Bergiselspringen: Auf künstlichen Lärm & Pappfiguren haben die Innsbrucker keine Lust

Die Bergisel-Veranstalter kommen mit einem blauen Auge davon, im Finalort Bischofshofen beklagen die Veranstalter „Mindereinnahmen“.

20.000 Zuschauer finden im ehrwürdigen Bergisel-Oval Platz, heuer dürfe­n es gerade einmal 1000 Trainer, Betreuer und Helfer sein.
© Julia Hammerle

Von Florian Madl

Innsbruck – Es gab Jahre, da kämpften die Organisatoren des Innsbrucker Bergiselspringens mit der Witterung, dem unerbittlichen Föhn und der frühzeitig einsetzenden Dunkelheit. Heuer stellt sich die Situation beim dritten Tourneebewerb gänzlich anders dar: Das Wetter – den Prognosen zufolge gut. Der Beginn des Bewerbs – um eine halbe Stunde vorverlegt. Bleibt Corona, das Virus, das Europa in Atem hält. Organisationschef Alfons Schranz wappnet sich und seine 180 Helfer vom SC Bergisel (Vereinigung der Vereine WSVI, SVG Tyrol, ISV, TI) mit Tests am Fließband, denn der Skispringer-Tross mit seinen Athleten, Betreuern und Service­leuten befindet sich in einer Blase, die kein Schlupfloch offen lassen darf. Und Zuschauer müssen heuer zuhause bleiben.

Wirtschaftlich verkraftbar

„Künstliche Fans sind nicht unser Stil“, wehrte sich Alfons Schranz gegen Pappfiguren und Stadionatmosphäre aus der Lautsprecherbox. Dann lieber ehrlich ins Leere springen, der Hexenkessel Bergisel mutiert heuer zur Kaltschale.

„Wir verzichten auf Fans aus Pappe und Zuschauerlärm aus den Boxen – das ist nicht unser Stil.“ – Alfons Schranz 
(Organisationschef)
© Foto TT / Rudy De Moor

Die Herausforderung für OK-Chef Alfons Schranz und sein Team schrumpft deshalb noch lange nicht, denn angesichts geschlossener Gastronomie und Beherbergungsbetrieben müssen die 1000 Durchreisenden kurzfristig untergebracht und mit Catering verpflegt werden. Ein Drahtseilakt, der zuletzt gut funktionierte.

🤔 Tippspiel: Wer gewinnt das Bergisel-Springen?

TT-ePaper testen und eine von drei Cookit Küchenmaschinen gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Aber wie sieht es finanziell aus? „Über die Saison gerechnet ist es für den ÖSV wirtschaftlich verkraftbar, keine Zuschauer zu haben – wenn die geplanten Veranstaltungen durchgeführt werden können und dadurch die TV-Verträge erfüllt werden“, meinte Christian Scherer, Generalsekretär des Österreichischen Skiverbands, zur Austria Presse Agentur. Und doch unterscheidet sich der Tournee-Standort Innsbruck von jenem in Bischofshofen (4. Station), denn in Tirol betreibt der ÖSV die Anlage, nur die kolportierten Ticketeinnahmen von 200.000 Euro entfallen.

Der Fahrplan fürs Bergiselspringen

Heute:

  • 11.15 Uhr: Training
  • 13.30 Uhr: Qualifikation

Sonntag:

  • 12 Uhr: Probedurchgang
  • 13.30 Uhr: 1. Durchgang; anschließend Finale der besten 30 und Siegerehrung.

Nationale Gruppe: Manuel Fettner, Timon-Pascal Kahofer, Clemens Leitner, Gregor Schlierenzauer (alle Tirol), Stefan Rainer (Sbg.), Maximilian Steiner (OÖ).

Im Pongau hingegen ist der örtliche Skiclub Stadioneigner – dort finanzieren die Mieteinnahmen den Vereinsbetrieb. Mindereinnahmen „im sechsstelligen Bereich“ bereiten den B’hofnern vor dem Tournee-Finale am Mittwoch große Sorgen.

Kurios: links ein Helfer beim Springen in Oberstdorf, hinten die Pappfiguren.
© AFP

Kommentieren


Schlagworte