Lehrergewerkschafter Kimberger: „Vorgaben so schnell wie möglich“

Der oberste Lehrergewerkschafter Paul Kimberger ist für ein Semesterzeugnis. Er drängt auf „Beurteilungsrichtlinien“ des Bildungsministeriums.

Lehrergewerkschafter Paul Kimberger.
© APA/Fohringer

Von Karin Leitner

Wien – Soll es eine „Schulnachricht“ in herkömmlicher Form geben? Ist es Lehrern ob der Pandemie – mit großteils „Distance Learning“ – möglich, die Schüler zu Semester­ende zu beurteilen?

„Ja“, befindet der oberste Lehrergewerkschafter, Paul Kimberger, im Gespräch mit der Tiroler Tageszeitung. „Das sollte nicht ausgesetzt werden, weil auch im Distance Learning von den Kindern und Jugendlichen großartige Leistungen erbracht werden. Deshalb ist eine Rückmeldung wichtig und richtig.“

Viel ist in diesem Semester von der Ferne aus unterrichtet worden – ein Drittel der Schultage galt diesem Modus, in diesem Semester wurde im Fernunterricht gelehrt und gelernt, an Oberstufen gar die Hälfte. ÖVP-Bildungsminister Heinz Faßmann plädiert wegen der schwierigen Voraussetzungen für „Milde“ beim Zeugnis, begehrt aber auch „eine sichere Beurteilung“.

„Das ist ein vernünftiger Appell in dieser Ausnahmesituation“, sagt Kimberger. „Trotzdem brauchen wir zusätzlich vom Ministerium und den Bildungsdirektionen in den Ländern Leit­linien und Schwerpunkte für die Beurteilung, um die Pädagogen bestmöglich dabei zu unterstützen.“ Bis wann will er die Vorgaben? Der Semesterschluss steht ja bevor. „Besser heute als morgen, also so schnell wie möglich.“

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Bildungsforscher Bernhard Hemetsberger bewertet Faßmanns Gebot negativ: „Das simuliert Normalität, wo keine ist.“ Die Pädagogen hätten zwei problematische Möglichkeiten. Die eine: Sie halten „die nicht vorhandene Normalität“ aufrecht, geben Noten nach den üblichen Kriterien, negieren den Einfluss, den die neuen Lernbedingungen und die Unterstützung durch die Familien im Distance Learning haben. „Dann habe ich einen schlechteren Notenschnitt, produziere jen­e ‚verlorene Generation‘, die wir verhindern wollen.“ Oder Lehrer benoten „besser“, reichen „die Entscheidung über das Qualifikationsniveau an andere Institutionen oder Lehrstellen weiter“. Mit Beschwerden von Eltern sei jedenfalls zu rechnen.


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