AMS Schwaz liefert erschreckende Zahlen

Die Arbeitslosenzahlen im Bezirk Schwaz explodieren: 1900 Prozent mehr Arbeitslose im Tourismus, insgesamt sind fast 5000 Menschen ohne Job.

Die Corona-bedingten Lockdowns bremsen die Wirtschaft. Das AMS hat daher alle Hände voll zu tun.
© jakob-gruber.at

Von Angela Dähling

Schwaz – Alexander Fink zählt zu jenen im Land, die derzeit extrem viel zu tun haben: Der 46-Jährige ist der Nachfolger der Schwazer AMS-Leiterin Andrea Schneider, die sich mit 1. Februar in die Pension verabschiedet. Fink kennt das AMS Schwaz wie seine Westentasche. Der in Schönberg beheimatete Innsbrucker arbeitet nämlich seit über 20 Jahren hier – die letzten zehn als Leiter der Servicezone. Doch das, was jetzt an Arbeit auf ihn und sein Team wartet, sprengt bisher Dagewesenes. Denn die Arbeitsmarktzahlen sind erschreckend.

„Rund ein Drittel der von Kurzarbeit betroffenen Betriebe in Tirol sind aus dem Tourismus.“ Alexander Fink 
(AMS Schwaz)
© Fink

Mit Ende Dezember 2020 waren im Bezirk Schwaz 4905 Personen arbeitslos. Das sind im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 233 Prozent mehr. Betroffen ist hauptsächlich die Tourismusbranche. „Dort sind 2232 Arbeitslose vorgemerkt. Das ist eine Steigerung von 1900 Prozent“, nennt Fink Zahlen, die man vor einem Jahr niemals für möglich gehalten hätte. Denn jahrelang glänzte der tourismusintensive Bezirk durch so genannte Vollbeschäftigung. „Im Dezember 2019 waren nur 100 Arbeitslose im Tourismus gemeldet“, schlüsselt Fink die enorme prozentuale Steigerung auf. Betroffen seien vor allem Frauen.

Zudem befänden sich im Bezirk Schwaz 670 Betriebe derzeit in Kurzarbeit, 5700 Mitarbeiter seien davon betroffen. „Laut den tirolweiten Zahlen sind rund ein Drittel der von Kurzarbeit betroffenen Betriebe in Tirol aus dem Tourismus“, weiß Fink. Noch würden diese von Umsatzersatz-Zahlungen durch den Bund profitieren, dafür haben sie ihre Mitarbeiter weiterbeschäftigen müssen.

Im Laufe des Jahres dürfte laut dem AMS-Leiter dann auch die Baubranche die Folgen der gestoppten Tourismuswirtschaft zu spüren bekommen. „Noch ist die Steigerung der Arbeitslosen in der Baubranche mit 18 Prozent bzw. 64 Personen gering, weil im Winter ohnehin wenig gebaut wird“, meint Fink. Aber ab März müsse man mit Kündigungswellen rechnen. Beim Handel schnellten die Arbeitslosenzahlen um 150 % auf 328 vorgemerkte Personen hinauf.

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Umschulen, Weiterbilden, Qualifizieren – diese seit Jahren bekannten Schlagwörter des AMS sollen auch in der Corona-Krise Lösungen schaffen. Wenngleich sich derzeit nur 190 Arbeitslose beim Schwazer AMS in Schulung befinden und es nur 272 freie Stellen gibt. „Fachkräfte werden immer gebraucht, Hilfskräfte sind dagegen viel schneller von erneuter Arbeitslosigkeit betroffen“, meint Fink. Warum also nicht einen Englischkurs belegen, wenn man als Handelsangestellte in einem tourismusintensiven Ort arbeitet? Oder sich vom AMS im Bereich Warenbestellung, Kassabereich oder Dekoration weiterbilden lassen? Fink: „Manchmal geht es auch einfach darum, die Menschen zu motivieren.“

Tirols ÖGB-Vorsitzender Philip Wohlgemuth fordert ein drittes Konjunkturpaket, die Erhöhung des Arbeitslosengeldes auf 70 Prozent Nettoersatzrate und eine frühere Möglichkeit zur Altersteilzeit: Zehn statt derzeit fünf Jahre vor Pensionsantritt sollte sie möglich sein. Zur Finanzierung will er Österreichs Reiche sowie internationale Online-Konzerne zur Kassa bitten.


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