Arbeitsmarkt im Außerfern von Corona in die Knie gezwungen

Corona ließ im Außerfern die Arbeitslosigkeit um 500 Prozent steigen. Im Bezirk Kufstein wirkt der Branchenmix entgegen.

Die Zahl der Jobsuchenden beim AMS Reutte nahm drastisch zu. Ein wenig Entspannung könnte das Ende des Lockdowns bringen.
© Tschol

Reutte, Kufstein – Einen langen Schatten wirft die Corona-­Krise auf den Arbeitsmarkt im Außerfern. Zum Stichtag 31. Dezember lag die Arbeitslosigkeit im Bezirk Reutte um 500 Prozent über dem Vorjahresniveau und stellt mit 1830 Arbeitslosen (+ 1525) einen Rekordwert dar. Einzig Land­eck wies im Bezirksvergleich mit einem Plus von 502,5 Prozent einen noch höheren Wert aus. Der dritte Lockdown und der damit verschobene Start der Wintersaison zeigen massive Auswirkungen. Betroffen sind in erster Linie die Arbeitsuchenden aus dem Fremdenverkehr und witterungsbedingt aus der Baubranche. Die Arbeitslosenquote in Reutte liegt aktuell bei 13,1 Prozent.

„Die weitere Arbeitsmarktentwicklung hängt sehr stark mit der Entwicklung der Corona-Krise zusammen. Kurzfristig sollte sich mit Ende des Lockdowns eine zumindest vorübergehende Entspannung ergeben“, so die stellvertretende Leiterin des AMS-Reutte, Karin Lutz. Der Ausblick für die zweite Jahreshälfte 2021 sei vorsichtig positiv. Aufgrund der Impfstoffentwicklung sei von einem Rückgang der Arbeitslosigkeit auszugehen. Lutz: „Das Vorkrisenniveau wird jedoch voraussichtlich erst in einigen Jahren wieder erreicht werden können.“

Bezirk Kufstein am geringsten betroffen

Der Ausfall der touristischen Wintersaison machte sich im Dezember auch am Arbeitsmarkt in Kufstein mit einem Plus von 88,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr bemerkbar – die Tendenz ist nach der Verkündung der Lockdown-Verlängerung sowie wegen der jährlichen Winter­arbeitslosigkeit der Baubranche steigend. Allerdings ist Kufstein mit 4885 Arbeitslosen nach Innsbruck dennoch der am geringsten betroffene Bezirk Tirols. Das sei auf den guten Branchenmix der Region zurückzuführen, heißt es aus der AMS-Geschäftsstelle.

Vermehrt Frauen und Vertreter der Generation 50 plus hätten sich in der Krise zunehmend gemeldet. Aktuell nutzen 694 Betriebe für rund 5200 Beschäftigte die Kurzarbeiter-Unterstützung. Die Nachfrage nach Fachkräften sei mit 888 offenen und 88 Lehrstellen hoch. Dennoch gebe es viele Betriebe, die sich bei der Personalrekrutierung zurückhalten und erstmal abwarten. „Es ist jetzt der optimale Zeitpunkt für Aus- und Weiterbildung“, verweist Geschäftsstellenleiterin Margit Exenberger auf das aufgestockte Aus- und Weiter­bildungsangebot des AMS. Auch für Betriebe biete man Beratung und finanzielle Anreize bei Anstellungen. (TT)

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