Mutter mit Küchenmesser erstochen: Mordprozess in Eisenstadt

Am Landesgericht Eisenstadt hat am Donnerstagvormittag ein Mordprozess gegen einen 56-jährigen Mann begonnen, der im vergangenen Juli seine Mutter mit einem Küchenmesser erstochen haben soll. Nach einem Streit im Wohnhaus des Bruders in Mühlgraben (Bezirk Jennersdorf) soll der Mann ein Messer aus der Küche geholt und seine Mutter mit mehreren Schnitten und Stichen getötet haben. Anschließend wollte er sich das Leben nehmen. Der Angeklagte zeigte sich vor Gericht geständig.

Der 56-Jährige und seine Mutter hätten seit Anfang 2020 gemeinsam im Haus des Bruders gewohnt, um dort Umbauarbeiten durchzuführen und zu beaufsichtigen. Immer wieder sei es dabei zu Streitereien gekommen - das Verhältnis zu seiner Mutter beschrieb der Angeklagte als „Zeit meines Lebens schwierig - Himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt“. Auch am 14. Juli sei es zu einem heftigen Streit gekommen, weil er die Frau gebeten hatte, ihm einen Bohrer aus dem Baumarkt zu holen. Dann sei er aber eingeschlafen und habe nicht mit dem Bohrer gearbeitet.

Die Mutter habe ihm Vorwürfe gemacht. „Sie hat gesagt, wie ich dazu komme, sie zu bitten, den Bohrer zu holen, wenn ich ihn nicht brauche.“ Der Streit habe sich aufgeschaukelt. Die Mutter habe ihm vorgeworfen, er sei „ein arbeitsscheues Gesindel, das vom Staat lebt“, erzählte der Angeklagte.

Im Zuge des Streits seien Äußerungen gefallen, die er ungerecht gefunden habe, sagte der Mann, der auch angab, seit Jahrzehnten ein Alkoholproblem zu haben. Noch während der Auseinandersetzung habe er sich gedacht, dass er „die Welt von dieser Person befreien“ müsse, und sei in die Küche gegangen, um ein Messer zu holen. Er habe dort das größte Küchenmesser genommen, das er gefunden habe, und sei zurück ins Wohnzimmer gegangen, führte der Staatsanwalt aus. „Es gibt keinen Zweifel, dass er in dem Moment, in dem er zustach, töten wollte“, betonte er.

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Seine Mutter habe noch geschrien: „Lass mich leben“, erzählte der 56-Jährige. Darauf habe er aber nichts mehr gesagt. Nach der Tat sei er erleichtert gewesen, dass die Streitereien vorbei seien. Er ging ins Dachgeschoß, setzte sich auf die Couch, rauchte Zigaretten und trank einige Flaschen Bier. Als die Schuldgefühle gekommen seien, sei es dann zu dem Selbstmordversuch gekommen, danach habe er sich zum Schlafen hingelegt, erzählte der 56-Jährige.

Verteidigerin Astrid Wagner betonte, dass das Geschworenengericht letztlich entscheiden müsse, ob es sich um Mord oder Totschlag handle. Es sei „eindeutig eine Affekt-Tat“ gewesen. „Wegen einem Bohrer ist noch keiner ermordet worden - man muss die jahrzehntelange Vorgeschichte mitdenken“, sagte sie. Die Mutter sei tyrannisch gewesen, immer wieder sei es zu Schlägen und Demütigungen gekommen - auch weil der Sohn, im Gegensatz zu seinem Bruder, ihrem Erfolgsdruck nicht entsprochen habe. Am 14. Juli sei es dann eskaliert. „Es ist ein Damm gebrochen, wie ein Tsunami, das kann ein Mensch dann nicht mehr beherrschen“, sagte sie.

Die Leiche der Mutter wurde erst am Abend des folgenden Tages gefunden, nachdem der Bruder des Angeklagten eine Nachbarin gebeten hatte, nach der Frau zu sehen, weil er sie telefonisch nicht erreichen könne. Die Nachbarin ging deshalb zum Haus. Dort habe ihr zunächst aber niemand die Tür aufgemacht, erzählte die Frau vor Gericht. Erst nachdem ihr Mann den Angeklagten angerufen habe, habe ihr dieser geöffnet und gesagt: „Ich habe gestern meine Mutter erstochen, es kommt jede Hilfe zu spät.“

Die Nachbarin habe dann mit ihrem Ehemann und dessen Bruder den Notruf getätigt. Über Probleme in der Familie habe sie nichts gewusst, sagte die Nachbarin. Der 56-Jährige, der aufgrund seines Alkoholproblems seine Arbeit verloren hat, sei ihr immer als hilfsbereiter Mensch begegnet.

Gegen 18.30 Uhr wurde der Angeklagte festgenommen. Er hatte laut Gutachten 1,76 Promille Alkohol im Blut. Der zuständige Chefinspektor betonte, dass sich der Angeklagte kooperativ und gefasst gezeigt habe. Bei seiner Einvernahme habe er die Tat geschildert, wie er sie erlebt habe. „Er hat überhaupt nichts beschönigt.“

Eine Sachverständige erläuterte, dass bei der Obduktion der Mutter Verbluten als Todesursache festgestellt worden sei. Tödlich seien folglich die Schnittverletzungen am Hals und nicht die Stichverletzungen am Bauch gewesen. Der Angeklagte erzählte, dass das Messer abgebrochen sei. Als seine Mutter gesagt habe, er solle sie am Leben lassen, habe er sich angesichts der Verletzungen gedacht: „Das geht sich nicht mehr aus.“

Richterin Birgit Falb verlas ein psychiatrisches Gutachten, das keinen Vollrausch und keine Unzurechnungsfähigkeit beim 56-Jährigen feststellte. Darin wurde angeführt, dass die Mutter „emotional instabil, aggressiv und dominant“ gewesen sei und die Familie traktiert und geschlagen haben soll. Der Angeklagte zeige durchaus „Elemente reuiger Einsicht“ und sei über sein Handeln schockiert. Es handle sich um „eine alte Rechnung, die für allemal beglichen wurde“, zitierte Falb aus dem Gutachten.


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