Regen und wechselnde Temperaturen: Lawinengefahr in Tirol steigt stark an

In weiten Teilen Tirols gilt am Donnerstag Gefahrenstufe Vier. Wegen eines Lawinenabgangs ist auch die B 186 Ötztalstraße ab Aschbach bis auf Weiteres gesperrt. Der Skitouren-Boom in diesem schneereichen Winter fordert Lawinenwarndienst und Lawinenkommission.

Auf die B 186 Ötztalstraße ging am Donnerstag eine Lawine nieder.
© ZOOM.TIROL

Innsbruck – Eine Warmfront mit starkem Niederschlag und Sturmböen im Hochgebirge lässt die Lawinengefahrenstufe im Großteil Tirols am Donnerstagnachmittag auf Vier ansteigen, warnt das Land in einer Aussendung. Das gilt für alle Regionen und Höhenlagen im Westen und Norden sowie oberhalb der Waldgrenze im Osten und am Osttiroler Tauernkamm.

Bereits im Laufe des Freitags soll dann eine Kaltfront weitere Starkniederschläge und stürmischen Westwind bis in die Täler mit sich bringen. Der ständige Temperaturwechsel in Kombination mit dem starken Wind ermöglichen spontane Lawinenabgänge, heißt es weiter.

Wegen eines Lawinenabgangs war am Donnerstag auch die B 186 Ötztalstraße ab Aschbach einige Zeit gesperrt. Die Schneemassen lösten sich von einem Hang unweit des Weilers Aschbach und donnerten in ein Bachbett. Dadurch sei eine derart starke Druckwelle entstanden, dass auf der gegenüberliegenden Talseite Bäume umgeknickt und auf eine Straße gefallen seien, heißt es von der Polizei in Sölden. Verletzte gab es keine.

„Während die obere Schneedecke aus Pulver besteht, sind im mittleren Teil ausgeprägte Schwachschichten vorhanden. Der Regen führt jetzt zu einem Festigkeitsverlust innerhalb der gesamten Schneedecke. Das ständige Auf und Ab bei den Temperaturen sowie der stürmische Wind im Hochgebirge, der teilweise auch bis in die Täler durchgreifen kann, begünstigen diese Gefahrenentwicklung“, so Rudi Mair, Leiter des Lawinenwarndiensts Tirol. In der feuchten und später dann auch wieder milderen Luft kann sich zudem verbreitet Nebel bilden, der die Sicht erschwert.

Unfallzahlen trotz Skitouren-Boom konstant

Alle Zeichen deuten derzeit auf eine intensive und herausfordernde zweite Winterhälfte hin. Für eine sichere Skitour gilt daher: Gute Vorbereitung ist der halbe Erfolg. Eine intelligente Routenplanung, die richtige Ausrüstung und ausreichend Information über die Wetterlage und Lawinenwarnstufe sind unumgänglich.

Der diesjährige Winter bringt nicht nur große Schneemengen, sondern auch viele Touren-Neulinge in die Berge. „Etwa 25 Prozent mehr Menschen sind mit den Skiern bergwärts in Tirols Alpen unterwegs. Die steigende Zahl an Tourengehern bedeutet auch mehr Menschen ohne viel Erfahrung“, sagt Mair. Trotz des Booms bleiben die absoluten Unfallzahlen jedoch konstant. „Wir beobachten erfreulicherweise, dass die Tourengeher die Gefahren ernst nehmen und viele sich sehr genau vorbereiten“, betont Mair.

Die Mitglieder von Lawinenkommissionen müssen ein umfangreiches Schulungsprogramm absolvieren.
© Team Kleinlercher
Die Lawine weiß nicht, dass du Experte bist. Wenn’s nicht passt, dann kracht’s.
Rudi Mair (Leiter Lawinenwarndienst Tirol)

Und doch gibt es Ausnahmen. Die beiden Hauptsorgenkinder könnten unterschiedlicher nicht sein. Zum Einen sind es die jungen und unerfahrenen Einsteiger. Zum Anderen die eingesessenen Routiniers. „Die Lawine weiß nicht, dass du ein Experte bist“, warnt Rudi Mair vor mangelnder Vorsicht. „Wenn’s nicht passt, dann kracht’s“, meint er.

Moderne Kommunikationswege, aber auch die Lawine-Tirol-App des Innsbrucker Unternehmens duftner.digital haben einen großen Anteil an der geringen Unfallzahl. Letztere wurde unter anderem in Zusammenarbeit mit der Tiroler Lawinenkommission entwickelt und verzeichnet bisher rund 115.000 Nutzer. „Allein in dieser Saison haben 3000 Menschen die App installiert, teilweise sind es 500 Downloads pro Woche“, erklärte Patrick Pixner, CEO von duftner.digital, gestern bei einem virtuellen Pressegespräch.

Die App findet außerdem Einsatz im Profi-Bereich für die 1350 Mitglieder der 245 Lawinenkommissionen. „Für unsere Arbeit hilft sie uns sehr weiter. Sie bietet eine enorme Fülle an Daten, mit denen wir Lawinengefahren im zu sichernden Raum beurteilen können“, erklärt Harald Riedl, Leiter der Lawinenkommission Tirol. (rosa)


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