Neuer Gatterer-Preis: Im Zweifel aufseiten der Schwachen

Ein neuer Preis für sozial engagierten Journalismus soll an Claus Gatterer erinnern.

Nur seinem journalistischen Gewissen verpflichtet: Claus Gatterer.
© imago stock&people

Wien, Bozen – Einen nach Claus Gatterer benannten Preis gibt es seit 1985. Nun gibt es einen zweiten. Gestern wurde in Wien die neue „Auszeichnung für hervorragenden Journalismus im Gedenken an Claus Gatterer“ vorgestellt. Er wird vom Presseclub Concordia und der Bozner Michael-Gaismair-Gesellschaft auf Empfehlung einer Fachjury vergeben. Das Preisgeld beträgt 10.000 Euro – und wird vom Land Südtirol finanziert. Erstmals vergeben wird der „neue“ Gatterer-Preis in diesem Juni in Sexten, dem Geburtsort Claus Gatterers (1924–1984), der mit dem ORF-Format „Teleobjektiv“ österreichische Fernseh- und Journalismusgeschichte schrieb.

Der „alte“ Gatterer-Preis galt lange Jahre als Gütesiegel des heimischen Journalismus. Der Falter hat die Auszeichnung für „sozial engagierten Journalismus“ gewonnen, Ulrich Ladurner, Armin Wolf, Edith Meinhart und Christoph Franceschini wurden ausgezeichnet. Doch seit 2019 hat das Siegel erhebliche Kratzer.

Der Ötztaler Publizist Markus Wilhelm, der für das Aufdecken der Causa Festspiele Erl gewürdigt werden sollte, lehnte den Preis ab – und stellte seine Recherchen über den Österreichischen Journalisten-Club (ÖJC), der den Preis vergibt, online. Die legen nahe, dass der ÖJC den Preis als „Geschäftsmodell“ betrieb. Sponsoren sei ein Vielfaches des Preisgeldes in Rechnung gestellt worden, schreibt Wilhelm. Bisherige Träger des Gatterer-Preises forderten daraufhin den Rückzug des ÖJC. Dieser dementierte die Vorwürfe und will an seinem Preis festhalten. Ende 2021 soll er erneut vergeben werden. Einzige bislang bekannte Neuerung: Preisgeld gibt es keines mehr. Nach Wilhelms Veröffentlichungen beendeten mehrere Geldgeber ihre Zusammenarbeit mit dem ÖJC.

Mit der gestern präsentierten neuen Auszeichnung sollen journalistische Arbeiten, die sich im Sinne Claus Gatterers durch kritisches Fragen, soziales Engagement und hohes stilistisches Niveau auszeichnen, gewürdigt werden. Initiiert wurde der Preis unter anderen von Peter Huemer und Kurt Langbein, langjährigen Wegbegleitern Gatterers.

Gatterer sei ein tapferer Mensch gewesen und habe sich nur seinem journalistischen Gewissen verpflichtet gefühlt, sagte Huemer im Rahmen der gestrigen Präsentation. „Für ihn war der Zustand aller Minderheiten der entscheidende Gradmesser des Zustands der Gesellschaft“, würdigte auch Langbein den 1984 verstorbenen Journalisten. Im Zweifel aufseiten der Schwachen sei eines seiner Mottos gewesen. „Wir brauchen wieder mehr Publizistinnen und Publizisten, die so handeln“, so Langbein. Sie sollen mit dem neuen Preis gestärkt werden. (jole)

Claus Gatterer und der neue Gatterer-Preis

Claus Gatterer, geboren 1924 in Sexten, war Journalist, Historiker und Dokumentarfilmer. Durch die von ihm entwickelte ORF-Reportagereihe „Teleobjektiv“ wurde er einem breiten Publikum bekannt. 1968 erschien seine Studie „Im Kampf gegen Rom“, 1969 sein autobiografisches Buch „Schöne Welt, böse Leut“. Er starb 1984 in Wien.

Für den neuen Gatterer-Preis können sich Journalisten aus Österreich und Südtirol bewerben. Auch Beiträge, die in dortigen Medien veröffentlicht wurden, sind zugelassen. Sie können in deutscher, italienischer oder ladinischer Sprache sein. Einreichungen sind bis 31. März möglich. Weitere Informationen: www.concordia.at


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