Der Vorhang zu – und alle Fragen offen für Österreichs Theater

Österreichs Theater stellen sich auf längere Schließungen und anschließendes „Reintesten“ ein. Details dazu fehlen bislang.

Landestheater und Haus der Musik in Innsbruck.
© Vanessa Rachlé

Innsbruck, Wien – Seit der Videokonferenz von Vizekanzler Werner Kogler und Kulturstaatssekretärin An­drea Mayer (beide Grüne) mit den Leitern von Wiens großen Schauspielhäusern am späten Dienstagnachmittag ist klar: Das baldige Aufsperren von Kulturinstitutionen ist mehr als unwahrscheinlich. „Wer damit rechnet, geht an der Realität vorbei“, sagte Herbert Föttinger, Direktor des Theaters in der Josefstadt, nach dem Hintergrundgespräch – und konstatierte eine gewisse „Schockstarre“ angesichts des Auftretens der neuen, deutlich ansteckenderen Virus-Variante B.1.1.7, die klarmache: „Es wird eine neue Strategie geben müssen.“

Auch Johannes Reitmeier, Intendant des Tiroler Landestheaters, geht davon aus, „dass in den nächsten Wochen nicht mit öffentlichen Vorstellungen zu rechnen sein wird“. Unter Umständen müsse derzeit von einer Schließung bis mindestens Anfang März ausgegangen werden, so Reitmeier.

Für Tirols größten Bühnenbetrieb heißt das zum wiederholten Mal: zurück an den Start. Die laufende und die kommende Spielzeit müssen neu gedacht werden. „Wir haben dazu mehrere Szenarien vorbereitet und gehen nun erneut in die Planung – aber damit auch wieder in eine ungewisse Zukunft“, sagt ­Reitmeier.

Noch keine genauen Rahmenbedingungen

An den Wiener Bühnen zieht man ein ähnliches Fazit. Burgtheater-Direktor Martin Kušej kritisiert das „Hin und Her der politischen Entscheidungen“. „Solange die Entscheidungen so wenig belastbar und die Rahmenbedingungen für den Theaterbesuch so unklar sind, entsteht neben den Kosten nur weiter Verunsicherung“, so Kušej. Wie am Tiroler Landestheater wollte man auch am Burgtheater ab 29. Jänner wieder vor Publikum spielen.

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Wann auch immer öffentliche Vorstellungen möglich sind, das so genannte „Reintesten“, sprich das Vorweisen eines negativen Covid-Tests, dürfte künftig Bedingung für den Besuch von Kulturveranstaltungen sein.

Davon geht inzwischen auch Herbert Föttinger aus, der sich noch im Dezember mit dem Hinweis, er sei kein „Blockwart der Bundesregierung“, vehement gegen diese Maßnahme aussprach. Föttinger pocht allerdings weiterhin auf die Gleichbehandlung von Kulturbetrieben und anderen Branchen: „Es wäre eine Katastrophe, wenn man freien Zugang zur Gastronomie hätte und für Theater oder Konzerte Tests bräuchte.“ Richtlinien für die Durchführung und Anerkennung solcher Tests gibt es bislang nicht. „Um eine genaue Vorgehensweise in dieser Frage zu koordinieren, mangelt es bisher an genauen Rahmenbedingungen. Insgesamt sind gerade zu diesem Thema noch zu viele Fragen ungeklärt“, sagt Landestheater-Intendant Reitmeier.

Auch für den Leiter des Wiener Rabenhof-Theaters, Thomas Gratzer, werfen die seit Samstag kursierenden Details über das „Reintesten“ hauptsächlich Fragen auf. Für ihn sei aber klar, „dass wir Kulturinstitutionen den Job der Gesundheitsbehörde nicht übernehmen können“, sagte er dem Standard. Als Theaterleiter flüchtet sich Gratzer dieser Tage in Galgenhumor. Seinen Rabenhof hat er angesichts geschlossener Bühnen und offener Lifte zum „Ski-Ressort Erdberger Alpen“ erklärt – und verspricht „die Staatskünstler als Liftwarte, Maschek im Skiverleih, Katharina Straßer als singende Skilehrerin, Andreas Vitasek auf der Pistenraupe und Stefanie Sargnagel an der Schneekanone“. (APA, jole)


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