Urlauber bleiben aus: Deutlich weniger Abwasser in Strass

Das Corona-bedingte Ausbleiben der Urlauber wirkt sich auch auf das Klärwerk in Strass aus. Mangels Klärschlamms wird derzeit weniger Biogas erzeugt.

Das Klärwerk in Strass. Ohne Tourismus müsste es nur halb so groß sein. Mangels Klärschlamms wird derzeit weniger Biogas erzeugt.
© ARA-Strass

Von Angela Dähling

Strass i. Z. – Kein Verkehrskollaps, keine überfüllten Skipisten – an einigen Folgen des Lockdowns erfreuen sich so manche im Bezirk Schwaz. Das Ausbleiben der Urlauber wirkt sich auch auf den Abwassermenge aus. „Die Abwassermenge im Dezember 2019 betrug 30.000 m³, im Dezember 2020 waren es 23.000 m³“, erklärt Josef Dengg, Geschäftsführer des Abwasserverbandes Achental-Inntal-Zillertal (AIZ) in Strass. In der Weihnachtswoche habe in den Vorjahren die Belastung zwischen 190.000 und 200.000 Einwohnergleichwerten (EW) gelegen, in der Weihnachtswoche 2020 war diese Belastung mit 100.000 EW nur halb so hoch, was am Ausbleiben der Touristen liegt.

„Mit dem Einwohnergleichwert wird eine bestimmte Menge an Schmutzfracht pro Einwohner festgelegt – in der Lebensmittelproduktion oder in Hotels kommt eine höhere Schmutzfracht zustande als im normalen Haushalt“, erläutert Dengg, dessen Klärwerk die Abwässer von aktuell 32 Gemeinden reinigt. Das entspricht einer Fläche von 1520 km² mit ca. 53.000 Einwohnern. Im Einzugsbereich des Verbandes befinden sich zudem rund 800 Hotel- sowie gewerbliche Beherbergungs- und Gastronomiebetriebe mit ca. 65.000 Gästebetten. „Man kann sagen, dass unser Klärwerk ohne Touristen nur halb so groß sein müsste“, sagt Dengg.

Weniger Abwasser – das klingt zunächst durchwegs positiv. Für die Kläranlage in Strass ist der jetzige Einbruch aufgrund seiner Größe aber durchaus auch ein Problem. Denn das Werk erzeugt mit dem Abwasser auch Bioenergie: „Der Rohschlamm kommt in einen Faulturm und wird zu Biogas“, erläutert Dengg. Mit der so erzeugten Energie konnte das Klärwerk bisher energieautark arbeiten.

Weniger Abwasser bedeutet daher auch weniger Stromerzeugung. „Derzeit müssen wir zeitweise Strom zukaufen, weil die Anlage nun mal eine gewisse Größe und damit einen gewissen Strombedarf hat und wir diesen mitunter aus dem eigenen Klärschlamm nicht mehr decken können“, informiert Dengg.

Detail am Rande: Da die Abwasserreinigungs-Anlage (ARA) Strass in Hochlastzeiten durch den Fremdenverkehr ca. sechs bis acht Wochen im Jahr überlastet war, wurde unlängst erst durch Umbauten eine Kapazitätserhöhung der Kläranlage von 167.000 EW auf 200.000 EW umgesetzt.

Die ARA Strass ist übrigens Teil des Untersuchungsprogramms „Abwasser und Covid-19“. Dabei kann festgestellt werden, dass Bruchstücke des Covid-19-Genoms auch im Abwasser des Zillertals und Achentals nachweisbar sind. Dengg: „Gestartet wurde damit nach dem ersten Lockdown. Bei der zweiten Welle wurde zeitgleich mit dem Ansteigen der Infizierten auch ein erhöhtes Aufkommen des Covid-19-Genoms in unserem Abwasser festgestellt.“


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