Lukas Gollers „Mann mit Hut": Maximilians Arsenal im Visier

Lukas Goller liebt es, sich täglich neu zu erfinden. Wovon der Grafiker und Designer allerdings im Geheimen träumt, das wäre eine riesige leere Hauswand zum Bemalen.

Seinen „Mann mit Hut“ hat der Südtiroler Künstler Lukas Goller in der Innsbrucker Zeughausgasse auf eine elf Meter lange und drei Meter hohe Mauer gemalt.
© schlocker

Von Edith Schlocker

Innsbruck – Das Zeughaus, in dem Maximilian I. vor mehr als 500 Jahren seine Waffen gelagert hat, wird seit einiger Zeit von einem „Mann mit Hut“ kritisch beäugt. Manche wollen in dem auf eine rund elf Meter lange und drei Meter hohe Mauer gemalten Porträt Andreas Hofer erkennen, wieder andere Bruno Kreisky. In Wirklichkeit hätten ihn Figuren aus dem Riesenrundgemälde zu seinem etwa 18 Quadratmeter großen Wandgemälde inspiriert, sagt Lukas Goller, der den „Mann mit Hut“ ganz offiziell im Auftrag des Mauerbesitzers gemalt hat.

Letztlich aus dem Kalkül heraus, auf diese Weise anonym nächtens hingeschriebene Graffiti zu vermeiden, für deren Erzeuger eine leere Wand wie die in der Zeughausgasse eine regelrechte Einladung darstellen würde, sagt Goller. Um sein Bild in einer alles andere als Nacht-und-Nebel-Aktion nach exakten Entwürfen während einer Woche Strich für Strich feinsäuberlich zu realisieren.

Konfrontation mit Menschen die nicht in die Galerie kommen

Der Künstler, der vor 43 Jahren in Seis am Schlern geboren wurde und den es des Studiums der Architektur wegen nach Innsbruck verschlagen hat, wo er bis heute hängen geblieben ist, mag das Arbeiten im öffentlichen Raum, nicht zuletzt deshalb, da auf diese Weise Menschen mit seiner Arbeit konfrontiert werden, die keine Museums- bzw. Galeriegänger sind. Wobei die Reaktionen auf seinen „Mann mit Hut“ durchwegs positiv seien, freut sich Goller, der im Geheimen davon träumt, einmal eine noch viel größere Wand bemalen zu dürfen.

Wobei ein gewisser Hang zum Skurrilen bei allem, was Lukas Goller macht, unübersehbar ist. Weniger beim „Mann mit Hut“, bei dessen Kreation er an einen Menschen gedacht habe, der in seinem Leben viel gelacht haben muss, sehr viel mehr allerdings bei der von ihm auf eine große Tür gemalten Figur am Wiltener Platzl. Wo man auf einen ersten Blick ein eigenartig hasenartiges Wesen mit zotteligem Fell und langen Ohren samt Schatten zu erkennen glaubt, das sich bei näherer Betrachtung als Figur mit Perchtenmaske herausstellt. Dieses Moment der Transformation fasziniere ihn, sagt Goller, dieses Uneindeutige, Zwittrige, aber auch mit viel Humor Aufgeladene. Übersetzt in eine Handschrift, die sehr grafisch daherkommt. Denn die Farbe ist nicht so sein Ding, Goller mag es offensichtlich gern monochrom, am liebsten schwarz-weiß. Was sicher damit zu tun habe, dass er mit alten Holzschnitten aufgewachsen sei, so der Künstler.

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Wahlkampf Plakate und Bio-Marke

Sein Architekturstudium hat Lukas Goller zugunsten einer Karriere als Snowboarder geschmissen. Um nach dieser Snowboards zu designen, genauso wie Kleider, Brillen und Uhren. Aber auch als Werbegrafiker – seit einem Jahr etwa für eine große Lebensmittel-Biomarke – ist er gut im Geschäft. Ein großer Auftrag, der gerade in Zeiten wie diesen äußerst beruhigend sei, sagt Goller. Der auch für die Innsbrucker Grünen im vergangenen Gemeinderats-Wahlkampf Plakate kreiert bzw. T-Shirts mit dem Konterfei Georg Willis bedruckt hat.

Goller mag es, sich immer wieder neu zu erfinden, sich auf neue Themen, Techniken und Formate einzulassen. So kann er es gar nicht erwarten, mit der Umsetzung des Auftrags für ein großes Wandbild in der Arzler Alm beginnen zu können. Thema: „Landschaft mit Kuh“. Sehvergnügen vorprogrammiert.


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