Jirka: „In spätestens 20 Wochen geht vielen die Arbeit aus“

Tiroler Gewerbe und Handwerk warnt vor einem längerem Lockdown und fordert schnellere Hilfen. Viele Betriebe zeigen sich aber auch zuversichtlich.

Baunahe Berufe kamen noch mit einem blauen Auge davon. Die Erwartungen für das laufende Jahr schwanken je nach Branche stark.
© Getty Images/iStockphoto

Innsbruck – Während Branchen des Baunebengewerbes im Vorjahr mit einem blauen Auge davongekommen sind, haben die politisch verordneten Corona-Einschränkungen und Lockdowns Berufe wie Friseure oder Eventtechniker schwer getroffen. Entsprechend fällt im Tiroler Gewerbe und Handwerk die Bilanz gemischt aus. Personennahe Berufe beispielsweise mussten etwa im Schlussquartal 2020 ein Minus von mehr als 21 Prozent schlucken, baunahe Berufe kamen mit minus 5,8 Prozent davon, berichtete Franz Jirka, Tiroler Sprecher der Sparte, die insgesamt 22.000 Betriebe mit 65.000 Mitarbeitern und 5400 Lehrlingen umfasst.

Eines haben aber alle Berufsgruppen gemeinsam: „Mit der Verlängerung des harten Lockdowns geht uns die Puste aus“, warnt Jirka in Richtung der türkis-grünen Bundesregierung eindringlich vor den Folgen für viele Firmen und Familien. „Man wird so nicht weiterfahren können, man muss schon einmal zu einem Ende kommen. Die Politik muss früh Gegenmaßnahmen in die Wege leiten“, so Jirka.

„Es kommen keine Aufträge nach"

Die Auftragslage ist unterschiedlich. 4 Prozent der Betriebe haben keinen Polster und könnten neue Aufträge sofort abarbeiten. Bei 26 Prozent sind die Auftragsbücher für ein bis vier Wochen voll, bei 50 Prozent für die kommenden fünf bis neun Wochen, der Rest kommt mit den Aufträgen über die nächsten 10 bis 20 Wochen durch. „Das bedeutet, in spätestens 20 Wochen geht vielen Betrieben die Arbeit aus“, warnt Jirka: „Es kommen keine Aufträge nach. Oft sind nur Reparaturen zu erledigen, doch die richtig großen, langfristigen Aufträge bleiben aufgrund der kritischen Wirtschaftslage aus.“

Laut einer Studie der KMU-Forschung Austria sind dennoch 46 Prozent der Gewerbe- und Handwerksbetriebe derzeit mit der wirtschaftlichen Situation noch zufrieden oder sehr zufrieden. 37 Prozent sind am anderen Ende der Skala wenig bis gar nicht zufrieden. Das betrifft vor allem etwa Modegeschäfte, Fußpfleger, Masseure, Friseure oder die Film- und Musikwirtschaft. Frauen sind dabei stärker betroffen als Männer. Bei fast einem Drittel der Firmen sanken die Umsätze wegen der Corona-Maßnahmen um 50 und mehr Prozent.

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Hilfen müssen schneller fließen

Auch die Aussichten für 2021 sind breit gestreut. Jeweils rund ein Drittel der Tiroler Betriebe sind dazu positiv, negativ oder neutral gestimmt. 77 Prozent gaben an, die Krise auch ohne Staatshilfe überleben zu können.

Jirka fordert etwa eine unbürokratische Behandlung der Hilfsanträge. Ein spürbarer Anteil der Hilfsgelder fließe nämlich direkt weiter etwa an Steuerberater, deren Hilfe oft für die Anträge benötigt wird. Auch müssten die Hilfen schneller fließen: Beim Fixkostenzuschuss warte man ein bis zwei Monate. Die NoVA-Verschärfungen erachtet Jirka als „widersinnig“, zudem fordert er den Handwerkerbonus spätestens ab April. „Da muss Schluss sein mit dem Herum­eiern.“ (mas)


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