„Extreme“ Gefahr auf den Bergen: Lawinenwarner rät von Skitouren ab

Tirols oberster Lawinenwarner, Rudi Mair, rät heute vor Skitouren im freien Gelände dringend ab. Die Lage sei „äußerst prekär“.

In der Axamer Lizum rückte gestern auch der Hubschrauber nach einem Lawinenabgang zur Suche aus.
© zeitungsfoto.at

Von Marco Witting

Innsbruck – Eine Skitour heute Samstag im freien Gelände? Rudi Mair winkt ab. Schüttelt den Kopf. „Besser daheim auf der Couch bleiben“, sagt Tirols oberster Lawinenwarner. Denn die Lage auf den Bergen ist „extrem und sehr prekär“. Als Warnstufe ausgedrückt heißt das 4 – große Gefahr. Und die Aussichten auf Besserung sind eher bescheiden. Schließlich kommt morgen Sonntag schon die nächste Störung und bringt neuerlich Schnee.

Rudi Mair, Tirols oberster Lawinenwarner.
© Rehfeld

Neben dem vielen Neuschnee ist vor allem das schlechte Fundament am Berg das Problem. Und die Kälte. „Die konserviert auch die Lawinengefahr“, sagt Mair, der nach eigenen Angaben „speziell vor dem heutigen Tag Kopfschmerzen“ beklagt. Denn: „Skitouren erleben gerade einen Boom. Es sind auch sehr viele Menschen unterwegs, die den Sport neu betreiben. Doch selbst Profis sollten bei derartigen Bedingungen nicht im freien Gelände unterwegs sein.“

Schon gestern sind mehrere Lawinen abgegangen. Wie viele es waren, das lässt sich nicht beurteilen. Mair erhielt aber „zwischen 25 und 30“ Meldungen von großen Abgängen. Da waren Abgänge oberhalb von gesperrten Skipisten dabei oder, wie im Falle der Axamer Lizum, auch Schneebretter, die von Tourengehern ausgelöst wurden. 20 Mann der Bergrettung Axams, Alpinpolizei und die Besatzungen von zwei Hubschraubern suchten im freien Gelände nach möglichen Verschütteten. Die Einsatzkräfte fanden niemanden. Ähnlich der Fall auch im Unterland, wo unterhalb des Feldalphorns gesucht wurde. In der Steiermark gab es gestern bereits einen Lawinentoten.

📽️ Video | Lawinensituation in Tirol

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Hohe Lawinengefahr und Schäden durch den starken Schneefall – diese Kombination beeinträchtigt auch den Bahnverkehr in Tirol massiv. Die Brennerstrecke blieb gestern gesperrt. Am Arlberg besteht ebenfalls ein Schienenersatzverkehr. Bis 20 Uhr soll die Strecke zwischen Landeck-Zams und Bludenz unterbrochen bleiben.

Die Gefahr auf den Bergen wird also noch einige Tage anhalten. Was es braucht, damit sich die Situation entspannt? „Moderate Erwärmung“, sagt Mair. Für die Skitourengeher heißt es also noch einige Tage warten. „Viele unterschätzen die Gefahren, die sich da unter der Schneedecke verbergen.“ Man dürfe nicht vergessen, dass es sich hier um „lebendige Materie“ handle. Für „Normalverbraucher“ sei die Situation vorerst einfach zu gefährlich.


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