Owen Wilson und Salma Hayek: Simuliertes Glück

Mike Cahill wagt in „Bliss“ einen verrückt-verhauten Genre-Mix. Mit dabei sind die Schauspielstars Owen Wilson und Salma Hayek.

„Ignorance is Bliss“: Greg Wittle (Owen Wilson) und Dr. Isabel Clemens (Salma Hayek) suchen das Glück in der Simulation.
© Imago

Von Marian Wilhelm

Innsbruck – Verrückte Kinoliebesgeschichten sind oft die schönsten. Das hat sich wohl auch Mike Cahill bei seinem dritten Spielfilm gedacht. In „Bliss“ kombiniert er eine Romanze mit Science-Fiction und einem Psycho-Drogen-Drama – und lässt seine Geschichte damit ordentlich aus dem Ruder laufen.

Sympathischer Verlierer-Typ mit psychischen Problemen

Protagonist Greg Wittle ist ein geschiedener Vater um die 50 und beschäftigt sich in der Arbeitszeit am liebsten mit Bleistiftzeichnungen seines Traumhauses. Beim Kündigungsrapport tötet er gleich einmal – versehentlich! – seinen Chef und flüchtet in eine Bar, wo er auf die obdachlose Isabel Clemens trifft.

Diese ersten zehn Minuten stellen uns auf vielversprechende Weise einen sympathischen Verlierer-Typ mit ordentlich psychischen Problemen vor, gefangen in der Abwärtsspirale einer grauen Alltags-Monotonie irgendwo zwischen „Fight Club“ und „Eternal Sunshine of the Spotless Mind“. Außenseiterin Isabel ist sein Ausstiegsszenario. Sie hat nicht nur selbst telekinetische Kräfte, sondern bringt auch Greg beim Schlittschuhlaufen bei, seine Umwelt zu kontrollieren. Vielleicht ist es aber auch nur seine Wahrnehmung, verändert durch die einverleibten Kristalle.

Info

Bliss. Ab heute auf Amazon Prime Video abrufbar.

Bis hierhin überrascht Regisseur Cahill durchaus angenehm-verrückt mit Fantasie und geschickt kondensiertem subjektivem Erzähltempo. Zwischen den Hauptdarstellenden Owen Wilson und Salma Hayek gibt es eine Chemie, auf die sich eine romantische Geschichte aufbauen ließe. Doch „Bliss“ nimmt eine Abzweigung in Richtung sanfte Science-Fiction, wie schon in Cahills ersten beiden Filmen „Another Earth“ und „I Origins“. Greg folgt dem rosa Kaninchen Isabel, nimmt vermeintlich eine rote Pille und erwacht aus einer Computer-Simulation. Die „reale Realität“ ist das paradiesische Gegenteil der Dystopie aus dem Höhlengleichnis in „The Matrix“. Gedreht im kroatischen Lopud, oberhalb von Dubrovnik, ist die Zukunfts-Welt übertrieben touristisch-sonnig, wie es sich auch die Kinotourismus-Werbung hierzulande nicht besser wünschen könnte.

Dr. Isabel forscht als Wissenschafterin an „Brainbox-Simulationen“, Gehirne schwimmen im Tank und kein anderer als Philosophie-Provokateur und Kino-Erklärer Slavoj Žižek schwadroniert in einem Cameo-Auftritt über Himmel und Hölle. Auf den Spuren von „Black Mirror“ und „Inception“ geht es Cahill philosophisch um „Bliss“, also das Glück, frei nach dem Sprichwort „Ignorance is bliss.“ Sein Film „Bliss“ will dabei, wie sein Protagonist, aber leider zu viel des Guten. Ein ordentlicher Entzug würde beiden gut tun.


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