Absonderungsbescheid ignoriert und zum Arbeitsplatz gegangen

Trotz positiver Testung unter die Leute gegangen.
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Eine Covid-Erkrankung kann jeden treffen. Auch Leute, die an der frischen Luft arbeiten, wie ein 26-jähriger Arbeiter einer Stadtgemeinde. Nach positiver Testung erging über ihn ein Absonderungsbescheid der Bezirkshauptmannschaft. So war das Verlassen der Wohnung ab Mitte November strikt verboten. Ein Gebot, das dem 26-Jährigen dehnbar erschien. So spazierte er zum Friedhof und tauchte sehr zur Verwunderung der Kollegen am Arbeitsplatz auf – um noch schnell ein Ladekabel zu holen. So sprach sich der Freigang des Ansteckenden schnell herum – eine Anzeige und eine Anklage der Staatsanwaltschaft folgten. Tatvorwurf: vorsätzliche Gefährdung von Menschen durch übertragbare Krankheiten.

Vor Richterin Verena Offer gab sich der 26-Jährige geläutert: „Frau Rat, mir ist halt die Deck’n auf den Kopf gefallen!“ Kein Kavaliersdelikt für das Gericht: „Alle müssen wir derzeit hochdiszipliniert sein, viele erleiden schweren wirtschaftlichen Schaden, da geht es nicht, dass man einfach rücksichtslos aus der Reihe tanzt!“ Der Angeklagte: „Da hab’ ich einen Blödsinn gemacht!“ Richterin Offer: „Ja!“ Ganz ernst gemeint fiel dafür die Strafe aus: vier Monate bedingte Haft plus 4080 Euro Geldstrafe. Der 26-Jährige bat um Ratenzahlung. Die Richterin: „Hier geht es nicht um die konkrete Gefährdung eines Menschen. Wenn man als Positiver das Haus verlässt, gefährdet man abstrakt das Rechtsgut Gesundheit der Allgemeinheit. Das reicht für eine Strafbarkeit von bis zu drei Jahren Haft.“

Die Trennung von seiner attraktiven Freundin konnte ein 47-Jähriger nicht verkraften. Der Bosnier hing so sehr an der Frau, dass er nach der Delogierung sogar weiter im Keller und in der Garage des Hauses „wohnte“. Die Frau versorgte ihn wiederum mit Rasierzeug. Weniger schön fielen aber immer wieder aufflammende Streitigkeiten aus, bei denen es zu gefährlichen Drohungen und Körperverletzungen kam. Dazwischen versuchte der Verzweifelte, die Frau doch noch zu küssen. U-Haft stoppt den einstigen Fliesenleger seit zwei Monaten. Gestern ergingen insgesamt neun Monate Haft, sechs davon bedingt. (fell)


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