Corona-Causa Jochberg: Nur Skikurs, aber keine Ausbildung der Briten

Britische Zeitung schreibt von „Nonstop-Partys“. Die Tiroler Behörden ermitteln in der Causa Jochberg, LH Platter zeigt sich wenig erfreut. Wie und wo sich die vorwiegend aus Großbritannien stammenden Skifahrer angesteckt haben, steht noch nicht fest. Eine Debatte ist über ihre vermeintliche Skilehrerausbildung entbrannt.

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Nur wer beim Skilehrerverband eine Ausbildung absolviert, ist ein Skilehrer. Die Corona-Fälle in Jochberg geben jetzt Einblicke in eine Parallelwelt.
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Von Peter Nindler

Innsbruck, Jochberg – Die 17 Verdachtsfälle der britischen Coronavirus-Mutation in Jochberg halten die Politik auf Trab. Epidemiologisch gibt es zwar keine große Zunahme an Corona-Fällen in Jochberg, derzeit weist die Unterländer Gemeinde 28 Infektionen auf (Stand Donnerstagfrüh). Aber bei vereinzelten weiteren PCR-Profilen im Bezirk Kitzbühel wurden Auffälligkeiten gemeldet. Interessant: Auf der Salzburger Seite, im angrenzenden Skigebiet in Bramberg am Wildkogel, gibt es 42 Fälle.

Wie es zur Ansteckung der überwiegend aus Großbritannien stammenden Personen in Jochberg gekommen ist, steht hingegen noch nicht fest. Der Innsbrucker Infektiologe Günter Weiss schließt nicht aus, dass einer bereits bei der Einreise infiziert war und diese Infektion dann an die restlichen Mitglieder weitergegeben hat. Es wird deshalb nicht nur eine Kontaktnachverfolgung durchgeführt, die Landespolizei ermittelt ebenfalls. Über die Umstände des Aufenthalts sickern allerdings immer mehr Details durch.

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Wie das Land Tirol am Mittwochabend in einer Aussendung mitteilte, wurden bis dahin mehr als 1000 Personen im Kultursaal in Jochberg oder in der Screening-Straße in Kitzbühel mittels PCR-Test auf das Coronavirus getestet – vier Ergebnisse waren positiv, wie Donnerstagfrüh mitgeteilt wurde. Mittwochabend war bekanntgegeben worden, dass nach den Tests zwei positive Fälle vorlagen. Mittlerweile kamen zwei weitere positive Testergebnisse hinzu – eines davon betraf eine bereits abgesonderte, enge Kontaktperson aus der Gruppe der Skilehrer-Anwärter, hieß es.

Das Land Tirol werde umgehend eine detaillierte Auswertung der positiven Proben bei der AGES beauftragen, „um zu bestimmen, ob es sich dabei um die britische Virusmutation handelt", hieß es in einer Aussendung.

Dreh- und Angelpunkt ist die „Ski Instructor Academy“ im Salzburger Taxenbach. Sie wirbt seit Jahren in England, Holland oder Dänemark mit dem „legendären Anwärter-Programm“ um Skibegeisterte. Als Partnerorganisation fungiert der Wiener Skilehrerverband bzw. seine 100-Prozent-Tochter, die „Snowsports GmbH“. Sie führt dann die nach dem Skischulgesetz vorgeschriebene Skilehrerausbildung durch. Vom Kitzsteinhorn bis zur Skihalle in Dubai.

Die „Ski Instructor Academy“ bietet ein „All-inclusive-Paket“ vom Skiunterricht bis zur Unterkunft an. Mit anschließender Jobgarantie. In einer Skischule darf aber nur mit einer Skilehrerausbildung unterrichtet werden. Deshalb die Partnerschaft mit dem Wiener Skilehrerverband.

Die Briten sind gestaffelt ab Ende Oktober bis 18. Dezember angereist, zuletzt über München, und wollten eigentlich am Salzburger Kitzsteinhorn besser Ski fahren lernen. In Jochberg meldeten sie sich mit Hauptwohnsitz im Mitarbeiterhaus der Skischule „Snow-Academy“ an. Diese ist wiederum die hauseigene Skischule des „Kempinski Hotel – Das Tirol“. Doch Corona durchkreuzte die Pläne.

Die Hauptwohnsitzanmeldungen sind für den Jochberger BM Günter Resch in der Wintersaison nichts Ungewöhnliches. Fast zwei Monate waren die rund 40 in Jochberg untergebrachten Personen jedoch zum Nichtstun verdammt. Die englische Boulevard-Zeitung The Sun berichtet, dass sie in dieser Zeit einfach durchgehend Partys gefeiert haben. Resch weiß davon nichts, nur einmal musste er einschreiten.

Einen Vorbereitungskurs für die Skilehrerausbildung hätten sie auch nicht absolviert, wie es von der „Ski Instructor Academy“ heißt. Die Briten besuchten lediglich ab 24. Dezember einen Skikurs, wurde dem Tiroler Skilehrerverband mitgeteilt. Dort spricht Geschäftsführer Christian Abenthung von einem neuen Geschäftsmodell zur Gewinnoptimierung und um die Bestimmungen des Tiroler Skischulgesetzes zu umgehen. „Wir werden daher das Land Tirol dringend bitten, durch gesetzliche Maßnahmen im Tiroler Skischulgesetz solchen Entwicklungen entgegenzutreten“, sagt Abenthung.

Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) zeigte sich wenig erfreut über die jetzt bekannt gewordenen Fakten. „Es ist entbehrlich, dass solche angeblichen Ausbildungen derzeit stattfinden.“ Notfalls kündigt Platter – wie vom Skilehrerverband gefordert – eine gesetzliche Änderung an, um solchen Entwicklungen einen Riegel vorzuschieben. Die Landtagsparteien SPÖ und Liste Fritz forderten am Mittwoch vollständige Aufklärung.


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