Polizeieingriff bei aggressivem Corona-“Spaziergang“ in Wien

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Obwohl die Groß- und andere Demos in Wien abgesagt wurden, haben sich Sonntagnachmittag laut Polizei rund 5.000 Maßnahmen-Gegner beim Wiener Maria Theresien Platz zu einem nicht angemeldeten Corona-“Spaziergang“ eingefunden. Die Stimmung der Menge - in der auch wieder Vertreter des rechtens Randes, Hooligans und sogenannte Querdenker zu sehen waren - heizte sich zunehmend auf, die Polizei musste massiv eingreifen. Sie sperrte die Routen, es kam zu zahlreichen Festnahmen.

Anfangs hatten sich ein paar hundert Menschen noch recht friedlich - wenn auch weitgehend unter Missachtung des Masken- und Abstandsgebots - versammelt. Mit zunehmenden Zustrom wurde die Stimmung aber aggressiver, die „Spaziergänger“ stürmten den für Autos zunächst nicht gesperrten Ring. Deshalb verlangte die Polizei die Auflösung. Als sich der Zug daraufhin Richtung Parlament in Bewegung setze, sperrte die Polizei - Präsident Gerhard Pürstl leitete den Einsatz -, verstärkt mit Hunden, die Route ab, ebenso jene Richtung Oper.

Der Aufforderung, den Ring in Kleingruppen zu verlassen, kamen die „Spaziergänger“ vorerst nicht nach, sie zogen weiter am Ring hin und her - und dann zunehmend auch in die umgebenden Gebiete. So wanderte ein größerer „Spaziergänger“-Zug neben dem Kunsthistorischen Museum im Kreis - zunächst noch ohne, bald aber unter Polizeiaufsicht. Ein zweiter Protestierer-Zug marschierte über den Ring Richtung Oper.

Nicht wirklich - zumindest nicht bei allen Teilnehmern - gefruchtet hat ein Appell von FPÖ-Klubobmann Herbert Kickl, der am Vortag nach Absage der Großdemo via Facebook zur Besonnenheit aufgerufen und in einer Pressekonferenz die Polizei als „Freund“ gelobt hatte. Immer wieder waren aggressive Ansagen der Regierungs- und Maßnahmen-Gegner Richtung der einschreitenden Polizei zu hören. Und Kickl gab, gemeinsam mit Parteichef Norbert Hofer, in einer Aussendung Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) „und Co.“ die Schuld an „möglichen Eskalationen: Sie hätten solche mit der Untersagung der Demos „mutwillig und aus rein parteipolitischen Gründen geradezu provoziert“.

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Zum „Spaziergang“ gekommen waren u.a. auch Identitäre rund um Martin Sellner oder der Neonazis Gottfried Küssel samt Mitstreitern; das oberösterreichische Busunternehmen, das schon vor zwei Wochen mit Demo-Fahrten geworben hatte, hatte auch diesmal wieder Teilnehmer nach Wien gebracht.

Begonnen hatte das sonntägliche Kundgebungsgeschehen klein, friedlich und mit hervorgestrichenem Religionsbezug. Bei einer angemeldeten Versammlung hatten sich im Wiener Volksgarten - unter weitgehender Einhaltung von Abstands- und Maskenregeln - rund 40 Menschen eingefunden. Die Erzdiözese Wien hatte im Vorfeld vor als „christliche Prozession“ getarnten Demos gewarnt und solchen „Missbrauch von Religion und Religionsfreiheit“ abgelehnt.


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