Entsetzen über Zerstörung von historischem Saal in Innsbruck

Noch bevor der Barocksaal im Hotel Europa unter Schutz gestellt werden konnte, wurde er beschädigt. Die neuen Besitzer zeigen sich überrascht.

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Die Vernichtung des Barocksaals im ehemaligen Hotel Europa sorgt für Empörung.
© Gerechtes Innsbruck

Von Denise Daum

Innsbruck – Wie ein Lauffeuer haben sich am Donnerstag die Bilder des zerstörten Barocksaals im ehemaligen Hotel Europa verbreitet. Die Aufnahmen waren durchaus irritierend. Der Stuck wurde abgetragen, der einst prunkvolle Saal wirkt wie ein Skelett. Absurdes Detail: Der Rest des Raumes wirkt so, als wären die Gäste gerade erst aufgestanden. Der Luster brennt, auf den Tischen sind noch die weißen Tischdecken aufgelegt.

Unter Denkmalschutz stand der Saal nicht, wie Walter Hauser vom Bundesdenkmalamt betont. Aber man habe über eine Unterschutzstellung nachgedacht. Ein entsprechendes Verfahren konnte jedoch gar nicht mehr eingeleitet werden. Nachdem das ehemalige Nobelhotel im Herbst vergangenen Jahres den Besitzer wechselte, bemühte sich das Denkmalamt um eine Begehung des Neubarocken Saals. Nach längerem Hinhalten wurde das erst Ende Dezember ermöglicht. „Da sah der Saal dann aber schon so aus wie auf den nun veröffentlichten Bildern. Ich war schockiert“, erklärt Hauser. Auch wenn mit dieser Vorgangsweise nicht gegen das Gesetz verstoßen wurde, spricht Hauser von einer „klammheimlichen Kulturgutvernichtung“.

Verantwortlich für die Dekonstruktion will niemand sein. Bei der Carl Ludwig Immobilien GmbH, die das ehemalige Hotel erworben hat, zeigt man sich auf Nachfrage der TT überrascht. „Das ist nicht auf unserem Mist gewachsen“, behauptet einer der Geschäftsführer. Ihm zufolge sei die Übergabe des Gebäudes noch gar nicht erfolgt und für Feber avisiert. Die Immobilienfirma habe mit dem Vorbesitzer vereinbart, das Gebäude nur zu übernehmen, wenn kein Denkmalschutz bestehe.

Dietmar Czernich, Rechtsvertreter der Verkäufer, widerspricht. „Das Gebäude wurde Ende November übergeben. Seitdem haben die ehemaligen Besitzer auch keinen Zutritt mehr.“

Im Neubarocken Saal fanden in der Vergangenheit unzählige Veranstaltungen und Verleihungen statt.
© TT / Julia Hammerle

Die – übrigens vom Innsbrucker Gemeinderat Gerald Depaoli veröffentlichten – Bilder lösten durchwegs Entsetzen aus. Kulturlandesrätin Beate Palfrader erklärt, dass „hier mit verwerflichen Methoden nicht nur Tiroler Kulturgut, sondern auch ein Teil Innsbrucker Geschichte zerstört wurde“.

Die Innsbrucker Grünen betonten in einer Aussendung, dass die Stadtpolitik und städtische Ämter diesen Akt der Zerstörung nicht verhindern konnten. „Wir gehen davon aus, dass die Entwicklung des Objektes einer sehr gründlichen Diskussion bedarf, weil dieser Vandalenakt unsere Stadt erschüttert hat“, sagt Gerhard Fritz, grünes Mitglied im Bauausschuss.

„Für Innsbruck“-Klubobmann Lucas Krackl betont, dass dem Bauausschuss die Erhaltung des Barocksaales ein großes Anliegen gewesen sei. „Nun wurden vor den Prüfungen durch das Denkmalamt Tatsachen geschaffen, die mit einem Ehrgefühl für Zeithistorisches leider wenig zu tun haben“, erklärt Krackl.

Als nicht hinnehmbar bezeichnet die SPÖ die Zerstörung des Saals und fordert Konsequenzen. „Es muss auf jeden Fall geprüft werden, ob hier denkmalschutzrechtliche Verstöße vorliegen und ob gegen die erlassene Bausperre verstoßen wurde“, erklärt SPÖ-Stadtparteiobmann Benjamin Plach.

Die FPÖ nimmt indes Bürgermeister Georg Willi in die Pflicht. „Ich frage mich, was der grüne Stadtchef unternommen hat, damit der Erwerber des ehemaligen Hotels den Saal erhält“, stellt FPÖ-StR Markus Lassenberger in den Raum.


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