Lockdown in Österreich wird verlängert: Neue Maske, mehr Abstand

Der Lockdown wird verlängert. In Tirol wird es erst nach den Semesterferien wieder Unterricht in der Klasse geben. Der Handel bleibt bis 8. Februar zu.

Kanzler Kurz und Wiens Bürgermeister Ludwig beschwören parteiübergreifenden Schulterschluss.
© APA

Von Michael Sprenger

Wien – Nachdem klar war, dass das viel ansteckendere mutierte Coronavirus in Österreich angekommen ist, war letzten Endes vorhersehbar, dass das geplante Ende des Lockdowns mit 25. Jänner nicht zu halten sein wird. Zwar ist für breite Teile der Bevölkerung, insbesondere für die Schülerinnen und Schüler und deren Eltern, die Verlängerung der Ausnahmesituation eine Zumutung, aber überraschend war es nicht.

Überraschend hingegen war, dass die Bundesregierung von ihrem seit Monaten praktizierten Auftritt durch das virologische Quartett Abstand genommen hat. Erstmals waren auch mit Michael Ludwig (SPÖ) und Hermann Schützenhöfer (ÖVP) zwei Landeshauptleute in der Funktion, Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) bei der Pressekonferenz zu unterstützen.

Dies ist durchaus so zu interpretieren, dass die Regierung einsah, anstatt mittels Verkündigungspolitik ab nun parteiübergreifend zu agieren und die Länder anständig einzubinden. Der Wiener Bürgermeister Ludwig hat es durchaus verstanden, die Corona-Politik der vergangenen Monate dahingehend zu kritisieren, indem er sagt: Er hoffe, dass dies auch künftig so vonstattengehe. Ludwig sprach von einem „nationalen Schulterschluss“, der jetzt notwendig sei.

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Kurz macht klar, dass die neuen Maßnahmen keine parteipolitische Frage gewesen seien, sondern „eine Frage von Fakten und Verantwortung“. Und was kommt auf die Bevölkerung jetzt für die kommenden Wochen zu? Ein Überblick.

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1 Verlängerung. Der Lockdown wird bis mindestens 7. Februar verlängert. Das heißt, dass das Leben in Österreich so karg weitergeführt wird, wie es seit dem Stephanitag zur Realität geworden ist. Das Haus darf man nur aus bestimmten Gründen verlassen, also beispielsweise um zur Arbeit zu kommen, den Hund auszuführen, Sport zu betreiben oder einzukaufen.

2 Abstand halten. Das Abstandhalten gehört hier dazu, allerdings wird dieser Abstand jetzt auf zwei Meter erhöht.

3 Schulbesuch. Dieser wird in Tirol erst nach den Semesterferien möglich sein. Das heißt, erst ab 15. Februar dürfen Schülerinnen und Schüler wieder auf Präsenzunterricht hoffen. Versprochen wurde zuletzt, dass der Unterricht am 25. Jänner aufgenommen wird. Es bleibt also vorerst beim Distance Learning.

4 Neue Maskenpflicht. In öffentlichen Verkehrsmitteln und beim Einkaufen müssen ab 25. Jänner höherwertige FFP2-Masken getragen werden. Diese sollen zum Selbstkostenpreis in Supermärkten angeboten werden. Einen Preis nennt die Regierung nicht, er soll aber „sehr, sehr verträglich“ sein. Derzeit sind entsprechende Masken ab etwa 1,50 Euro erhältlich. Für Einkommensschwache sollen sie gratis zur Verfügung gestellt werden, kündigte Gesundheitsminister Rudolf Anschober an.

5 Handel und Friseure: Wer Kleidung probieren und Platten hören will, bevor er sie kauft, wird dazu frühestens ab 8. Februar wieder die Gelegenheit haben. Bis dahin bleiben alle Geschäfte, die nicht für die tägliche Versorgung nötig sind, geschlossen. Einzig die Möglichkeit, Waren zu bestellen und bei den Shops abzuholen, besteht weiter. Auch für die körpernahen Dienstleister wie Friseure, Kosmetiksalons oder Tätowierer geht die unfreiwillige Pause weiter. Wenn es dann wieder losgeht, ist eine höherwertige FFP2-Maske anzulegen.

6 Home-Office. Verschärfungen für die Regelungen am Arbeitsplatz gibt es nicht. Aber eine dringende Empfehlung: Wenn es geht, sollte die Arbeit von zu Hause aus erledigt werden.

7 Gastronomie und Hotellerie. Für diesen wichtigen Bereich für den Einzelnen und für diesen Wirtschaftszweig an sich gibt es vorerst keine guten Nachrichten. Das Bier mit Freunden beim Wirt um die Ecke oder der Besuch eines Kaffeehauses wird im Februar nicht möglich sein. Mitte Februar will die Regierung die Lage neu beurteilen. Sie hofft, dass sie dann planbare Aussagen geben kann. Festlegen will sie sich aber nicht.

8 Theater, Kino, Museen. Veranstaltungen bleiben bis Ende Februar untersagt, Ausnahmen gibt es nur für den Sport, und das ohne Publikum. Theater und Oper müssen ihre Spielpläne auf einen Beginn mit März adaptieren. Besser geht es den Museen. Sie sollen gleichzeitig mit dem Handel ab 8. Februar öffnen können. Wer reinwill, muss aber auch hier eine FFP2-Maske anlegen.

9 Skifahren und Eislaufen. Auch wenn es zuletzt immer wieder Kritik an den offenen Skigebieten gab – das Wedeln wird weiterhin möglich sein. Der Pistenspaß geht also weiter. Das Skifahren auf Pisten bleibt wie das Eislaufen erlaubt.

10 Urlaubsplanung. Der Tourismus steht nach aktuellen Plänen bis Ende Februar still. Damit bleiben für die Hotellerie nur die Osterferien, die am 27. März starten. Mitte Februar wird die Lage zwar noch einmal evaluiert, eine Öffnung gibt es trotzdem frühestens mit Ablauf des Monats.

11 Impfung und Perspektive. Ab dem Zeitpunkt, wenn die über 65-Jährigen geimpft sind, seien die Spitäler nicht so schnell überlastet und die Situation werde sich entspannen, hoffte Kurz. Im April oder Mai werde man der Normalität deutlich näher sein als heute, bis zum Sommer erwarte er Normalität. Mit den derzeitigen Liefervereinbarungen werde man allen über 65-Jährigen bis Ende April/Anfang Mai eine Impfung anbieten können. Sollte der Impfstoff von AstraZeneca zugelassen werden, dann könnte das wahrscheinlich schon Ende März möglich sein. Anschober rechnet damit, dass die kommenden zehn Wochen „die schwierigste Phase“ werden. Mit Ostern werde sich dann aber „vieles ändern“.


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