MCI-Forschungsprojekt: Aus Holzabfällen wird intelligente Kohle

Ein Tiroler Forschungsprojekt untersucht die Produktion von Aktivkohle aus Alt- und Restholz.

Die Aktivkohle soll dann in Kläranlagen wie jener in Telfs zum Einsatz kommen.
© MG Telfs/Dietrich

Innsbruck, Telfs, Schwaz – Aus Baum- und Strauchschnitt sowie Altholz hochwertige Aktivkohle herzustellen und damit den Betrieb von kommunalen Kläranlagen zu optimieren: So lautet das Ziel eines ambitionierten Forschungsprojekts am Management Center Innsbruck (MCI). Das Vorhaben mit einer Laufzeit von fünf Jahren wurde im Herbst am Studiengang Umwelt-, Verfahrens- und Energietechnik gestartet.

Zentrumsleiterin Angela Hofmann (MCI) und die Projektpartner wollen Holzkohle zu hochwertiger Aktivkohle veredeln.
© Barbara Koller / MCI

MCI-Professorin Angela Hofmann, die das neue „Josef Ressel Zentrum für die Produktion von Pulveraktivkohle aus kommunalen Reststoffen“ leitet, erklärt den Grundgedanken: Man wolle pflanzliche Pulverkohle, die bereits jetzt bei der Holzvergasung (also der thermo-chemischen Umwandlung von Holz in Gas) als Nebenprodukt entsteht, weiter zu Aktivkohle mit besonderen Eigenschaften „veredeln“. Als Basisrohstoff soll dabei vor allem Holz aus der Landschaftspflege sowie unbehandeltes, sortenreines Altholz dienen, das an den Sammelstellen in den Gemeinden anfällt.

Die „funktionalisierte“ Aktivkohle soll dann vor allem im Bereich der Abwasserreinigung wichtige Aufgaben übernehmen – bei der Entfernung von Spurenstoffen aus dem Abwasser (etwa Medikamentenrückständen und anderen Mikroverunreinigungen), bei der Verminderung der Geruchsbelastung, aber auch bei der Stabilisierung von biologischen Prozessen in den Klärwerken. Kurz: „Die Kläranlagen sollen sich besser betreiben lassen“, bilanziert Hofmann. Und die Aktivkohle soll damit auch wieder in den kommunalen Kreislauf zurückgeführt werden.

Untersucht wird besonders, welche Oberflächeneigenschaften die Aktivkohle mitbringen muss, damit eine möglichst effiziente Entfernung der Spurenstoffe gelingt – und wie man das bei der Herstellung und Nachbehandlung erreichen kann.

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© Barbara Koller / MCI

Als Partner mit an Bord sind die „Christian Doppler Forschungsgesellschaft“, das Tiroler Unternehmen SynCraft Engineering, die Innsbrucker Kommunalbetriebe, die Stadtwerke Schwaz und die Gemeindewerke Telfs (GWT).

Die ersten beiden Jahre werde man vorwiegend an den Laborstandorten des MCI sowie in der Technikumsanlage am Gelände der Stadtwerke Schwaz forschen, wo man schon länger eingemietet sei, erläutert Hofmann. Ab dem dritten Jahr wolle man dann mit den Partnern direkt bei den kommunalen Abwasserreinigungsanlagen weiterarbeiten. In Telfs freut man sich auf die Teilnahme am umfangreichen Versuchsprogramm. Das vom Abwasserverband Telfs und Umgebung betriebene Klärwerk habe eine gute Größe, um den Einsatz der Aktivkohle zur Geruchsverminderung zu testen, meint GWT-Geschäftsführer Dirk Jäger. Zusammen mit dem neuen regionalen Abfallwirtschaftszentrum sei das ein „absolut überzeugendes Konzept“, befinden BM Christian Härting und Umweltausschuss-Obfrau Cornelia Hagele. Diese Einschätzung teilt auch GF Franz Wieland vom Abwasserverband.

Die so genannten „Josef Ressel Zentren“ sollen generell die Zusammenarbeit zwischen forschungsaktiven Fachhochschulen und regionalen Wirtschaftspartnern fördern. Jenes zur Produktion der Pulveraktivkohle ist das erste solche Zentrum in Tirol. (TT, md)


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