Setzt Kammerlander bei der Heim-WM den goldenen Karriere-Schlusspunkt?

Seit Jahren arbeitet der vierfache Gesamtweltcupsieger Thomas Kammerlander auf die Naturbahnrodel-WM in Umhausen (4.–7.2.) hin. Gold ist für den frischgebackenen Papa das einzige Ziel – und wohl auch das letzte.

Mit zwei Siegen kehrte Thomas Kammerlander aus der Covid-19-Quarantäne zurück – in Umhausen ist der Ötztaler der Top-Favorit.
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Von Roman Stelzl

Umhausen – Am 6. Jänner, wenige Wochen vor der Weltmeisterschaft in Umhausen, erblickte die kleine Lena das Licht der Welt – und der stolze Vater Thomas Kammerlander freute sich über einen Titel, der fernab der eisigen Rodelbahnen mit nichts zu vergleichen ist: Papa. „Der wohl schönste Titel in meinem Leben“, schrieb der überglückliche 30-jährige Ötztaler via Social Media über einem Bild, das die kleinen Füße der Tochter zeigte.

Genau einen Monat nach der Geburt wird es in seiner Heimat um einen anderen Titel gehen, einen rein sportlichen, aber, so viel ist jetzt schon sicher: Es wäre der schönste seiner Karriere. „Es gibt nichts Größeres als eine Heim-WM. Ich habe in den letzten Jahren so viel investiert, musste viel zurückstecken – ich habe alles ganz auf diese WM ausgerichtet“, sagt der Umhausener und macht damit kein Hehl daraus, dass die Weltmeisterschaft auf der 955 Meter langen Grantau-Bahn das Nonplusultra ist. Hier hat der jüngere Bruder von Ex-Weltmeister Gerald Kammerlander, der 2011 bei der WM in Umhausen Gold gewann, das Rodeln gelernt. Er würde mit verbundenen Augen den Weg runterfinden – bei der Generalprobe Anfang des Vorjahres gab es den erwarteten Weltcup-Sieg sowie den vierten Gesamtweltcupsieg in Folge.

Umhausen ist all das, was die Familie Kammerlander ausmacht. Papa Bruno ist als Obmann des SV Umhausen tief in die WM (4.–7.2.) verstrickt, die aufgrund der Covid-19-Pandemie ohne Zuschauer auskommen muss. „Es wäre die beste WM geworden, was die Fans angeht“, ist sich Thomas Kammerlander sicher. Für ihn wird es im Einsitzer mit oder ohne Zuschauer um alles gehen, liegt der Fokus schon seit der WM-Vergabe sowieso nur mehr auf der WM und dem Einzel-Titel, der ihm trotz all der Erfolge noch fehlt. „Ich habe mich schon in der vergangenen Saison ganz auf die WM konzentriert. Ob ich jetzt den Gesamtweltcup zum fünften Mal gewinne, interessiert auch keinen mehr. Aber der Einzel-Titel fehlt mir noch, sonst habe ich alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt.“

Und wohl auch der letzte. Schon Ende 2018 hatte der gelernte Spengler damit spekuliert, dass mit einem WM-Triumph in der Heimat die Karriere beendet sein könnte. Ob es tatsächlich so ist, lässt Kammerlander mit einem Schmunzeln offen. „Es könnte sein, dass es danach vorbei ist. Allzu lange wird es nicht mehr gehen. Ich habe viel zurückstecken müssen, das darf nicht mehr lange so weitergehen“, ergänzte der Familienvater und passionierte Bergsteiger, der einige der höchsten Berge Europas im Gipfelbuch stehen hat.

Klappt es 2026 mit der Aufnahme ins Olympia-Programm?

Eine mögliche Stern­stunde im Naturbahnrodeln wird Kammerlander aber ohnedies nicht mehr als Aktiver genießen können. Bei den Olympischen Spielen 2026 in Mailand und Cortina d’Ampezzo könnt­e es gut möglich sein, dass die Kufenflitzer die Aufnahme ins Olympia-Programm schaffen. Vor allem, weil die Italiener Weltcup-Rekordsieger sind. „Die Chancen waren noch nie so groß wie 2026. Das würde dem ganzen Sport einen ganz neue­n Aufschwung geben. Aber für mich als Sportler spielt das keine Rolle mehr.“

Ebenso wenig spielt die Covid-19-Erkrankung von Mitte Dezember eine Rolle, die ihn zwei Weltcup-Rennen gekostet hatte. Die Rückkehr mit zwei Siegen im Parseiertal nennt er „bilderbuchmäßig“. Diesen Übertitel soll auch die WM bekommen. Als letztes großes Kapitel der Karriere.


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