Geisterstimmung am Bergisel: „Große und ungewohnte Herausforderung“
Die Organisatoren des Bergiselspringens legten sich ein strenges Sicherheitskonzept auf. Während im Stadion gähnende Leere herrschte, freute sich eine Bloggerin mit den Polen.
Von Benjamin Kiechl
Innsbruck – Die kahlen Betontreppen am Bergisel sind menschenleer, dazu unterstreicht ein Nebelschleier über der Stadt das triste Bild. Stadionsprecher Stefan Steinacher ändert beim Sieg-sprung von Kamil Stoch (POL) seine Stimmlage, bei Stefan Kraft gibt es spontanen Applaus von den freiwilligen Helfern. Das war es schon mit der Partystimmung am Bergisel, die keine war. Und die keine sein durfte.
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Nur wenige Personen erhielten Zutritt in die Schanzenfestung. Wer es nach dem Corona-Test durch die Sicherheitskontrollen geschafft hat – jede Akkreditierung muss gescannt werden –, bewegt sich in Sektoren. Rote Zone für Sportler und Betreuer, gelb für die Medien, blau für Mitarbeiter und Dienstleister.
Am Gegenhang der Schanze, wo in normalen Zeiten das VIP-Zelt aufgestellt ist, befindet sich in diesem Jahr die so genannte Mixed-Zone. Die Abstände (mindestens 1,5 Meter) zwischen Athleten und Medienschaffenden werden genau eingehalten.
„Die Herausforderung mit Corona war groß und ungewohnt“, erzählt Bergisel-OK-Chef Alfons Schranz und lobt die gute Zusammenarbeit mit dem ÖSV. Das Skispringen am Bergisel ist die erste Veranstaltung, die unter dem Dach von „Safe Service“ steht: 150 Mitarbeiter und freiwillige Helfer haben sich vorab mit der digitalen „Safe Service“-Lern-App alle relevanten Infos zu Sicherheit, Hygienemaßnahmen und Abstandsregelungen angeeignet.
Bei der Pokalvergabe herrscht für die Athleten Selbstbedienung. „Natürlich wäre es schön, wenn meine Eltern und Freunde bei meiner ersten Tournee dabei sein könnten“, sagt der Rumer Thomas Lackner, der als 28. auch bei der dritten Station in den Punkten landete.
Dass Skisprung-Fans am Handy auf ihre Kosten kommen, dafür sorgt der offizielle Instagram-Account der Vierschanzentournee mit 42.000 „Followern“. Bloggerin Agatha Kastenhuber spricht neben Deutsch fließend Polnisch und begleitet die Tournee. Etwas Besseres als der Sieg von Kamil Stoch hätte nicht passieren können, meint sie. „Die Polen sind sehr euphorisch“, sagt die Münchnerin und ist mit der „Ausbeute“ beim Bergiselspringen zufrieden. 14.000-mal wurden ihre Beiträge angesehen.