Sechs Jahre "bilding": Durch Kreativität das eigene Ich spüren lernen

Das Innsbrucker bilding ist offen für alle, die es brauchen. Der große Wunsch zum sechsten Geburtstag wäre eine permanente Betriebsbewilligung.

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17 in der Foto- und Medienwerkstatt entstandene Porträts stehen in der Kunstauslage des bilding, im Garten ein riesiger pinker Flamingo.
© Günter Richard Wett

Von Edith Schlocker

Innsbruck – Wesentlich ruhiger als in „normalen“ Zeiten geht es derzeit im bilding zu. Ein paar Kinder toben im zugeschneiten Außenraum herum, eine kleine Gruppe malt mit offensichtlich großer Begeisterung indoor. Angeleitet von Gergö Bankuti, dem ersten „artist in residence“ des bilding, der noch bis Juni hier sein Atelier aufgeschlagen hat. Er sei wie für das bilding geschaffen, sei immer da, arbeite an seinen eigenen Arbeiten und mit den Kindern, sagt Monika Abendstein, Mitbegründerin und Geschäftsführeruin des bilding.

Denn obwohl sich das seit gut fünf Jahren bestehende bilding als Kunst- und Architekturschule versteht, seien sie keine Schule im eigentlichen Sinn, sondern eine Freizeiteinrichtung, sagt Abendstein. Eingerichtet in einem allein schon von seiner Architektur her einzigartigen Ort am Rand des Rapoldiparks, in dem vorbildliche Jugendarbeit geleistet wird, was sich nicht zuletzt 2017 in der Zuerkennung des Arthur-Haidl-Preises ausgedrückt hat.

Die Tatsache, dass Kinder und Jugendliche während des aktuellen Lockdowns praktisch keine Orte mehr außer ihren eigenen oft sehr engen vier Wänden haben, in denen sie sich kreativ austoben können, versucht das bilding dadurch einigermaßen aufzufangen, dass praktisch das gesamte reguläre Programm stattfindet, wenn auch angepasst auf die Situation und in enger Abstimmung mit den Eltern. In Kleinstgruppen und unter Einhaltung aller gebotenen Hygienekonzepte. Denn Platz gibt es viel, der Freibereich ist groß, Abstand kann gehalten werden.

Dass durch die Umstände derzeit nicht alle Kinder kommen, die möchten, bedauert die Geschäftsführerin. Etwa in die Architekturwerkstatt, wo derzeit gerade ein für das Flüchtlingsheim an der Grassmayrkreuzung gedachtes mobiles „Teehaus“ entsteht. Entwickelt unter der Anleitung von drei ArchitektInnen gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen. Wo das Objekt wirklich aufgestellt werden kann, ist derzeit allerdings ungewiss.

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Das bilding versteht sich in Zeiten wie diesen als Ort, der offen ist für alle Kinder und Eltern, die es brauchen. Bräuchten Kinder zum Reifen doch soziale Kontakte genauso wie Kreativität, um sich zu spüren, einen Zugang zum eigenen Ich zu finden, sagt Monika Abendstein. Die fest davon überzeugt ist, dass das, „was der Lockdown mit den Kindern und Jugendlichen wirklich macht, wir erst sehr viel später zu sehen bekommen werden“.

Jedes Jahr in der Weihnachtszeit gibt es im bilding eine Ausstellung. Da diese zuletzt nicht indoor stattfinden konnte, wird die gläserne Front zum Rapoldipark hin zum „Galerieraum“. Bestückt mit 17 großformatigen, in der Fotografie- und Medienwerkstatt des bilding entstandenen Porträts ihrer schräg kostümierten TeilnehmerInnen. Aus der Modulwerkstatt stammt dagegen der große pinke „Flamingo“, der im Schnee vor der „Kunstauslage“ steht.

Da der fünfte Geburtstag des bilding im vergangenen Jahr ausfallen musste, freut sich Monika Abendstein auf den sechsten, der Ende Mai gefeiert werden soll. Verbunden mit dem großen Wunsch einer endgültigen Bewilligung für den Betrieb des bilding in der ursprünglich temporär angelegten experimentellen Architektur. Konkret geht es um bürokratische Hürden, einige Bereiche, die baurechtlich nachzujustieren sind. Dass man bei einem Projekt, das in jeder Beziehung außer allen Normen steht, diesbezüglich eine Ausnahme macht, würde sich Abendstein wünschen. Jemand, sprich der Innsbrucker Bürgermeister, müsse „es ganz einfach wollen“.


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