Die Marktgemeinde Reutte investiert: jetzt erst recht

Für den Haushalt 2021 wird erstmals seit Jahren eine Neuverschuldung in Kauf genommen. Das Rekordbudget beträgt 29,87 Millionen Euro.

Punkt für Punkt arbeiteten die Mandatare die finanziellen Notwendigkeiten für die Marktgemeinde Reutte im Jahr 2021 ab. Am Ende wurde ein Haushalt von 29,9 Millionen Euro einstimmig beschlossen.
© Mittermayr Helmut

Von Helmut Mittermayr

Reutte – In der ersten Dekade seiner Amtszeit war es Reuttes Bürgermeister Luis Oberer ein Anliegen, den Verschuldungsgrad der Gemeinde Jahr für Jahr weiter herunterzubringen – von 70 auf zuletzt 19 Prozent (nach alter kameralistischer Darstellung). Der somit konsolidierte Haushalt, bei dem zudem Rücklagen gebildet und Kredite vorzeitig getilgt werden konnten, kam nun der Budgeterstellung für das Corona-Jahr 2021 mehr als zugute.

Neuverschuldung wird in Kauf genommen

Erstmals nimmt Reutte auch wieder eine starke Neuverschuldung in Kauf, 3,6 Millionen Euro werden aufgenommen, exakt zwei Millionen an Rücklagen aufgelöst. Oberer Donnerstagabend an die Mandatare gerichtet: „Wir haben ein neues Reuttener Rekordbudget mit 29,9 Millionen Euro. Und gerade jetzt (womit er Coron­a meinte, Anm.) müssen die Kommunen investieren. Wir sind alle aufgerufen dazu. Wer, wenn nicht wir!“ Für das Markt­oberhaupt war klar, dass man jetzt auch Schulden machen müsse, um die Wirtschaft zu beleben. „Wir investieren 7,5 Millionen Euro. Eine Riesensumme, die wir so noch nie hatten“, sagte Oberer. Das Budget, in das wie all die Jahre zuvor genau zwei Bürger bei der Auflage Einblick genommen hatten, ist trotzdem nicht gänzlich ausgeglichen. Die Differenz von 266.000 Euro ist aber durch Betriebsmittelrücklagen gedeckt.

In die Neugestaltung des Untermarktes fließen 4,6 Millionen Euro. Die Erweiterung des Seniorenzentrums schlägt mit einer Million zu Buche. Der Kindergarten Mühl wird um eine Gruppe und damit das Gebäude erweitert – 440.000 Euro. Weitere Investitionen belaufen sich auf 872.000 Euro. All diese Ausgaben sind zusätzlich und nicht etwa auf der gewöhnlichen Lohnliste der Kommune zu finden. Schon längst Gewohnheitsrecht ist hingegen die Betriebsabgangsdeckung beim Tiroler Krankenanstaltenfonds und dem Bezirkskrankenhaus. Reutte ist hier mit 2,2 Millionen dabei. Der rechnerisch zugrunde gelegte Anteil der Marktgemeinde am BKH Reutte beträgt 21 Prozent.

Corona-bedingte Mindereinnahmen an Steuern und Zuweisungen werden erwartet. Eine „Bank“ ist hingegen das gemeindeeigene E-Werk, das auch heuer wieder 1,88 Millionen Euro an den Eigentümer und damit die Reuttener und Reuttenerinnen ausschütten wird.

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Zuwachs an Köpfen darf nicht einfach passieren

Die Marktgemeinde ist Arbeitgeber für 211 Personen. Da viele in Teilzeit tätig sind, werden 155 Vollzeitäquivalente angenommen. Oberer war es ein Anliegen zu erklären, dass man genau hinschaue, der Zuwachs an Köpfen nicht einfach passiert und bei der Verwaltung sogar ein Rückgang zu verbuchen sei. Schlagend würden hier Kindergärten wie Seniorenzentrum, wo mehr Personal benötigt würde.

Für VBM Klaus Schimana zeigte „dieses Rekordbudget die umfangreichen Aufgaben einer Kommune“. Der ehemals aus dem Bankgeschäft kommende VP-Mann fand die Zinsaufschläge der Banken für die Kredite „geradezu sensationell“. Man bekomme das „Geld geschenkt“. Er monierte wie Fraktionskollege Ernst Hornstein, dass beim Museum Grünes Haus trotz Zusage 100.000 Euro im Haushaltsvoranschlag vergessen worden seien. Nachdem sich alle darauf geeinigt hatten, dass dies leider passiert sei, aber es keinen Schuldigen gebe, wurde die Summe kurzerhand ins Budget gehievt.

Einstimmig wurde schließlich der Haushaltsvoranschlag 2021 verabschiedet und wie immer auch dem Jongleur des umfangreichen Zahlenwerks, Raimund Schmid als Leiter der Finanzverwaltung, persönlich gedankt.


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