Schneiders „Sterberaum“ und Becketts Quadrat im Volkstheater

Das Volkstheater Wien hat seinen Spielplan für die kommende Eröffnung ergänzt. Nach der Eröffnung mit dem Audio Walk „Black Box“ für Zuschauer, die in Fünf-Minuten-Abständen mit Kopfhörern einzeln auf den Parcours durch das renovierte Haus geschickt werden (ab 22.1.), warten nicht nur „Der Raum“ von Ernst Jandl, ein „szenisches Gedicht für Beleuchter und Tontechniker“ (ab 29.1.), sondern auch zwei Installationen auf die Besucher: „Sterberaum“ und „Quadrat II hoch 2“.

Im Rangfoyer soll Gregor Schneiders Arbeit „Sterberaum“ aufgebaut werden. Spätestens seit dem „Goldenen Löwen“ für seine spektakuläre Installation „Totes Haus u r“ auf der Kunstbiennale Venedig 2001 ist der deutsche Künstler, der „Psychohäuser unseres Inneren“ (F.A.Z.) baut, weltbekannt. „Sterberaum“ ist der Nachbau eines Raums von Mies van der Rohe in Krefeld, der 2008 für heftige Diskussionen sorgte, da Schneider den für ihn perfekt schönen Raum Menschen zum Sterben zur Verfügung stellen wollte. 2011/12 war der im Original von Licht durchflutete Wohnraum mit großen Fenstern und Holzboden im Kunstraum Innsbruck zu sehen. „Wir wollten das noch einmal zeigen, angesichts der Sterbehilfedebatte in Österreich und auch angesichts der Zahlen der Corona-Toten, die uns erschrecken“, so Voges zur APA.

Im Weißen Salon zeigt das Volkstheater „Quadrat II hoch 2“ - eine Installation, die auf dem SWR-Fernsehspiel „Quadrat II“ (1981) von Samuel Beckett basiert. „Vier mit Kapuzen bedeckte Personen, unkenntlich in Roben gehüllt (gespielt von Bettina Lieder, Hasti Molavian, Lavinia Nowak und Friederike Tiefenbacher), vollziehen ein unerbittliches Drama: Sie treten in ein auf dem Boden markiertes Quadrat ein und sind auf Ewigkeit dazu verdammt, die Längs- und Diagonallinien monoton und synchron abzulaufen“, heißt es in der Ankündigung des Theaters. Der Besucher wird eingeladen, die Linien des Quadrats selbst abzuschreiten. Die Installation ist an Vorstellungstagen bei freiem Eintritt zugänglich.

Lydia Haider, die neue Hausautorin des Volkstheaters, lädt ab Jänner regelmäßig zur „Ordination“ ins Volkstheater. „Frau Dr. Haider gibt literarische Ratschläge, führt Gespräche und nimmt diskret Beichten ab. Das Hirn wird ertüchtigt, das Denken gezüchtigt, die Zunge gelockert“, heißt es. Termine können per Mail an ordination@volkstheater.at gebucht werden. Der Ordinations-Besuch ist kostenlos.

Am 29. Jänner geht dann der Vorhang für „Der Raum“ von Ernst Jandl auf, angekündigt als „eine Ode an den Theaterraum und seine Technik: Licht und Farben, Klang und Architektur, Nebel und Stille. Die erste Premiere auf der Bühne des Volkstheaters, inszeniert von Kay Voges, erlaubt eine metaphysische, bewusstseinserweiternde Erfahrung von Raum und Zeit - noch losgelöst von Sprache, von Plot, von Figuren, bis sich dann in den kommenden Wochen, Monaten und Jahren diese Bühne - hoffentlich - wieder mit vielen Schauspieler*innen füllen wird.“

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