Corona sorgt für sattes Minus in Tiroler Landesmuseen

Zwei Drittel weniger Besucher. Budgetärer Abgang von 615.000 Euro. Land muss Zuschuss für 2021 erhöhen.

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Das Ferdinandeum ist wegen des Lockdowns derzeit wieder geschlossen. Die aktuelle Franz-Defregger-Schau wird verlängert.
© Wolfgang Lackner

Innsbruck – Manchmal tut so ein kleiner Seitenhieb richtig gut, um Dampf abzulassen. Also spricht Peter Assmann, der Direktor der Tiroler Landesmuseen (TLM): „Vielleicht müssten wir Skischuhe anhaben, um gleich behandelt zu werden wie andere Branchen.“ Während nämlich die Museen seit Weihnachten wieder vom Lockdown hart erfasst und geschlossen sind, darf dem Skifahren bekanntlich gefrönt werden.

Assmann scharrt zunehmend ungeduldig hinter verriegelten Museumsportalen. Die Defregger-Schau im Ferdinandeum musste, kaum eröffnet, dem Auge der Kulturfreunde auch schon wieder entzogen werden. Zusperren, neustarten, wieder dichtmachen und das stets kurzfristig: So geht das seit Ausbruch der Seuche im März 2020.

Die ernüchternde Bilanz des ersten Corona-Jahres hat Assmann in Zahlen vorliegen: Das Besucherminus in den fünf Landesmuseen (Ferdinandeum, Hofkirche, Volkskunstmuseum, Zeughaus und Tirol Panorama) beträgt satte 63 Prozent im Vergleich zum Corona-freien 2019.

„Vielleicht müssten wir Skischuhe anhaben, um gleich behandelt zu werden wie andere Branchen.“ Peter Assmann (Direktor der Tiroler Landesmuseen)
© Foto TT/Rudy De Moor

343.000 Eintritte waren es in allen fünf TLM-Häusern im Jahr 2019 insgesamt, jedoch lediglich 126.000 im Vorjahr.

Das Ferdinandeum konnte sich etwas besser behaupten. Hier liegt das Besucherminus 2020 bei 47 Prozent. Letzten August wurden sogar mehr Eintritte verzeichnet als im August 2019. Der Hunger nach Kultur in Corona-Zeiten ist zweifelsohne groß.

Der massive Rückgang bei den Ticketverkäufen hat ein Loch in das 12-Millionen-Budget der TLM gerissen. 615.000 Euro beträgt der Abgang, Geld, das Assmann durch Rücklagen und Umschichtungen abdecken konnte. Heuer ist das nicht mehr möglich. Die Reserven sind aufgebraucht. Das Land hat seinen Zuschuss vorsorglich um 400.000 Euro erhöht.

Der groß angelegte Umbau des Ferdinandeums soll von pandemischen Widrigkeiten unbehelligt bleiben. Hierfür sind 36 Landesmillionen veranschlagt. Anfang März wird das Siegerprojekt des Architektenwettbewerbs gekürt. „Im Sommer 2022 könnten dann die Bagger anrollen“, hofft Assmann. Ende 2023, so es halbwegs plangemäß läuft, wird sich das Landesmuseum runderneuert präsentieren, technisch auf dem letzten Stand und mit einem neuen Baukörper als Veranstaltungsraum auf dem Dach.

2023 wird das Ferdinandeum 200 Jahre alt. Das soll und muss gefeiert werden. „Irgendetwas haben wir bis dahin sicher fertig“, hütet sich Assmann vor konkreten Prognosen. Die letzten Monate waren Beweis genug, dass jede Planung bald schon wieder hinfällig sein kann. (mark)


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