Riesentorlauf-Damen erwarten in Kranjska eine „Betonpiste“

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Dort, wo vor zehn Monaten der Herrenweltcup vor Durchführung der Rennen wegen Corona vorzeitig beendet worden ist, geht am Wochenende der Damen-Skiweltcup mit einem Riesentorlauf-Doppel weiter. Kranjska Gora ist nun auch für die RTL-Fahrerinnen das Ende einer längeren Pause, liegt wegen des Semmering-Abbruchs der letzte „Riesen“ doch schon über einen Monat zurück. Topfavoritin ist die Italienerin Marta Bassino, auch wenn Mikaela Shiffrin die aktuellste GS-Siegerin ist.

Die US-Amerikanerin hatte am 14. Dezember in Courchevel II ihren Comebacksieg gefeiert. In Flachau legte die US-Amerikanerin diese Woche beim Nachtslalom mit dem 68. Weltcupsieg nach. 100. Weltcuppodeste sind für die 25-jährige US-Amerikanerin nach dem Tod ihres Vaters die Basis für die „Karriere danach“. Bassino hat die ersten zwei Riesenslaloms gewonnen, stürzte im dritten als Vorletzte der Entscheidung mit klarem Vorsprung. Am Semmering war sie knapp hinter Petra Vlhova Zweite gewesen, als abgebrochen wurde. Kranjska-Vorjahressiegerin Alice Robinson geizt seit längerem mit Zielankünften.

Österreichs RTL Damen haben nach verpatztem Sölden-Start in Courchevel einen kollektiven Schritt nach vorne gemacht, den kurzen Rückschritt am Semmering abgehakt. Brunner fährt in ihrer Comebacksaison nur Riesenslalom, die langen Pausen dazischen sind ungewohnt. Umso bemerkenswerter, dass die Tirolerin nach drei Kreuzbandrissen in Courchevel schon wieder die Plätze 7 und 6 geschafft hat. In Kranjska war sie 2018 sogar Fünfte geworden. Brunner ist froh, dass die Slowenien-Rennen vom „flachen“ Maribor auf die steile Herrenpiste am Vitranc verlegt worden sind. „Hier geht es gleich einmal bergab. Das liegt mir wesentlich mehr.“

Der Start wurde diesmal für die Damen sogar noch etwas weiter hinauf ins Steile verlegt. „Am Semmering waren wir alle fehlerhaft, ich selbst hatte zwei Riesenschnitzer“, fühlt sich Brunner nach guten Trainings nun gerüstet. „In den letzten Wochen ist noch einmal ein Riesenschritt passiert. Ich bin schön langsam bei hundert Prozent“, ist die Tuxerin zuversichtlich und sogar für einen Podestplatz bereit. „Ich denke schon. Aber wir sind alle da um Rennen zu gewinnen und nicht, um Halligalli zu machen.“

Ein RTL-Podest hat auch Katharina Liensberger drauf. In Courchevel war das Slalom-Ass als Sechste und Fünfte zwei Mal beste ÖSV-Fahrerin. Im Gegensatz zum Slalom fühlt sich die Vorarlbergerin aber noch nicht bereit, auch im GS eine sehr lange ÖSV-Sieglosigkeit - Eva Maria Brems Sieg 2016 in Jasna liegt bald fünf Jahre zurück - zu beenden. „Ich weiß, dass ich auch im Riesen schnelle Schwünge habe. Aber die muss ich erst stabilisieren, so wie im Slalom.“

Ein echtes Heimrennen ist Kranjska Gora für Katharina Truppe, die Kärntnerin ist in einer halben Autostunde dort. Truppe wäre zwar lieber in Maribor gefahren, glaubt aber an eine starke Teamleistung. „Wir sollten wieder generell näher dran sein, weil hier der Schnee kompakter und nicht so aggressiv ist wie am Semmering.“ In der Tat versprechen die Veranstalter der verlegten Maribor-Rennen um den „Golden Fox“ eine „Betonpiste“.

Die WM und Corona sind Reisebegleiter der ÖSV-Damen. „Wir haben alle noch drei Rennen, um zu beweisen, dass man es verdient hat“, verspürt Truppe noch keinen WM-Druck. Hinsichtlich Covid baut sie auf Tests und Isolation. „Die Freunde gehen mir aber schon sehr ab.“ Brunner beschäftigt sich mit dem Virus nicht. „Ich schließe das Thema aus. Man weiß eh nicht mehr, was man noch glauben sollte. Außerdem habe ich genug mit mir selbst zu tun.“

Auch Damenchef Christian Mitter hofft, dort weitermachen zu können, wo man in Courchevel aufgehört hat. „Das war ein gutes Zeichen dort, so hat es im Slalom auch angefangen. Aber natürlich sind wir dort längst deutlich weiter, fährt Liensberger schon um den Sieg mit.“ Ein RTL-Comeback gibt Julia Scheib. Die Steirerin war im Vorjahr starke 14., schlug sich zuletzt aber mit Krankheiten herum. Mitter: „Ich bin sicher, dass sie Gas gibt.“


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