NHT setzt auf Passivhaus-Plus, Pilotprojekt in Modulbauweise

Die Chefs der gemeinnützigen Neuen Heimat Tirol, Hannes Gschwentner und Markus Pollo, über Holzbau und Energieeffizienz.

Die Chefs der gemeinnützigen Neuen Heimat Tirol, Hannes Gschwentner und Markus Pollo, über Holzbau und Energieeffizienz.
© Michael Kristen

Die Gebäude der Neue­n Heimat Tirol (NHT) sollen bis 2030 klima­neutral werden. Was bedeutet das für den gemeinnützigen Bauträger?

Hannes Gschwentner: Wir wurden anfangs belächelt, da wir schon sehr früh im Passivhausstandard gebaut haben. 2013 hat einer unserer Mitbewerber noch die Sinnhaftigkeit bezweifelt. Mittlerweile bauen alle Gemeinnützigen in Tirol im Passivhausstandard und rühmen sich mit Auszeichnungen. Nur wir sind schon wieder einige Schritte voraus: Wir haben unser Passivhaus zum Netto-0-Gebäude weiterentwickelt. 2015 haben wir ein Pilotprojekt am Vögelebichl in Innsbruck verwirklicht, das nicht nur ein Passivhaus ist, sondern wo zusätzliche Energie am Gebäude erzeugt wird.

Die Fortsetzung dieser Entwicklung ist das Passivhaus-Plus, dort soll so viel Energie am Gebäude erzeugt werden, wie für den Betrieb des Gebäudes benötigt wird, wie z. B. Energie für Allgemeinflächen, deren Beleuchtung, Haustechnik usw. Oft braucht man diese Energie gerade, wenn sie nicht oder im nicht ausreichenden Maß erzeugt wird. Hier haben wir vor zwei Jahren in der Wörgler Südtiroler Siedlung erstmals Strom aus Photovoltaikanlagen in Salzwasser-Batterien gespeichert. Dieses System kommt derzeit auch bei Europas größtem Passivhaus-Plus-Wohnbau in Rum zum Einsatz. Wir wollen in Zukunft alle Gebäude im Passivhaus-Plus-Standard errichten.

Neue Heimat Tirol

Im Bestand der gemeinnützigen Neuen Heimat Tirol (NHT) sind 19.299 Wohnungen, davon rund 15.126 Mietwohnungen.

Das jährliche Bau­volumen beträgt rund 130 Mio. Euro. Damit ist die NHT der größte gemeinnützige Bau­träger in Tirol.

Derzeit befinden sich über 1000 Wohnungen im Bau.

Wie machen Sie den Altbestand klimaneutral?

Markus Pollo: Wir wollen bis 2030 bei den zentral beheizten Gebäuden raus aus den fossilen Brennstoffen. 124 Anlagen müssen in knapp zehn Jahren umgebaut werden. Überwiegend wollen wir auf Fernwärme umstellen, besonders in der Inntalfurche. In den dislozierten Seitentälern werden wir auf Pellets und Wärmespeichermedien zurückgreifen. Bei der Fernwärme, die derzeit zur Verfügung steht, besteht jedoch noch ein Anteil von bis zu 40 Prozent aus fossilen Brennstoffen. Damit es gelingt, diesen Anteil in den kommenden 10 Jahren aus der Fernwärme zu verbannen, führen wir lösungsorientierte Gespräche mit der Tiwag. Da wir sehr viel Strom mit unseren Photovoltaikanlagen produzieren, könnte überschüssige Energie nach dem Prinzip „power to gas“ für die Umwandlung von Wasser in Wasserstoff genützt werden. Seitens der Tiwag gibt es bereits Bestrebungen, so eine Anlage im Unterland in den kommenden Jahren zu errichten. Dieser unternehmensübergreifende Lösungsansatz wäre ein gemeinsamer Beitrag, um die Fernwärme in Tirol nachhaltig „grüner“ zu machen.

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Ein Thema bei den Gemeinnützigen sind immer wieder die Baukosten. Kann man sie durch Modulbauweise drücken?

Gschwentner: Seit etwa drei Jahren beschäftigen wir uns mit der modularen Holzbauweise. Bisher haben wir es jedoch noch nicht geschafft, innerhalb der angemessenen Baukosten zu bleiben, da Holzbau teuer ist. Heuer wollen wir jedoch so ein Projekt im Unterland starten und in der Sensen-Union-Siedlung in Jenbach eine Anlage in Holz-Modulbauweise ausschreiben. Mit diesem Projekt wollen wir vor allem Erfahrungen sammeln.

Pollo: Beim Holzbau haben wir zudem das Thema, konstruktiven Bedingungen zu unterliegen, wie z. B. der Gebäude­höhe. In ländlichen Gebieten ist E plus 4 (Anm.: Erdgeschoß plus vier Stockwerk­e) okay, aber im urbanen Raum bauen wir E plus 5 oder 6. Dann müssen Auflagen eingehalten werden, wie zum Beispiel eine Sprinkleranlage an der Fassade, was den Rahmen der angemessenen Baukosten gemäß Tiroler Wohnbauförderung sprengen würde. Daher muss immer genau abgewägt werden, für welchen Standort welche Bauweise in Frage kommt. Man kann nicht alles über einen Kamm scheren.

Das Gespräch führte Frank Tschoner

Zur Person

Hannes Gschwentner ist technischer Geschäftsführer der NHT. Er war zuvor viele Jahre in der Politik tätig und für den gemeinnützigen Wohnbau zuständig. Er legte auch die Prüfung zum Bau­träger ab.

Markus Pollo ist kaufmännischer Geschäftsführer der NHT. Der studierte Architekt und Betriebswirt war u. a. für die BOE (Wohnbau), die Post AG (Logistikzentren) und für die ECE-Gruppe (Handels­immobilien) in Hamburg tätig.


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