„Pretend It‘s a City“: Schlechte Laune, die funkelt

Martin Scorsese lässt seine Freundin Fran Lebowitz über Gott und die Welt schimpfen.

  • Artikel
  • Video
  • Diskussion
© Netflix

Innsbruck – Martin Scorsese ist 78 Jahre alt – und der vielleicht bedeutendste lebende Filmemacher. Er darf es sich also erlauben, gewisse Extravaganzen zu kultivieren. Zumal inzwischen meistens Netflix dafür bezahlt. Der Streamingdienst ermöglichte Scorsese zuletzt eine Beinahe-Doku über Bob Dylan und ein dreieinhalb Stunden langes Ausstattungsmeisterwerk mit seinen mehr oder weniger würdevoll gealterten Spetzln Robert DeNiro, Al Pacino und Joe Pesci.

Auch Scorseses neuestes Netflix-Ding ist eigen. Für „Pretend It’s a City“ hat er sich mit Fran Lebowitz zusammengesetzt – und die inzwischen 70-jährige Autorin reden lassen. In New York ist Lebowitz eine große Nummer, weil sie ihre schlechte Laune in unheimlich unterhaltsame Sentenzen über Gott und die Welt verwandelt. Und weil sie ihre seit gut drei Jahrzehnten andauernde Schreibblockade mit Auftritten als meinungsmächtige Rednerin bekämpft. Auch dabei hat Scorsese sie gefilmt, auf dem Podium mit prominenten Gesprächspartnern wie Spike Lee, mit dem sie über Sinn und Unsinn von Sport streitet, oder Olivia Wilde, mit der sie über „MeToo“ und die Digitalisierung des Alltags fachsimpelt.

📽 Trailer | „Pretend It’s a City“:

Sieben halbstündige Folgen hat „Pretend It’s a City“. Das ist des Guten vielleicht etwas zu viel. Aber Scorsese mag Lebowitz. Und lacht gern und laut über ihre messerscharfen Analysen des New Yorker Alltags in vorpandemischen Zeiten. Und Lebowitz gibt gern Einblick in ihre Welt. Solange sie dazwischen regelmäßig zum Rauchen vor die Tür darf. „Pretend It’s a City“ ist also etwas langatmig und nicht nur deshalb recht spezielle Fernsehunterhaltung. Unterhaltend aber ist Fran Lebowitz auf jeden Fall. Auch wenn man nicht jeden ihrer Gedankengänge mitgehen mag. (jole)


Kommentieren


Schlagworte