Vergessene Geisterlinie U5 beschert Wien eine Großbaustelle

Wer eine neue U-Bahn haben will, braucht einen langen Atem: Was lange währt, wird aber nun wirklich gut: Die U5-Arbeiten haben begonnen.

Ab zum Spatenstich für die U5: Finanzminister Blümel, Verkehrsministerin Gewessler, Wiens Finanzstadtrat Hanke und Wiener-Linien-GF Steinbauer (v. l.).
© APA

Wien – Mitten im voll verbauten Gebiet der Wiener Innenstadt herrscht seit dieser Woche Baggeralarm: Der Ausbau des U-Bahn-Linienkreuzes U2xU5 geht los, am Mittwoch zelebrierte die versammelte Politprominenz den offiziellen Spatenstich für die Verlängerung der U2 Richtung Matzleinsdorfer Platz sowie für die Arbeiten am ersten Teilstück der neuen U5 bis Frankhplatz. Für den weiteren geplanten Ausbau der beiden Linien ist die Finanzierungsvereinbarung allerdings noch ausständig.

Nach jetzigem Stand soll die neue U5 – sie wird fahrerlos unterwegs sein – ab 2026 vom Karlsplatz auf der jetzigen U2-Trasse bis zum Frankhplatz (Altes AKH) fahren. Dafür muss ab dem Rathaus eine komplett neue unterirdische Trasse gelegt werden.

Die U2 wiederum pendelt ab voraussichtlich 2028 zwischen Seestadt und Matzleinsdorfer Platz. Hier wird ebenfalls ab der Station Rathaus – sie fungiert künftig als Umstiegsknoten zwischen der türkisen und der lila Linie – ein neuer Streckenverlauf gebaut. Insgesamt werde im Wiener Öffi-Netz dadurch eine Zusatzkapazität für 300 Mio. Fahrgäste geschaffen, hieß es. Verkehrsministerin Leonore Gewessler (Grüne) sprach in dem Zusammenhang von „einem der größten Klimaschutzprojekte in Österreich“, das gleichzeitig auch bis zu 30.000 Jobs schaffe.

In der nächsten Ausbaustufe (siehe Grafik) soll die U2 bis zum Wienerberg und die U5 bis zum Elterleinplatz im Bezirk Hernals fahren. Dafür fehlt aber noch die Finanzierungsvereinbarung. Traditionell teilen sich Bund und Stadt die Kosten für den U-Bahn-Bau halbe-halbe.

jobs.tt.com: Suchen und gefunden werden

Laden Sie Ihren Lebenslauf auf jobs.tt.com hoch und werden Sie von Top-Arbeitgebern aus Tirol gefunden.

Was die U5 betrifft, ist im rot-pinken Koalitionsprogramm der Bundeshauptstadt sogar eine Verlängerung bis zur Vorortelinie (S-Bahn-Station Hernals) festgeschrieben, das kann freilich noch dauern. Wie überhaupt die Geschichte der U5 eine Geschichte der Verzögerungen ist. Denn jeder, der das erste Mal in Wien U-Bahn fährt, stellt sich wohl die Frage, warum die U5 fehlt, wo es doch eine U6 gibt.

Im Laufe der U-Bahn-Planungen in Wien wurden verschiedenste Konzepte für eine Linie U5 gewälzt, jedoch immer wieder zurückgestellt. Die ersten Planungen gehen auf das Jahr 1966 zurück (das U-Bahn-Zeitalter in Wien begann 1978). Sie hatten einen Trassenverlauf von Hernals über die Alser Straße, den Schottenring hinaus zum Praterstern und dem Ernst-Happel-Stadion vorgesehen. Ein anderer Vorschlag Mitte der 1970er-Jahre sah eine U5 vor, die zwischen Längenfeldgasse, Südbahnhof, Schlachthausgasse und Erdberg verkehren hätte sollen. 2001 forderte die Wiener ÖVP eine Linie U5 von Dornbach bis zum Landesgericht, von dort über die U2-Gleise zum Karlsplatz und dann weiter zur Wienerberg-City im Süden. Auch der Hauptbahnhof hätte einmal mit der U5 erschlossen werden sollen. Die meisten Pläne scheiterten aus finanziellen Gründen. Im Wien-Wahljahr 2010 versprach der damalige Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ), über eine „Vision einer U5“ nachdenken zu wollen. Im Jahr 2014 wurde die Errichtung der „ewigen Geisterlinie“ dann fixiert. (TT, APA)


Kommentieren


Schlagworte