Tunnel am Fernpass sanft entschlummert

Pläne für den 1,4 Kilometer langen Fernpasstunnel wurden offenbar schubladisiert. In der schwarz-grünen Landesregierung ist er vorerst kein Thema mehr.

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Über den Fernpass schlängeln sich in den Hauptreisezeiten Zehntausende Fahrzeuge täglich. Befürworter eines Tunnels erwarten sich Entlastung.
© Tschol

Von Peter Nindler

Innsbruck, Nassereith – Die Corona-Pandemie überlagert derzeit alles, doch bei den Tunnelplänen am Fernpass dürfte die Sache ganz anders liegen. In der schwarz-grünen Landesregierung gibt es schließlich kaum noch Inte­resse daran, dass der 1,4 Kilometer lange Scheiteltunnel in absehbarer Zeit realisiert wird. Die Grünen, die dem Vorhaben seit Jahren ohnehin mehr als skeptisch gegenüberstehen, freut das. Die Volkspartei, die den Tunnel sogar ins schwarz-grüne Koalitionsabkommen hineinreklamierte, hat offenbar keine Eile mehr. Obwohl alle Voraussetzungen dafür vorliegen würden.

Derzeit kein Thema, heißt es unisono in der Landesregierung. Seit mehr als einem Jahr liegt das Tunnelprojekt bereits auf Eis und es dürfte so rasch auch nicht wieder aufgetaut werden. Zumal es auch innerkoalitionär politisch brisant wäre – und bei der Bewältigung der Corona-Krise will sich Schwarz-Grün nicht mit einem Konflikt um den Fernpasstunnel belasten.

Die Zurückhaltung der Volkspartei hat wahrscheinlich einen Grund: Die von ihr forcierten Mautpläne für die 52 Kilometer lange Fernpassstrecke wurden vor allem von Außerferner Wirtschafts- treibenden torpediert. Obwohl für die Bevölkerung im Bezirk Reutte Mautbefreiungen vorgesehen sind und es auch für den angrenzenden Bezirk Imst gestaffelte Tarife geben soll.

Die Experten im Land fordern jedoch die Fernpass-Maut. Diese Einnahmequelle sei dringend notwendig. Zum einen müssen für die anstehenden Sanierungsmaßnahmen beim Lermooser Tunnel sowie beim Grenztunnel Füssen an die 60 Millionen Euro aufgewendet werden, zum anderen könnte die Maut Millionen in die Kasse spülen. Eine Mautgesellschaft war bereits in Planung, ein Grundsatzbeschluss über Tunnel und Mautgesellschaft sollte schon vor einem Jahr gefällt werden. Doch daraus wurde nichts. Und in absehbarer Zeit ist nicht damit zu rechnen.

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Ein weiterer Grund könnte der Tschirganttunnel sein. Bei der Nutzwertanalyse wies das Projekt 2011 das schlechteste Ergebnis aller Straßenbauprojekte der Autobahngesellschaft Asfinag auf. Auf politischen Druck nahm die Asfinag die Planungen jedoch wieder auf, die Kosten werden derzeit mit 275 Millionen Euro beziffert. Die neue Studie liegt allerdings noch nicht vor. Ein Fernpasstunnel ohne vorgelagerten Tschirganttunnel wird von Experten aber sehr kritisch gesehen.


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