Kapitol-Angreifer wollten laut Anklage Politiker töten

Nach den ersten FBI-Untersuchungen zur Erstürmung des Kapitols verschärfen US-Ermittler ihre Vorwürfe gegen die gewalttätig gewordenen Anhänger von US-Präsident Donald Trump. In einem Haftantrag für den bereits festgenommenen Mann, der mit einem Hörnerschmuck auf dem Kopf zum Platz von Vizepräsident Mike Pence im Senat vorgedrungen war, werfen sie den Randalierern Mordabsichten vor. In dem Antrag heißt es auch, der Mann aus Arizona sei drogenabhängig und geisteskrank.

Jacob Chansley, der sich selbst Jake Angeli bzw. „QAnon Shaman“ nennt, habe Pence laut FBI eine Notiz mit den Worten hinterlassen, es sei „nur eine Frage der Zeit, bis Gerechtigkeit“ komme. „Starke Beweise, darunter Chansleys eigene Worte und Taten im Kapitol deuten darauf hin, dass es die Absicht der Kapitol-Randalierer war, gewählte Vertreter der US-Regierung gefangen zu nehmen und zu ermorden“, so die Ermittler.

Er habe offen über seine Überzeugung gesprochen, ein „Außerirdischer und höheres Wesen“ zu sein, heißt es in dem Haftantrag. Der Anhänger der bei Rechten beliebten QAnon-Bewegung soll am Freitag vor Gericht erscheinen. Ihm wird die Teilnahme am gewaltsamen Versuch vorgeworfen, die US-Regierung zu stürzen. Die Ermittler warnten, der Aufstand dauere noch an. Chansleys Pflichtverteidiger war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

US-Medien berichteten zuletzt unter Berufung auf Abgeordnete und ungenannte Beamte, dass die Eindringlinge den Parlamentariern am 6. Jänner extrem nah gekommen seien. Die „Washington Post“ berichtete am Freitag, dass auch Vizepräsident Mike Pence um ein Haar mit den Eindringlingen zusammengestoßen wäre. Seine Personenschützer des Secret Services hätten ihn gerade noch rechtzeitig aus dem Senat in einen sicheren Raum bringen können, hieß es weiter.

Sicherheitskräfte bereiten sich unterdessen auf weitere Demonstrationen in Washington vor, nachdem Trump-Anhänger am 6. Jänner in das Kapitol - den Sitz des US-Parlaments - eingedrungen waren und Büros verwüstet hatten. Einige griffen die Polizei an. Das US-Justizministerium hat bisher über 80 Anklagen erhoben. Die insgesamt mehr als 200 Verdächtigen hat das FBI durch Videos und Fotos in den sozialen Medien leicht ausfindig machen können.

Der für die Hauptstadt Washington zuständige Staatsanwalt Michael Sherwin hatte zuvor von beispiellosen Ermittlungen gesprochen, in deren Verlauf auch schwerwiegende Anklagen bis hin zum Mord erhoben werden dürften. Bei den Ausschreitungen starben fünf Menschen, darunter ein Polizist.


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