Plötzlich ist alles wieder unklar: ZDF probiert sich an True-Crime-Spannung

Kriminalfall ohne Ende: Das ZDF betritt mit der Serie „Höllental“ das True-Crime-Genre. Rekonstruiert wird der Mord an der neunjährigen Peggy Knobloch.

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Die ZDF-Doku „Höllental“ (ab 8. Jänner) sucht um Lichtenberg nach der nötigen True-Crime-Spannung.
© ZDF/Gheorghiu

Innsbruck – Lichtenberg im nördlichsten Bayern ist eine düstere Gegend. Rund um das 1000-Seelen-Dorf nur Wald, Dickicht, einsame Straßen, die ins Dunkel führen. Hier hat die Polizei monatelang nach der 2001 verschwundenen neunjährigen Peggy gesucht. Peggy verschwand auf dem Nachhauseweg von der Schule spurlos. Erst 2016 tauchte ihr Skelett im nahegelegenen Wald auf. Ein Mörder wurde nie gefunden. „Höllental“, eine True-Crime-Serie, die am Freitag (23.15 Uhr) auf ZDF anläuft, rekonstruiert den spektakulären Kriminalfall, der von kuriosen Wendungen nur so strotzt.

Der Fall Peggy Knobloch ist damit geradezu prädestiniert für das nach wie vor boomende True-Crime-Genre, das in Podcasts und bei Streamingdiensten bereits längst Unzählige begeistert. Auch deutsche Produktionen: Der Zeit-Podcast „Verbrechen“ landet 2020 in Österreich auf dem vierten Platz der meistgehörten Podcasts auf Spotify. Auch die erste deutsche Netflix-Doku „Rohwedder. Einigkeit und Mord und Freiheit“ erklomm hierzulande im Herbst 2020 die Netflix-Charts. Mit „Höllental“ von Marie Wilkes scheint True Crime nun auch beim Öffentlich-Rechtlichen in Deutschland angekommen zu sein – wobei der Wegbereiter für True Crime ja mit „Akte XY“ bereits seit 1967 im ZDF läuft.

Am 7. Mai 2001 verschwand Peggy (9) spurlos.
© ZDF/Gheorghiu

Während dieser TV-Evergreen noch erweiterte Polizeiarbeit bestritt, entwickelten neue Formate eigene True-Crime-Stilmittel. Auch „Höllental“ arbeitet mit dem Mysteriösen, baut in Kamerafahrten durch dunkle Wälder und menschenleere Straßen ordentlich Spannung auf. Skandalisiert wird allerdings nicht. Da es – anders als bei US-Prozessen – hier kaum Zugang zu filmischem Material gibt (außer einer abstrusen Tatrekonstruktion eines zunächst geständigen Verdächtigen), zitiert „Höllental“, handwerklich einwandfrei gemacht, vor allem aus Prozessakten, lässt Ermittler, Journalisten und Einheimische nacherzählen.

Die fast sechsstündige Doku führt ein in eine Welt voller Gewalt, Missbrauch, bewusster Falschaussagen und absichtlicher Verschwiegenheit. Sie vermittelt außerdem ein Bild der mitunter chaotischen Ermittlungen: Nachdem bis 2016 bereits ein Verurteilter wieder freigesprochen wurde, etliche Geständnisse gemacht und revidiert wurden, Spuren in die Türkei und Tschechien führten, fand man an den Überresten von Peggy auch noch DNA-Spuren des NSU-Terroristen Uwe Bönhardt. Zwei der größten Kriminalfälle Deutschlands schienen verbunden – bis die Polizei zugeben musste, dass einer ihrer Maßstäbe mit DNA eines früheren Einsatzes verunreinigt war. Und plötzlich war alles wieder unklar. Ein Ende liefert auch „Höllental“ nicht. Im Oktober 2020 wurden die Ermittlungen eingestellt. Der Fall Peggy Knobloch ist jetzt ein Cold Case. (bunt)

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