Verrückter Dezember: Mild im Norden, Schnee-Rekord in Lienz

Unterschiedlicher hätte das Jahresende in Tirol nicht ausfallen können: Warm und trocken im Norden, Schneechaos im Süden.

Der Dezember war sehr mild und brachte im Südwesten extreme Niederschlagsmengen.
© Blassnig Christoph

Innsbruck – Turbulent wie das ganze Jahr 2020 zeigte sich auch das Wetter im Dezember. Das belegt eine Bilanz der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG). Im letzten Monat des Jahres dominierten Wetterlagen, bei denen aus dem Mittelmeer-Raum feuchte Luftmassen nach Österreich strömten. Die Alpen wirkten dabei wie eine Staumauer: An der Südseite staute sich die feuchte Luft und in einigen Regionen kamen ex­treme Regen- und Schneemengen zusammen.

„Vor allem in Osttirol und in Oberkärnten fiel die drei- bis knapp neunfache Niederschlagsmenge eines durchschnittlichen Dezembers“, sagt Alexander Orlik von der ZAMG, „an einigen Messorten gab es neue Dezemberrekorde, wie zum Beispiel in Millstatt und Döllach. In Lienz war es nicht nur ein Dezember-Rekord, sondern überhaupt die größte Niederschlagsmenge, die hier innerhalb eines Monats gemessen wurde. Die Messreihe geht bis ins Jahr 1854 zurück.“

Der viele Schnee ließ auch die Lawinengefahr ansteigen.
© privat

Ganz anders die Situation an der Nordseite der Alpen. Hier gab es wegen des geringen Niederschlags und des milden Wetters um rund 20 bis 50 Prozent weniger Schnee als in einem durchschnittlichen Dezember.

Auch der letzte Monat im Jahr 2020 war in Österreich deutlich wärmer als das klimatologische Mittel. Im Flächenmittel war der Dezember 2020 um 1,6 °C wärmer als das Mittel 1981–2010 und gehört damit zu den wärmsten 35 Dezembermonaten seit dem Jahr 1767. Als Folge der relativ hohen Temperaturen gab es deutlich weniger Eis- und Frosttage. In den Landeshauptstädten stieg die Lufttemperatur häufig nur ein- bis zweimal nicht über 0 °C. In Bregenz, Innsbruck und Linz gab es in diesem Dezember keinen einzigen Tag mit Dauerfrost.

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Trotzdem war die Sonne in diesem Dezember ein seltener Gast. Bis Weihnachten summierten sich österreichweit nur etwa 50 Prozent der Sonnenscheindauer eines durchschnittlichen Dezembers. Bis zum Monatsende hatte sich dieser Wert immerhin noch auf ein Defizit von 25 Prozent verbessert. Damit ist dieser Dezember der sonnenärmste seit dem Jahr 2002. (TT)


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