Wintersaison vor Totalausfall, Hoteliers „geht die Luft aus“

Das Wifo erwartet für Tirol einen weiteren Einbruch der Nächtigungen im Jahr 2021. Hoteliers drängen auf ein Regelwerk für die Branche.

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Hinter der Öffnung von Gastronomie und Hotellerie im März steht ein Fragezeichen. Hoteliers sehen auch bei einem Lockdown-Ende einen Totalausfall.
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Wien – Mit Optimismus ging der österreichische Tourismus in die Corona-Wintersaison. Hygiene- und Sicherheitskonzepte wurden über den infektionsarmen Sommer entwickelt. Zugleich warb die Österreich Werbung mit einem Zusatzbudget von 9 Mio. Euro in 12 Ländern für den Winterurlaub in Österreich. Zur Halbzeit der Wintersaison überwiegt jedoch angesichts der Reisebeschränkungen und des anhaltenden Lockdowns die Ernüchterung. Der Branche droht ein Totalausfall, zeigt eine Analyse des Wirtschaftsforschungsinstitutes Wifo.

Das Wifo schätzt, dass sich die Zahl der Nächtigungen im Winter 2020/21 (November 2020 bis April 2021) auf insgesamt nur rund 10,2 Millionen belaufen und damit um etwa 83 Prozent unter Vorjahreswert liegen wird. Im Vergleich zum Rekordwinter 2018/19 mit 72,9 Millionen Übernachtungen wäre das ein Einbruch von über 86 Prozent. Im stärksten Winter-Bundesland Tirol rechnet das Wifo für den Winter 2020/21 nur mehr mit 3,1 Millionen Nächtigungen. 2019/20 waren es noch 22,9 Millionen, 2018/19 sogar 27,4 Millionen.

Jedoch ist selbst fraglich, ob diese Annahme halten wird, wie Studienautor Oliver Fritz vom Wifo gegenüber der TT erklärt. Denn die Analyse geht von einer Öffnung der Gastronomie und Hotellerie im März und einem Ende der Reisebeschränkungen in den wichtigsten Herkunftsländern mit April aus. „Wir sind in unserer Analyse von einer optimistischen Annahme ausgegangen“, sagt Fritz. Bei einem Nichteintreten dieser Szenarien wird von einem Einbruch bei den Tiroler Nächtigungen von mehr als 90 Prozent ausgegangen. Ausschließlich geschäftliche Übernachtungen und Kuraufenthalten wären dann zu verzeichnen.

Für das Tourismusjahr 2021 ist das Wifo pessimistisch. „Im besten Fall wird das Niveau des Jahres 2020 erreicht“, sagt Fritz, der aber für Tirol ein deutlich negativeres Szenario erwartet. „Für Tirol wird ein Minus von 12 Prozent erwartet.“ Grund dafür sei die besonders starke Abhängigkeit Tirols von Gästen aus dem Ausland. „Frühestens 2022 ist mit einer Nachfrage zu rechnen, die annähernd das Vorkrisenniveau erreicht.“

„Den Betrieben geht die Luft aus, das Finish ist aber noch lange nicht in Sicht“, warnt der Generalsekretär der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV), Markus Gratzer. Es brauche jetzt „rasch klare Rahmenbedingungen“ von der Regierung für die Öffnung der Hotellerie und Gastronomie in Österreich. „Bis zur angekündigten Entscheidung am 15. Februar bleibt nicht mehr viel Zeit, bis dahin muss unabhängig vom Öffnungstermin ein klares Regelwerk mit der Branche abgestimmt werden“, fordert der Branchensprecher. Die Wifo-Schätzung sei ein „Totalausfall“, der den Hotels an die Substanz gehe. Gratzer appelliert, die Weichen dafür zu stellen, dass die Eigenkapitalquote der Betriebe gestärkt werde, um für mehr Stabilität in der Branche zu sorgen.

Laut Fritz besteht trotz aller Unsicherheiten auch Grund zum Optimismus: Man könne davon ausgehen, dass die Reiselust der Menschen durch die lange Zeit der Reisebeschränkungen noch größer geworden ist. Auch eine nachhaltigere Belebung des Inlandstourismus sei möglich. (ecke)


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