Enorme Neuschneemengen in Osttirol: Schutzbauten halten noch stand

Die enormen Neuschneemengen führen zu erheblicher bis großer Lawinengefahr. Nur sehr erfahrene Tourengeher sollten sich ins Gelände wagen.

Die Einrichtungen der Lawinenverbauung, hier jene der Oberseitlawine im Defereggental beim Überflug gestern, sind unbeschadet.
© Otto Unterweger

Lienz, Matrei i. O., Neustift – Die großen Schneemengen der letzten Tage und Wochen stellen in Osttirol auch eine mögliche Gefahr für Siedlungsräume durch Lawinen dar. Allein eine Sturmnacht vom 29. auf den 30. Oktober 2018 hatte in Osttirol 600.000 Festmeter Schadholz zur Folge – das ist das Dreifache eines durchschnittlichen Jahreseinschlages. Im November 2019 wurden durch Nassschnee erneut 250.000 Festmeter zerstört. Zum allergrößten Teil war Schutzwald betroffen.

Otto Unterweger, Gebietsbauleiter der Wildbach- und Lawinenverbauung in Osttirol, konnte sich gestern vom Hubschrauber aus einen Überblick auch über jene Bauwerke in den Tälern verschaffen, die die Schutzaufgaben von zerstörtem Schutzwald übernehmen sollen, bis die erfolgten Aufforstungen wieder stark genug sind. „Unsere Verbauungen halten stand“, berichtete Unterweger.

Eingestürzt ist dagegen gestern ein weiterer Gebäudeteil jenes Sportfachgeschäftes in Matrei i. O., das bereits am Samstag nach ersten Schäden an der Dachkonstruktion gesperrt worden war. „Schon jetzt ist klar, dass der hauptbetroffene Gebäudebereich ohne Totalabbruch nicht wiederhergestellt werden kann“, teilte die Gemeinde mit. Dieser Bereich sei als Totalschaden zu werten und bis zur Bodenplatte abzutragen. Der restliche Gebäudekomplex, bestehend aus Mittelteil und Westteil, weise Schäden auf, welche erst bei genaueren Besichtigungen und Materialproben von innen beurteilt werden könnten.

Der östliche Gebäudeteil dieses Sportgeschäftes in Matrei i. O. ist auf Grund der Schneelast vollkommen eingestürzt.Fotos: Wildbach- und Lawinenverbauung, Gemeinde Matrei i. O.
© Marktgemeinde Matrei in Osttirol

Rudi Mair vom Lawinenwarndienst Tirol betonte gestern, dass sich nur sehr erfahrene Tourengeher ins Gelände wagen sollten. Die Kombination von viel Neuschnee mit viel Wind auf ungünstigem Altschneeaufbau sei für die aktuell hohe Lawinengefahr verantwortlich.

Das Land Tirol hat gestern in einer Aussendung mitgeteilt, dass 1,5 Millionen Euro für Mehrkosten durch die Schneeräumung zur Verfügung gestellt werden. Die Mittel würden noch im ersten Quartal 2021 nach einem Verteilungsschlüssel hinsichtlich der Finanzkraft der jeweiligen Gemeinden ausbezahlt.

Gefahr auch in Nordtirol nicht zu unterschätzen

Deutlich weniger Schnee als in Osttirol ist bisher in Nordtirol gefallen. Die Lawinengefahr liegt dort bei Stufe zwei bzw. drei. Dass die Gefahr trotzdem nicht unterschätzt werden darf, zeigt ein Lawinenabgang gestern im Pinnistal im Gemeindegebiet von Neustift im Stubaital: Gegen 11 Uhr alarmierte die Leitstelle Tirol die Einsatzkräfte. Die Bergrettung Neustift rückte in der Folge aus und konnte schließlich eine verschüttete Person mit Verletzungen unbestimmten Grades aus dem Schnee bergen. Diese wurde mit dem Hubschrauber in die Innsbrucker Klinik geflogen. Nähere Details zum Unfallopfer sowie zum Hergang des Lawinenunglücks waren gestern noch Gegenstand weiterer Ermittlungen. (bcp, np)


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