Wohnen in Tirol ist zu teuer, Opposition fordert Hilfsfonds

SPÖ und NEOS nehmen Landesregierung in die Pflicht, Grüne verweisen auf neuen Mietunterstützungsfonds.

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Von der Schlüsselübergabe für die eigenen vier Wände träumen viele Tiroler, doch Wohnen bleibt weiter eine kostspielige Angelegenheit.
© APA (Symbolbild)

Innsbruck – Leistbares Wohnen, für Tausende Tiroler (Jung-)Familien ein fast unerschwinglicher Traum: Einmal mehr zeigt die TT-Umfrage den Handlungsbedarf für die schwarz-grüne Landesregierung auf, 75 Prozent der Befragten sehen darin ihre wichtigste politische Aufgabe. Wie schon im Vorjahr. Die Opposition drängt ebenfalls auf Konzepte. So fordert SPÖ-Wohnbausprecherin LA Elisabeth Blanik intensivere Bemühungen zur Schaffung von leistbarem Wohnraum.

Elisabeth Blanik.
© Foto TT / Rudy De Moor

„Mehr vom Gleichen wird jedoch zu wenig sein. Nicht nur die Schaffung studentischen Wohnens im Zentralraum zur Entlastung des dortigen Wohnungsmarktes muss endlich in die Gänge kommen“, betont die Lienzer Bürgermeisterin. In der Wohnbauförderung und der Raumordnung benötige es rasch einen Strategie-Relaunch. „Für diejenigen, die aufgrund ihrer finanziellen Lage durch die Corona-Krise vor dem Verlust von Wohnraum stehen, braucht es öffentliche Hilfsfonds, aus denen auch tatsächlich Gelder fließen.“ Blanik weiters: Diverse Arbeitsgruppen, Beiräte und Ausschüsse hätten in den letzten Jahren nicht die Fortschritte für leistbares Wohnen gebracht, die sich die Tirolerinnen und Tiroler und die Opposition erwartet hätten.

Der grüne Klubchef Gebi Mair sieht die Regierung hier bereits auf dem richtigen Weg. „Mit der Delogierungsprävention haben wir dafür den idealen und kompetenten Partner für die Abwicklung gefunden und dafür das Beratungspersonal noch einmal extra aufgestockt.“ Unser Ziel müsse sein, Wohnungsverluste zu vermeiden und zu verhindern, dass Menschen einen Rucksack an Schulden aus der Krise tragen müssten, fügt Mair hinzu.

In der Wohnbauförderung und der Raumordnung braucht es einen Relaunch der Strategie.
LA Elisabeth Blanik, SPÖ (Wohnbausprecherin)

Ein Umdenken wie die SPÖ fordern die NEOS: „Auch in der zweiten Hälfte der Legislaturperiode zeigt sich, dass die schwarz-grüne Landesregierung eines ihrer großen Versprechen, nämlich leistbaren Wohnraum zu schaffen, nicht einhält“, ist Klubobmann Dominik Oberhofer von den großen Ankündigungen enttäuscht: „Die Töpfe der Wohnbauförderung sind prall gefüllt und werden für alles Mögliche verwendet, nur nicht für das, wofür sie angedacht sind: jungen Familien dabei zu helfen, sich Eigentum schaffen zu können.“ Aus der Sicht Oberhofers funktioniert das Instrument der Wohnbauförderung nicht mehr. „Wir regen deshalb fürs Jahr 2021 eine intensive Debatte über eine radikale Neuausrichtung der Wohnbauförderung in Tirol an.“

Für die Alternative Liste in Innsbruck (ALI) bekommt die Frage nach bezahlbarem Wohnraum vor dem Hintergrund von Corona-bedingten Einkommensverlusten eine noch größere Dringlichkeit. „Sowohl die Stadt als auch das Land wissen ganz genau, dass der private Markt keinen ausreichenden bezahlbaren Wohnraum schafft“, kritisiert Gemeinderat Mesut Onay. Wenn man aus dieser existenzgefährdenden Spirale herauskommen wolle, müsse Wohnen zur Hoheitsaufgabe erklärt werden.

(pn)


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