Laschet als Parteichef: Die CDU will nicht experimentieren

Armin Laschet ist mit einer persönlich gehaltenen Rede CDU-Parteichef geworden. Der unterlegene Friedrich Merz brüskiert Partei und Kanzlerin.

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Armin Laschet ist neuer CDU-Parteichef.
© AFP

Von Gabriele Starck

Berlin – Armin Laschet ist der neue Vorsitzende der deutschen Christdemokraten. Bei der Stichwahl gegen Friedrich Merz holte sich der nordrhein-westfälische Ministerpräsident auf dem digitalen CDU-Parteitag 521 Stimmen, während Merz 466 Delegierte hinter sich versammeln konnte. Der dritte Bewerber, Norbert Röttgen, war im ersten Wahlgang ausgeschieden.

Mit Laschet hat sich die Partei einen Vorsitzenden gegeben, von dem keine großen Überraschungen zu erwarten sind und der den Weg von Angela Merkel fortführen wird. Dieses „Weiter so!“, das ihm die Anhänger seiner Mitbewerber – vor allem jene von Merz – als Schwäche auslegen, versuchte Laschet in seiner Bewerbungsrede als „Kontinuität des Erfolgs“ anzupreisen. Weiter so heiße auch nicht, alles so weiterzumachen wie bisher. „Wir werden vieles anders und neu machen müssen nach der Pandemie“, sagte er. Er wies seine Parteikollegen auch darauf hin, dass derzeit „viele Merkel gut“ fänden und dann erst die CDU. „Dieses Vertrauen brauchen wir jetzt als Partei“, aber das müsse man sich erarbeiten. „Dafür reichen nicht markige und auch nicht schöne Worte.“

📽 Video | „CDU-Kenner zu Laschet-Wahl“

Es war nicht das einzige Mal, dass Laschet seinen Konkurrenten Merz indirekt anging. Es brauche die Fähigkeit zur Einigung, etwa wenn man Ökologie und Ökonomie versöhnen wolle, meinte er. Oder: Die Partei brauche „keinen CEO, keinen Vorstandsvorsitzenden, sondern einen Mannschaftskapitän“, der führe und zusammenführe, so Laschets Spitze gegen den wirtschaftsliberalen Unternehmer. Die CDU sei keine One-Man-Show, vielmehr sei Vielfalt ihre Stärke.

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"Vertrauen ist das, was uns trägt"

Vielfalt und Menschlichkeit sprach er auch in den sehr persönlichen Passagen seiner Rede an. Als er von seinem Vater sprach, für den als Bergmann unter Tage Vertrauen in seine Kameraden überlebenswichtig war, egal woher diese kamen oder welche Religion sie hatten. „Vertrauen ist das, was uns trägt.“ In Amerika sei dieses Vertrauen zerbrochen, indem der Präsident Zwietracht und Misstrauen gesät habe. Aber auch in Deutschland wirke das Gift, wenn man an die Reichskriegsflaggen an den Stufen zum Bundestag vor einigen Wochen denke oder an die Ermordung von Walter Lübcke. Es gehe nicht darum, zu polarisieren, sondern darum, Klartext zu reden und zu integrieren. „Ich bin vielleicht nicht perfekt in Inszenierungen, aber ich bin Armin Laschet, und darauf können Sie sich verlassen.“ Die Mehrheit der insgesamt 1001 Delegierten wollte sich bei der Abstimmung dann tatsächlich auf Laschet verlassen.

Merz hatte in seiner Rede klargestellt, wer bei der Partei, aber auch im Bundestagswahlkampf das Sagen haben werde, sollte er CDU-Chef werden. Er bewerbe sich um die Führung der Partei und die Führung des Landes. „Ich werde es mir nicht leicht machen, Ihnen aber auch nicht. Ich werde mich fordern, Sie aber auch.“ Statt sich nach seiner Niederlage unterstützend ins Parteipräsidium wählen zu lassen, bot er sich Laschet als Wirtschaftsminister in Merkels Regierung an. Diese lehnte rundweg ab.

Der im ersten Wahlgang mit 224 zu je rund 380 Stimmen unterlegene Norbert Röttgen hatte eine sehr dichte Rede unter dem Leitmotiv Zukunftskompetenz gehalten, in der sich der ehemalige Umweltminister und Kämpfer für Klimaschutz klar von den Grünen dis­tanzierte. „Wir sind die Einzigen, die Klimapolitik mit Wirtschaftskompetenz verbinden.“ Er setze auf die mittelständischen Betriebe. Jene, die jetzt eine Vermögenssteuer forderten, verstünden die Situation nicht, in der man sich wegen der Pandemie befinde.

Abgesichert wird Laschets Wahl jetzt noch mit einer Briefwahl. Auf dem Stimmzettel ist dann allerdings nur noch Laschets Name zu finden.

Die Frage, wer Kanzlerkandidat der Union wird, bleibt ohnehin noch länger unbeantwortet. Erst nach den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz am 14. März wollen CDU und die kleine Schwester CSU darüber beraten. In beiden Bundesländern geht es übrigens darum, Grün bzw. Rot von der Spitze zu verdrängen. Gelingt das den Christdemokraten nicht, wird es auch für den neuen Parteivorsitzenden schwer werden, sich als Kanzlerkandidat zu empfehlen. Und derzeit können sich viele Unions-Anhänger eher den CSU-Chef und bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder als Spitzenkandidaten vorstellen.


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