Einsteiger neu definiert: Generationswechsel beim Dacia Sandero

Schlicht und praktisch wie immer, trotzdem gut eine Stufe über dem Vorgänger angesiedelt, so definiert der Dacia Sandero die Marken-Grundsätze neu.

DACIA SANDERO STEPWAY III.
© Dacia

Von Stefan Pabeschitz

Wien – Was ein Auto heute angeblich alles zu sein hat, bemüht sich das Gros der Hersteller uns laufend ausgiebig zu erklären – das Wichtigste vergessen sie dabei meistens: dass es vor allem für andere leistbar sein muss. Diesem Thema hat sich die Renault-Tochter Dacia verschrieben. Das Konzept von weniger Firlefanz, aber genug Nutzen hat sich in den vergangenen sechzehn Jahren seit dem Neustart der Marke als außerordentlich erfolgreich erwiesen. Der erste Sandero war in Österreich ab 2008 zu haben und wurde mit dem Basispreis von 7990 Euro rasch zum Bestseller. Seine Enkel-Generation macht nun zwölf Jahre später und mit beträchtlich mehr Ausstattung zu einem Einstiegspreis ab 8490 Euro sogar die Inflation lächerlich. Auch wenn das Basismodell nur mit eher mauen 65 PS und ohne Radio daherkommt – selbst mit dem stärkeren 90-PS-Turbobenziner in Topausstattung plus Navigationssystem und ein paar weiteren Optionen aus der Aufpreisliste werden es kaum mehr als 13.000 Euro.

Ansonsten ist der Sandero mit dem Generationswechsel aber eindeutig erwachsen geworden. Nicht nur des geringfügigen Größenwachstums von drei Zentimetern wegen – im Design ist ihm die etwas biedere Beliebigkeit abhanden­gekommen, es wirkt jetzt durchdachter und solider, mit der niedrigeren Dachlinie und dem längeren Radstand zugleich eleganter. Die neue Grafik der Tagfahrleuchten in Y-Form nimmt das Erkennungsmerkmal künftiger Dacia-Modelle vorweg, das leuchtstarke LED-Abblendlicht ist bereits Teil der Serienausstattung.

Der Innenraum hat sowohl bei Größe und Ergonomie zugelegt als auch in Layout und Materialqualität. Das mit strapazierfähigem Stoff bezogene horizontale Mittelelement lockert die sachliche Atmosphäre auf. Gelungen ist auch die Sortierung der analogen und digitalen Bedien­elemente. Ab der mittleren Ausstattung Essential ist ein Multimediasystem mit Steuerung vom Lenkrad oder über die Smartphone-App Dacia Media Control an Bord. Im Top-Trimm-Level Comfort ist ein komplettes Infotainmentsystem mit eigenem 8-Zoll-Touchscreen enthalten.

Die grundlegenden Ansprüche des Vorankommens erfüllt auch der 65-PS-Saugmotor, die 1500 Euro Mehrpreis für die 90-PS-Turbovariante empfehlen sich aber als gewinnbringende Anlage. Der 1-Liter-Dreizylinder mit 999 Kubikzentimetern macht mit seinem agilen bis sogar quirligen Charakter viel Spaß, die nominell 11,7 Sekunden für den Hundertersprint fühlen sich subjektiv nach deutlich weniger an. Dazu liefert der stärkere bei gleichem Spritbedarf seine Mehrleistung sogar um ein Gramm CO2 je Kilometer umweltfreundlicher ab und kommt nach der neuen Formel für die motorbezogene Versicherungssteuer damit sogar geringfügig günstiger im Erhalt.

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Auch in Sachen Geräuschdämmung hat Dacia merkbar an Qualität zugelegt und kann sich hier auch mit deutlich kostspieligeren Mitbewerbern im Segment messen. Überhaupt gibt sich der neue Sandero insgesamt wesentlich robuster und satter als der Vorgänger, die Nutzung der gemeinsamen Konzernplattform, auf der auch Renault Clio und Capture stehen, schlägt sich hier positiv nieder. Getriebeseitig stehen statt wie bisher fünf nun sechs Gänge zur Verfügung, gut abgestimmt und mit angenehmer Haptik am Schaltknüppel. Für Schaltmuffel ist für 1200 Euro eine Automatik-Option im Programm, wobei das bisherige robotisierte Schaltgetriebe durch eine CVT-Variante ersetzt wurde, die ihren stufenlosen Charakter mit digital simulierten Schaltstufen bemerkenswert glaubwürdig kaschiert. Mit etwas mehr Bodenfreiheit und trendiger Kunststoff-Beplankung gibt sich der Sandero Stepway wie schon bisher ein SUV-Feigenblatt. Der Aufpreis dafür beträgt 1000 Euro, die sich aber auch in zusätzlichen Ausstattungsfeatures niederschlagen.


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