„Nach holprigem Start läuft Stanzertal-Kraftwerk rund“

Mit 62 GWh war die Stromproduktion 2020 überdurchschnittlich gut. Heuer sollen wie voriges Jahr 700.000 Euro an die Gesellschafter fließen.

Die Stromproduktion im Krafthaus Strengen lag mit 62 Gigawattstunden (GWh) voriges Jahr über dem Regelarbeitsvermögen von 52 GWh.
© Wenzel

Von Helmut Wenzel

Flirsch, Strengen – Es ist ein Kraftwerk mit Alleinstellungsmerkmal in Tirol: Neben den Energieversorgungsunternehmen in Imst, Reutte und St. Anton sind fünf Gemeinden als Gesellschafter beteiligt: St. Anton, Pettneu, Flirsch und Strengen mit je 6,25 Prozent sowie Zams mit 5 Prozent. Seit Ende 2014 laufen die Turbinen und Generatoren heiß. Die Stromproduktion liegt bei 52 GWh jährlich, was dem Bedarf von 15.000 Haushalten entspricht.

Die Gretchenfrage von Anfang an war: Rechnet sich aus Gemeindesicht die Investition in das 58-Mio.-Euro-Projekt? – Zuerst habe er, ebenso wie seine Bürgermeisterkollegen, einige Zweifel gehabt, verriet BM Manfred Matt aus Pettneu gestern im TT-Gespräch. „Der Start war holprig, zunächst haben wir kein Geld gesehen.“ Ursache waren „Verwerfungen“ am Strommarkt, die Preise lagen viele Monate im Keller.

„Aber aus heutiger Sicht kann ich klar sagen, die Entscheidung war richtig und ich stehe dazu. Technisch funktioniert alles reibungslos.“ Aus kaufmännischer Sicht habe man allerdings ein „Nullsummenspiel“. Das heißt, so Matt, die Zinsen für den Investitionsbetrag, den die Gemeinde geleistet hat, werden von den Erträgen aus dem Stromverkauf bedient.

„Voriges Jahr haben wir in Summe 700.000 Euro an alle Gesellschafter ausbezahlt“, sagte Geschäftsführer Michael Hold von den Elektrizitätswerken Reutte (EWR). Womit die Gemeindebeteiligung 43.750 Euro ausmacht. Zams bekommt 35.000 Euro aus dem Fünf-Prozent-Anteil. „Mit 62 GWh haben wir 2020 eine überdurchschnittlich gute Produktion gehabt“, freut sich der Geschäftsführer. „Das lag an der guten Wasserführung der Rosanna.“ In einem Durchschnittsjahr erziele man 52 GWh.

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Zudem liege dank guter Preise an der Strombörse in Leipzig ein insgesamt erfreuliches Betriebsergebnis vor. Zum Vergleich: Im Produktionsjahr 2018 kamen 380.000 Euro zur Auszahlung. „Wir rechnen auch in diesem Jahr mit einem Auszahlungsbetrag von 700.000 Euro an die Gesellschafter“, zeigt sich Hold optimistisch. Die Investitionsentscheidung von damals halte er für „absolut richtig“. „Wer die Strompreisentwicklung an der Leipziger Börse verfolgt, wird die positiven Trends bestätigen.“ Eigentliche Nutznießer der Gemeindebeteiligung seien freilich nachkommende Generationen. Die Darlehen laufen laut Hold im Jahr 2038 aus.

„Dass die Kraftwerksbeteiligung in den ersten zehn Jahren keinen Gewinn abwirft, war mir von Anfang an klar“, resümiert Matt. „Trotzdem sehe ich ein wertvolles langfristiges Anlagevermögen für die Gemeinde und einen Gewinn für die Region.“ Weil immer mehr Autofahrer auf E-Mobilität umsteigen, werde auch die Stromnachfrage weiterhin steigen.


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