Pferde den Kopf heben und dich anschauen, ist das ein gutes Zeichen“, sagt Mair über den morgendlichen Kontrollgang. Boxen säubern, Fellpflege, Füttern, Bewegung und Ausbildung – der Fohlenhof-Alltag ist gut strukturiert. 12 Mitarbeiter arbeiten derzeit in zwei Tranchen. Falls der Virus eines der Teams erfasst, sei die Versorgung der Tiere weiterhin gewährleistet.

„Wir vermissen die Reitschüler“, sagt Ausbildungsleiterin Magdalena Hell, als sie mit einer Gummibürste über das glänzende Winterfell des Weltsieger-Hengstes Amergio streift. Dass keine Besucher da sind, sei für die Tiere einerseits entspannend, „aber eigentlich genießen sie die viele Aufmerksamkeit und die Streicheleinheiten“.

Nach dem ersten Lockdown habe es eine enorme Nachfrage beim Reitunterricht gegeben, im Herbst sei es dann wieder ruhiger geworden. „Uns geht die Arbeit trotzdem nicht aus“, erklärt Sabine Mair, während sie eine der Stuten am Halfter zur Führanlage bringt. Dort gehen die Haflinger im Schritttempo im Kreis. Die Tiere sind durch herabhängende Gummimatten voneinander getrennt – Staus sollen so verhindert werden. Die Junghengste toben sich im Laufstall aus oder werden überschüssige Energie auf der Koppel los. An einer gefrorenen Wasserpfütze zu lecken, scheint die männlichen Blondinen zu amüsieren, die Jüngeren versuchen sich in ersten spielerischen Machtkämpfen. „Wir konzentrieren uns derzeit auf die Ausbildung“, sagt Mair, die selbst unterrichtet. Reitstunden finden im Lockdown nicht statt, die Vierbeiner aber müssen weiterhin „die Schulbank drücken“ – bei den Leistungsprüfungen für Reit- und Fahrpferde gibt es keine pandemiebedingten Ausnahmen oder Erleichterungen. Reitunterricht gibt es frühestens wieder ab 18. Jänner. „Ärgerlich für alle Anfänger“, sagt Robert Mair. „Reiten ist nicht wie Fahrradfahren. Nach vier Wochen Pause fängst du wieder von vorne an.“

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Die Weltausstellung wurde auf Juni 2021 verschoben – 20.000 Gäste werden normalerweise erwartet, dazu 600 Aussteller aus Europa. Ob oder wie das möglich sein wird, weiß der Gestütsleiter nicht. Man sei heuer trotz allem „mit einem blauen Auge davongekommen“, meint Mair, ohne näher auf Zahlen einzugehen. Doch auch im Domizil des Haflinger Pferdezuchtverbands Tirol weint man verlorenen Eintrittsgeldern hinterher: „Mit einer Heidi-Idylle allein kannst du den Betrieb nicht wirtschaftlich führen.“

„Mir fehlt es, Schüler und Senioren herumzuführen und ihre Fragen beantworten zu können“, sagt Annemarie Wendlinger. Die bayerische Wahl-Tirolerin nennt das Gestüt seit 20 Jahren ihre Heimat, begleitet dort bis zu 20 Pferdegeburten pro Jahr und lässt sich auch in der Silvesternacht nicht aus der Ruhe bringen, wenn Feuerwerk die Tiere aufscheucht. So menschenleer wie aktuell wirken die Ställe und Hallen auf die erfahrene Pferdepflegerin „etwas gespenstisch. So habe ich den Fohlenhof noch nie erlebt.“


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