Ärzte und 80+: Impfen nach Plan verlangt Flexibilität

In Innsbruck werden ab morgen die „Impfer“ geimpft, über 430 Ärzte kommen beim Testlauf für die neue Impfstation an die Reihe. In Walchsee wurde die Generation 80 plus bereits zum kollektiven Pieksen geladen.

BM Dieter Wittlinger (3. v. l.) konnte spontan sieben Hochrisikopatienten von der Warteliste herbeirufen.
© Hrdina

Innsbruck, Walchsee – „Wir sind bereit“, verkündet Innsbrucks BM Georg Willi – und meint damit die große Impfstation in der Messehalle A, die Stadt- und Messemitarbeiter in wenigen Tagen aufgebaut haben. Morgen und am Freitag erlebt sie ihren ersten Praxistest: Dann werden hier die „Impfer“ geimpft – über 430 Ärztinnen und Ärzte aus dem Großraum Innsbruck, die danach großteils selbst Impfungen durchführen werden.

Bis zu 1000 Impfungen am Tag möglich

Ziel sei, „rasch und unkompliziert“ zu impfen, sagt Willi, die Infrastruktur könne je nach Verfügbarkeit der Impfstoffe flexibel angepasst werden. Im Vollbetrieb sind im Zentrum bis zu 1000 Impfungen täglich möglich.

Gesundheitsstadtrat Hannes Anzengruber (ÖVP) erklärte beim gestrigen Lokalaugenschein die Abläufe: Im Eingangsbereich wird abgeklärt, ob jemand Symptome hat – wenn ja, darf man nicht hinein, sondern muss erst zum Antigentest in die Olympiaworld. Dann folgt die Anmeldestation, wo man Ausweis, Impfpass, E-Card und Aufklärungsbogen bereithält. Von dort geht es in den Wartebereich, in dem man Platz nimmt, bis man in eine von zwölf Impfkojen gerufen wird. Nach einem Aufklärungsgespräch wird hier „gepiekst“, die Bestätigung erhält man auf Papier und per Eintrag in den elektronischen Impfpass. Zum Abschluss wartet der Ruhebereich, in dem man bis zu 20 Minuten verweilen soll, falls Komplikationen auftreten. Die Rettung Innsbruck steht im Notfall bereit.

Gemeinsame Impfung – für Wolfgang und Kathi Mayr ein Novum in 60 Jahren Ehe. Ärztin Andrea Ganster (l.) impfte gestern in Walchsee 70 Personen der Generation 80 plus bzw. Hochrisikopatienten. R. o.: VBM Hannes Anzengruber (mit „Impf-Stempel“ in der Hand) und BM Georg Willi führen durch die neue Impfstation in der Innsbrucker Messehalle A, wo künftig bis zu 1000 Impfungen täglich möglich sind. R. u.: Ruhebereich für die Geimpften.
© Domanig, Hrdina

Die (Teil-)Impfungen in den Innsbrucker Heimen sind abgeschlossen. Bei den Bewohnern liegt die Durchimpfungsrate laut Anzengruber bei 90 %, bei den Mitarbeitern seien es 50 % – bei „steigender Bereitschaft“. Im Bundes-Impfplan sind auch die über 80-Jährigen Teil von Phase 1 – in Innsbruck haben sich 4900 der 6800 Personen dieser Altersgruppe angemeldet. Sie werden verständigt, sobald Impfstoff verfügbar ist. Zum Einsatz kommt neben dem Vakzin von BioNTech/Pfizer auch der von Moderna.

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Dass Kommunen und Bürger in puncto Impfplan sowohl gut vorbereitet sind, als auch flexibel agieren müssen, zeigte sich gestern in Walchsee. Die 2000-Einwohner-Gemeinde im Bezirk Kufstein ist eine von elf, die diese Woche bereits die Generation 80 plus zum kollektiven Pieksen laden kann. 70 Personen holten sich in der Mehrzweckhalle ihre erste Covid-Impfung ab – sie hatten teilweise gar nicht damit gerechnet. „Wir haben im Vorfeld eine Warteliste mit Hochrisikopatienten nach Alter gestaffelt erstellt, um rasch reagieren zu können, sollte Impfstoff übrig sein“, erklärt BM Dieter Wittlinger, während er die Nummer eines solchen Bürgers ins Handy tippt: „Es geht sich aus, du kannst gleich vorbeikommen.“ Sieben priorisierte Hochrisikopatienten durften sich den 63 Senioren anschließen. Dabei befürchtete man am Morgen noch, das Land habe zu wenig Impfstoff geliefert – die Nachbargemeinde Schwendt half mit einem „übrig“ gebliebenen Flascherl aus.

Die Planungssicherheit ist relativ. Eine Handvoll Angemeldeter erschien nicht, die Fläschchen spendeten mehr Dosen als kalkuliert. Reste einer Vakzinflasche sollen laut Hersteller nicht mit dem Inhalt einer anderen vermengt werden. Wie viele Dosen gehen sich aus? Eine Frage der Feinmotorik. „Es fühlt sich schon anders an als bei anderen Impfungen“, verspürt Ärztin Andrea Ganster doch einen gewissen Druck, als sie die nächste Ampulle des weltweit gefragten Stoffes aufzieht. „Ich bin dankbar, dass ich schon drankomme“, sagt eine 84-Jährige, sie wartet wie alle Geimpften zur Sicherheit 20 Minuten auf einem Sessel. „Es ist auch meine Verantwortung.“ (md, jazz)

Ärztekammer warnt vor falschen Erwartungen

Innsbruck – Man dürfe keine unrealistische Erwartung bezüglich der Covid-Impfungen wecken, warnt die Tiroler Ärztekammer davor, „politische Entscheidungen anzukündigen, die letztlich gar nicht oder völlig anders als versprochen umgesetzt werden“. Die Bundespolitik sei aufgefordert, ausreichend Impfstoff bereitzustellen. Die Bevölkerung habe ein Recht auf Information zur Impfstoffbeschaffung, den Anmeldevorgang und den Ablauf der Impfung. Die Voranmeldung diene nur zum Überblick, verweist der Tiroler Ärztekammerpräsident Artur Wechselberger auf die sieben Prioritätsstufen im Impfkonzept. Lebensalter und Gesundheitsrisiko bestimmen die Reihenfolge. In Stufe 1 sind u. a. die (über) 80-Jährigen vorgesehen – 28.000 davon haben sich tirolweit angemeldet. Neben Hochrisikopatienten gelte es aktuell weiterhin Ärzte, Gesundheits- und Rettungspersonal zu impfen. (TT)


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